Erec

Ambraser Heldenbuch 28rDas ‚Ambraser Heldenbuch‘ mit dem falschen Erec-Anfang (Bl. 28r)

Inhaltsverzeichnis

  • Überlieferung
  • Editionen
  • Übersetzungen
  • Beschreibung
  • Ikonographie
  • Textproben aus dem Anfang (v. 1–13)

Überlieferung

  • Koblenz, Landeshauptarchiv, Best. 701 Nr. 759,14b, 2 Blätter (1 Doppelblatt), Pergament, einspaltig, l. Hälfte 13. Jh., mitteldeutsch [Handschriftencensus], Bl. 1r–2v (Sigle K) [Abdruck: Brommer 1976, S. 190–194 [RI OPAC]; ebd. S. [190/191] [abrufbar (Bl. 1v)] → v. 7522–7705, 8436–8543, 8543a, 8544–8604 (= 354 Verse)
  • Pölten (früher Wien), Landesarchiv, Ständisches Archiv, Hs. 821, 1 Blatt, Pergament, einspaltig, 3. Viertel 14. Jh., bairisch-österreichisch [Handschriftencensus], Bl. 1r (Sigle V) [abrufbar; Abdruck: Vancsa 1948, S. 413–415 [PDF]; Faksimile: Vancsa 1948, S. [410/411] [PDF]; Lackner 2000 (CD-ROM) [GVK]; Transkription: Gärtner 2004 (abrufbar)] → v. 10047–10135 (= 89 Verse)
  • Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Ser. nova 2663 (‚Ambraser Heldenbuch‘), 238 Blätter, Pergament, dreispaltig, 1504/1516, südbairisch [Handschriftencensus], Bl. 30rb–50vb(Sigle A) [abrufbar (Bild 77–118); Faksimile: Unterkircher 1973, Bl. 30rb–50vb [GVK]; Transkription: Hartmann von Aue-Portal [PDF] → v. 1–1428, 1430–1960, 1962–2084, 2086–2622, 2624–3788, 3790–4078, 4080–4116, 4118–4237, 4239–5042, 5044–5544, 5546–6124, 6126–6519, 6521–6588, 6590–10135 (= 10122 Verse, mit Großlücke vor v. 1 und kleineren Lücken nach v. 4629)
  • Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, zu Cod. 19.26.9 Aug. 4°, 6 Blätter (2 Doppelblätter und 9 Querstreifen eines Doppelblattes), Pergament, einspaltig, Mitte / 3. Viertel 13. Jh., thüringisch-hessisch [Handschriftencensus], 1r–4v (Sigle W) [abrufbar, Abdruck: Heinemann 1898, S. 262–266 (abrufbar); Gärtner 1982, S. 216–225 [bedingt abrufbar]; Faksimile: Milde 1982, S. [200/201] [bedingt abrufbar]) → v. 4549–4567, 4567a, 4570–4579, 4579a, 4580–4590, 4595–4629, 46291–5, 46295a, 46296–57, 4630–4652, 4661–4693, 4703–4731, 4734–4779, 4779ab, 4786–4789, 4791–4797, 4800–4832 (= 312 Verse)

Verlorene Handschriften

  • Item das puech von künig Erekchen: im Besitz der Grafen von Ortenburg [Wikipedia] um die Mitte des 15. Jahrhunderts laut einem Bücherverzeichnis (Ed. Ineichen-Eder 1977, S. 16 [GVK]; Schmidt 1842, S. 339 [abrufbar])
  • Item daz puch Hedek und Eneyt: im Besitz der Adligen Elisabeth von Volkenstorff [Wikipedia] im 15. Jahrhundert laut ihrem eigenhändigen Bücherverzeichnis (Ed. Paulhart 1971, S. 147 [GVK]; wie Pfeiffer 1859, S. 189 [abrufbar])

Codex

A

Der Codex A ist das berühmte, zwischen 1504 und 1516 im Auftrag Kaiser Maximilians I. von dessen Zollschreiber Hans Ried vollendete ‚Ambraser Heldenbuch‘, das auch die Klage und den Iwein enthält. Die Handschrift besteht aus 238 Blättern mit floraler Randausschmückung am Anfang der meisten Stücke. Der Erec ist unvollständig überliefert, denn der Anfang des Romans ist durch einen anderen Text ersetzt worden. Außerdem weist die Abschrift eine Lücke von vermutlich 78 Versen nach v. 4629 auf. Der Text, der den Erec-Anfang ersetzt, ist eine deutsche Bearbeitung der französischen Erzählung Le Cort Mantel oder Du mantel mautaillé [ARLIMA]. Dieses in sieben Handschriften mit 664 bis 913 Versen überlieferte Fabliau erzählt von einem Zaubermantel, der als Tugendprobe fungiert. Er passt nur absolut treuen Frauen. Die Damen des Artushofs ziehen ihn nacheinander an und scheitern, etwa die Freundinnen von Yyain, Keu und Perceval. Der Mantel steht nur Galeta, der Freundin von Carados. Im ‚Ambraser Heldenbuch‘ ist die Handlung dieselbe, aber Carados und Galeta werden durch Erec und Enite ersetzt (v. 956). Der Mantel wurde zunächst zweimal als anonymes Werk ediert (Haupt 1840, S. 217–241 [abrufbar]; Müllenhoff 1878, S. 125–136 [abrufbar]) und dann in der dritten Ausgabe wegen Übereinstimmungen mit der Krone Heinrich von dem Türlin [Wikipedia] zugeschrieben (Warnasch 1883, S. 8–54 [abrufbar]). Heute wird diese Zuschreibung bezweifelt. Seit der dritten Ausgabe werden die Verse des Mantels bis 994 gezählt, aber diese Zahl entspricht dem realen Versbestand nicht ganz, da vier Lücken von je einem Vers durch ungezählte Leerzeilen markiert werden (nach v. 93, 504, 760, 812). Der Mantel ist im ‚Ambraser Heldenbuch‘ unikal überliefert. Es ist deshalb unklar, dass diese Bearbeitung von Le Cort Mantel jemals als selbständiger Text existiert hat oder speziell als Erec-Anfang entstand. Konsens besteht jedoch darüber, dass er nicht von Hartmann stammt und erst im 13. Jahrhundert mit dem Erec verbunden wurde. Im ‚Ambraser Heldenbuch‘ erstreckt sich der MantelErec-Komplex über 23 Blätter (Bl. 28r–50v) und bildet eine narrative Einheit, in welcher der Erec als Vorgeschichte der Mantelprobe erscheint. Der Übergang zwischen beiden Geschichten erfolgt mitten in einer Spalte (Bl. 30rb). An der Nahtstelle ist sowohl inhaltliche als auch syntaktische Unordnung entstanden. Der Erec beginnt mit einem unvollständigen Satz und einem reimlosen Vers, während der Mantel mit einem Reimpaar endet. Der MantelErec-Komplex erscheint an sechster Stelle in der Sammlung, so auch im einleitenden Register, Tabula genannt. Spätere Werke wie das Nibelungenlied und die Gudrun werden dagegen in der Tabula und durch die florale Randausschmückung in kleinere Einheiten gegliedert, als wären die einzelnen Aventüren selbständige Dichtungen. Der Mantel-Erec-Komplex beginnt mit einer langen roten Überschrift, die sich auf beide Teile bezieht: Aber von künig Artus vnd ſeinem | Hofgeſind · auch Helden vnd hand= | lungen · als von her Gabein · khaÿ · | Yrecken · eins Mantlſhalben · ſo | künig Artus hauſfraw · vnd ander | frawen anlegen müeſten · dardurch | man Ynnen war Jhrer trew · | Sunderlich von Erick · vnd ſeiner | hauſfrawen ein tail ain ſchon | leſen. Oben in der nächsten Spalte beginnt der Komplex mit einer sechs Zeilen hohen lilafarbenen E-Initiale auf goldenem Hintergrund. Am rechten Rand sind ein dreistieliger Löwenzahn und ein auf einer weißen Blume sitzender Vogel gezeichnet. Mit Ausnahme der großen Anfangsinitiale sind die meisten Initialen nur drei Zeilen hoch und alternieren zwischen Rot und Blau. Der eigentliche Erec beginnt in der zehnten Spalte der narrativen Einheit und erstreckt sich über 42 Seiten mit 124 Spalten. Dieser Teil hat 10222 Verse, von denen 14 reimlos sind (v. 1, 1429, 1961, 2085, 2623, 3789, 4079, 4117, 4238, 5043, 5545, 6125, 6520, 6589). In diesem Teil finden wir 241 Initialen mit unregelmäßigem Abstand, der in einem Fall 226 Verse erreicht (zwischen v. 3084 und v. 3338). Durchschnittlich werden die Initialen durch 42 Verse getrennt. Abgesehen von dem verlorenen Anfang, der in einer frühen Überlieferungsphase durch den Mantel ersetzt wurde, weist A nur eine einzige größere Lücke auf (nach v. 4929). An der entsprechenden Stelle hat Hans Ried nichts bemerkt (Bl. 39va). A war bis 1898 der einzige bekannte Textzeuge und liegt allen Editionen zugrunde. Der Wortlaut der Handschrift wurde erst 1973 von dem Leiter der Wiener Handschriftensammlung Franz Unterkircher [BnF] durch dessen Faksimile-Ausgabe des ‚Ambraser Heldenbuchs‘ veröffentlicht. Bis dahin war die Forschung an die normalisierenden Umschreibungen ins Mittelhochdeutsche angewiesen gewesen, die letztendlich alle auf Haupts Erstdruck von 1839 beruhen. Das ‚Hartmann von Aue-Portal‘ stellt eine anonyme Transkription von A zur Verfügung.

Fragmente

K

Das Koblenzer Fragment K ist ein Doppelblatt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Jede Seite hat 35 Zeilen mit durchschnittlich knapp 90 nicht abgesetzten Versen. K hat einen nicht von Hartmann stammenden Plusvers, Er bildet einen im Erec ungewöhnlichen Dreireim (v. 8543a). Überliefert sind zwei Abschnitte mit insgesamt 354 Versen (v. 7522–7705, 8436–8543, 8543a, 8544–8604). Zwischen den Abschnitten fehlen 730 Verse, die zwei Blättern entsprechen. Das Doppelblatt war also vermutlich das dritte einer Lage mit vier Doppelblättern. Die vollständige Handschrift hatte rund 57 Blätter, wohl 44 vor dem Fragment, 9 danach. Die Mundart dieser frühen Abschrift ist mitteldeutsch, wohl rheinfränkisch, und entspricht dem heutigen Standort, wo das Fragment 1976 von Peter Brommer, dem Leiter des Landesarchivs Koblenz [Wikipedia], entdeckt und ediert wurde. Das Doppelblatt diente früher als Einband eines Amtsbuches und ist relativ gut erhalten.

V

Das Wiener Fragment V ist ein Blatt aus dem dritten Viertel des 14. Jahrhunderts. Es ist nur auf der Vorderseite beschrieben und enthält den Schluss. Das Blatt hat zwei vorliniierte Spalten, aber sie wurden bei der Abschrift nicht berücksichtigt. Die Verse füllen die ganze Breite der Seite und sind nicht abgesetzt. Erhalten sind 89 Verse, die mit denjenigen von A übereinstimmen. Das Blatt diente als Umschlag für Akten der niederösterreichischen Herrschaft Walpersdorf [Wikipedia]. Es wurde zum ersten Mal zwischen 1910 und 1923 von Max Vancsa [Wikipedia], dem damaligen Leiter des Niederösterreichischen Landesarchivs, entdeckt, 1938 zum zweiten Mal von dessen Sohn Kurz Vancsa (Österreichisches Personenlexikon 1992 [abrufbar]). Dieses Archiv befand sich bis 1997 in Wien. Kurz Vancsa edierte das Fragment 1948, ein Jahr nach dem Tod seines Vaters. Bis zur Wiederentdeckung 1938 hatte er in seinem Amtsschreibtisch jahrelang eine flüchtige Abschrift seines Vaters besessen, ohne deren Herkunft zu kennen.

W

Die Wolfenbütteler Fragmente sind zwei Doppelblätter und neun Querstreifen eines dritten Doppelblatts. Sie stammen aus einer Pergamenthandschrift aus der Mitte oder dem dritten Viertel des 13. Jahrhunderts. Die zwei Doppelblätter und vier der neun Querstreifen wurden von Otto von Heinemann [Wikipedia], dem Leiter der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, entdeckt und 1898 von ihm bis auf wenige Verse vollständig ediert. Er hatte diese Fragmente in einer Papierhandschrift des 15. Jahrhunderts mit einer Predigtsammlung gefunden. Sie waren auf den Innendeckel geklebt. Die Doppelblätter waren durch den Hobel des Buchbinders quer zerschnitten, sodass oben und zweimal auch unten ca. 4 cm fehlen. Zwei der oben abgeschnittenen Querstreifen sind erhalten und wurden von Heinemann mit ediert, aber er konnte nicht immer die Übergänge entziffern. Sie sind heute wieder zusammengefügt, sodass man im Online-Digitalisat die Nahtstellen kaum erkennen kann (Bl. 3r–4v, Bild 5–8). Diese Blätter enthalten 21 Zeilen pro Seite mit Textverlust unten. Die beiden anderen Blätter haben 18 Zeilen pro Seite mit Textverlust oben (Bl. 1r–2v). Die Reihenfolge der vier Blätter des Online-Digitalisats war ursprünglich: Bl. 3, 1, 2, 4. Auf jeder der acht Seiten waren 43 bis 50 Verse eingetragen. Der erhaltene Text entspricht dem Abschnitt v. 4549–4832. Ursprünglich hatten die acht Seiten vermutlich 360 Verse. Davon wurden 48 weggehobelt (v. 4591–4594, 12 nach 46295, 9 nach 462943, 4653–4660, 4694–4702, 4789f., 4833–4836), sodass heute nur noch 312 Verse oder Reste davon zu lesen sind. Davon konnte Heinemann 302 entziffern. Einen vollständigen Abdruck der 312 Verse besorgte Kurt Gärtner 1982. Wolfgang Milde, Heinemanns Nachfolger in Wolfenbüttel [Wikipedia], veröffentlichte im selben Jahr Faksimiles der Fragmente. Milde zählte 317 Verse, ohne diese Summe zu erklären (S. 190). Gärtners Abdruck hat aber nur 312 Verse. Mildes Irrtum wurde später mehrmals ohne Überprüfung übernommen, 2008 von Mertens (S. 578), 2017 von Hammer (S. xxiv, xxxii). Hammer druckte selbst nur 310 Verse ab, da er die wenigen, nicht mit Sicherheit zu entziffernden Buchstaben von v. 4479 und 4794 nicht wiedergab. Gegenüber A hat W 62 Plusverse (v. 4567a, 4579a, 46291–5, 46295a, 46296–57, 4779ab) und weist acht Lücken mit insgesamt 35 Versen auf (v. 4568f., 4591–4594, 4653–4660, 4694–4702, 4732f., 4780–4785, 4789f., 4798f.). Fünf der acht Lücken gehörten zur ursprünglichen Handschrift (v. 4568f., 4732f., 4780–4785, 4798f.). W stimmt in den meisten Fällen mit A überein, scheint aber einen weniger verlässlichen und weniger vollständigen Text zu bieten als die fast drei Jahrhunderte jüngere Abschrift A. Durch einen Glücksfall deckt W allerdings weitgehend die einzige Großlücke von A. W hat denselben Text wie A vor und nach der Lücke und dazwischen 58 Plusverse (Bl. 3v, 1r –v). Die Länge der Großlücke lässt sich mit großer Sicherheit auf genau 78 Verse berechnen. Aus derselben Handschrift wie W stammen auch 9 Querstreifen mit ca. 130 meist verstümmelten Versen. Sie sind von derselben Hand wie der Text der Doppelblätter, stammen aber wahrscheinlich aus einer anderen Erec-Dichtung. Heinemann entdeckte vier der Streifen und druckte sie ab, hatte aber keine Ahnung von der Herkunft des von A abweichenden Texts. Die übrigen Querstreifen wurde später von Hans Butzmann [Wikipedia], der bis 1968 die Herzog August Bibliothek leitete, in derselben Papierhandschrift des 15. Jahrhunderts entdeckt. Er veröffentlichte 1972 den ersten Hinweis auf seine Entdeckung (S. 89 [GVK]). Um diese Querstreifen (Bild 9–18 im Online-Digitalisat) von den Doppelblättern zu unterscheiden, schlug Gärtner 1982 in seinem Abdruck sämtlicher Wolfenbütteler Fragmente vor, die beiden fast vollständigen Doppelblätter mit Hartmanns Erec als die ‚alten Fragmente‘ und die 9 verstümmelten Querstreifen des dritten Doppelblatts mit dem anderen Erec als die ‚neuen Fragmente‘ zu bezeichnen.

Editionen

  • Primisser 1821, Adolf (Hrsg.): Erek und Enite. In: Anzeigeblatt für Wissenschaft und Kunst 16, S. 22–31, hier S. 25–31 [abrufbar] → v. 248–661, 1456–1465, 4834–4840, 4834–4840, 4860–4879 (= 451 ungezählte Verse, Abdruck von A)
  • Haupt 1839, Moriz (Hrsg.): Erec. Eine Erzählung von Hartmann von Aue. Leipzig, S. 1–307 [abrufbar]; 21871, S. 3–320 [abrufbar]; 21979 [GVK] → v. 2–10135 (= 10221 Verse, gezählt von 1 bis 10134, nach A mit gezählten Leerzeilen für die 14 kleinen Lücken; 1871 10222 Verse mit Hinzufügung des ersten Verses und verschobener Zählung von 1 bis 10135)
  • Bech 1867, Fedor (Hrsg.): Hartmann von Aue. 1. Theil. Êrec der Wunderære. Leipzig (= Deutsche Classiker des Mittelalters 4,1), S. 3–327 [abrufbar]; 21870, S. 3–328 [abrufbar]; 31893, S. 3–329 [abrufbar]; 41934 [GVK] → v. 1–10135 (= 10135 Verse, gezählt ab v. 2 von 1 bis 10134, in eckigen Klammern v. 1429, 1961, 2055, 3622f., 3789, 4079, 4117, 4238, 5043, 5545, 6520, 6589)
  • Heinemann 1898, Otto: Wolfenbütteler Bruchstück des Erec. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 42, S. 259–267, hier S. 262–266 [abrufbar] → v. 4549–4551, 4553–4567, 4567a, 4570–4579, 4579a, 4580–4590, 4595f., 4599–4629, 46291–57, 4630–4652, 4661–4693, 4703–4731, 4734–4745, 4749–4779, 4779ab, 4786f., 4791f., 4795–4797, 4800–4832 (= 302 Verse, fast vollständiger Abdruck von W)
  • Naumann 1933, Hans (Hrsg.): Hartmann von Aue. Erec / Iwein. Bearbeitet von Universitätsprofessor Dr. H.N. und Privatdozent Dr. Hans Steinger. Leipzig (= Deutsche Literatur 3), S. 25–160 [GVK]; 21964 [GVK] → v. 1–4629, 46291–57, 4630–10135 (= 10192 Verse, gezählt 1–10135 und 46291–57)
  • Leitzmann 1939, Albert (Hrsg.): Erec von Hartmann von Aue. Halle/S. (= Altdeutsche Textbibliothek 39), S. 1–262 [auszugsweise abrufbar]; 21957 [GVK]; 21960 [GVK]; 31963 [GVK]; 41967 [GVK]; 51972 [auszugsweise abrufbar (GVK)]; 61985, S. 1–326 [auszugsweise abrufbar]; 72006, S. 1–297 [auszugsweise abrufbar] → v. 1–4629, 46291–57, 4630–10135 (= 10192 Verse, gezählte Leerzeile nach v. 1674, ungezählte Leerzeilen nach v. 4317, 46295, 462943, in eckigen Klammern v. 1429, 1961, 2055, 3623, 3789, 4079, 4117, 4238, 5043, 5545, 6125, 6520, 6589; 1985 10193 Verse mit Spaltung v. 1674f., Hinzufügung von v. 46295a, Verzicht auf Leerzeile nach v. 4317, Paralleler Abdruck von W; 2006 Verzicht auf parallelen Abdruck von W, separater Abdruck von Z; 1963–1972 besorgt von Ludwig Wolff, 1985 besorgt von Christoph Cormeau und Kurt Gärtner, 2006 besorgt von Kurt Gärtner)
  • Fourquet 1944, Jean (Hrsg.): Hartmann d’Aue. Erec. Iwein. Extraits accompagnés des textes correspondants de Chrétien de Troyes avec introduction, notes et glossaire. Paris (= Bibliothèque de philologie germanique 5), S. 51–65, 70–75, 78–91, 97–117 [GVK] → v. 624–1098, 2924–3105, 6352–6813, 8896–9609 (= 1833 Verse, 18 % des Romans, besonders nach Haupt 1839/21871 und Leitzmann 1939)
  • Vancsa 1948, Kurt: Wiener ‚Erec‘-Bruchstück. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N.F. 29 (1944/1948), S. 411–415 [PDF] → v. 10047–10135 (= 89 Verse, Abdruck und Faksimile von V)
  • Schwarz 1967, Ernst (Hrsg.): Hartmann von Aue. Erec. Iwein. Text, Nacherzählung, Worterklärungen. Darmstadt, S. 3–286 [GVK]; 21986 [GVK] → nicht eingesehen (Text wie Leitzmann 31963)
  • Cramer 1972, Thomas (Hrsg.): Hartmann von Aue. Erec. Mittelhochdeutscher Text und Übertragung. Frankfurt/M. (= Fischer-Taschenbuch-Verlag 6017), S. 6–440 [GVK; Bibliotheca Augustana (Transkription)]; 1973 [GVK]; 1975 [GVK]; 1975 [GVK]; 1977 [GVK]; 1979 [WorldCat]; 1980 [GVK]; 1982 [GVK]; 1984 [WorldCat]; 1986 [WorldCat]; 1987 [GVK]; 1989 [GVK]; 1990 [WorldCat]; 1991 [GVK]; 1992 [GVK]; 1992 [GVK]; 1994 [GVK]; 1995 [GVK]; 1996 [GVK]; 1997 [GVK]; 1998 [GVK]; 221999 [GVK]; 232000 [WorldCat]; 242002 [WorldCat]; 252003 [GVK]; 262005 [GVK]; 272007 [GVK]; 282013 [GVK]; auch als Hörbuch: Keller 2005, Hildegard Elisabeth (Hrsg.): … âventiure vür daz ôre … Hartmanns von Aue ‚Erec‘. Ein Hörbuch nach dem gleichnamigen Roman. Zürich [GVK] → v. 1–4629, 46291–57, 4630–10135 (= 10192 Verse, wie Leitzmann 1939, alle Auflagen unverändert; 2005 als CD)
  • Unterkircher 1973, Franz (Hrsg.): Ambraser Heldenbuch. Vollständige Faksimile-Ausgabe im Originalformat des Codex Vindobonensis series nova 2663 der Österreichischen Nationalbibliothek. Graz (= Codices selecti 43,1), Bl. 30rb–50vb [GVK] → v. 1–10135 (= 10122 Verse, Faksimile von A)
  • Brommer 1976, Peter (Hrsg.): Ein unbekanntes ‚Erec‘-Fragment in Koblenz. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 105, S. 188–194, hier S. 190–194 [RI OPAC] → 7522–7705, 8436–8543, 8543a, 8544–8604 (= 354 Verse, Abdruck von K und Faksimile von Bl. 1v)
  • Gärtner 1982, Kurt: Der Text der Wolfenbütteler Erec-Fragmente und seine Bedeutung für die Erec-Forschung. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 104 (Halle), S. 207–230, 359–430, hier S. 216–225 [bedingt abrufbar] → v. 4549–4567, 4567a, 4570–4579, 4579a, 4580–4590, 4595–4629, 46291–5, 46295a, 46296–57, 4630–4652, 4661–4693, 4703–4731, 4734–4779, 4779ab, 4786–4789, 4791–4797, 4800–4832 (= 312 Verse, vollständiger Abdruck von W)
  • Milde 1982, Wolfgang: Zur Kodikologie der neuen und alten Wolfenbütteler Erec-Fragmente und zum Umfang des darin überlieferten Erec-Textes. In: Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 104 (Halle), S. 190–206, hier S. [200/201] [bedingt abrufbar] → v. 4549–4567, 4567a, 4570–4579, 4579a, 4580–4590, 4595–4629, 46291–5, 46295a, 46296–57, 4630–4652, 4661–4693, 4703–4731, 4734–4779, 4779ab, 4786–4789, 4791–4797, 4800–4832 (= 312 Verse, Faksimile von W)
  • Arentzen/Ruberg 1987, Jörg/Uwe (Hrsg.): Die Ritteridee in der deutschen Literatur des Mittelalters. Eine kommentierte Anthologie. Eingeleitet und hrsg. von J.A. und U.R. Darmstadt [GVK]; 22011, S. 152f., 168–172 [GVK] → 2285–2354, 2720–2751, 6892–7030 (= 240 Verse)
  • Lackner 2000, Franz: Katalog der Streubestände in Wien und Niederösterreich. Teil 1. Nichtarchivalische mittelalterliche Handschriften und Fragmente in Korneuburg, Mistelbach, Retz, St. Pölten, Tulln, Waidhofen an der Thaya, Weitra, Wien, Wiener Neustadt und aus Privatbesitz. Katalogband und CD-ROM. Wien (= Österreichische Akademie der Wissenschaften, philosophisch-historische Klasse, Denkschriften 272) [GVK] → v. 10047–10135 (= 89 Verse, Abbildung von V auf dem CD-ROM)
  • Okken 2000, Lambertus: Der Ambraser ‚Erec‘-Roman. Transkription mit Erläuterung in drei Heften. Bilthoven [WorldCat] → nicht eingesehen (im Selbstverlag als Manuskript erschienen und laut WorldCat nur in Amsterdam verfügbar)
  • Scholz 2004, Manfred Günter (Hrsg.): Hartmann von Aue. Erec. Hrsg. von M.G.S. Übersetzt von Susanne Held. Frankfurt/M. (= Bibliothek deutscher Klassiker 188), S. 10–564 [GVK]; 2007 [GVK] → v. 1–4629, 46291–57, 4630–10135 (= 10192 Verse, wie Leitzmann 61985, jedoch mit rund 600 geringfügigen, in einem Verzeichnis aufgelisteten Änderungen)
  • Mertens 2008, Volker (Hrsg.): Hartmann von Aue. Erec. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch. Hrsg., übersetzt und kommentiert von V.M. Stuttgart (= Reclams Universal-Bibliothek 18530), S. 6–572 [GVK]; 2010 [GVK] → v. 0–4629, 46291–5, 46295a, 46296–57, 4630–10135 (= 10194 Verse, eine ungezählte Leerzeile nach v. 46295, zwei ungezählte Leerzeilen nach v. 4317, 46295a, 462943, in eckigen Klammern v. 0, 1429, 1961, 2055, 3623, 3789, 4079, 4117, 4238, 5043, 5545, 6125, 6520, 6589, kursiv v. 1429, 1961, 2055, 3623, 3789, 4079, 4117, 4238, 46291–5, 46295a, 46296–57, 5043, 5545, 6125, 6520, 6589)
  • Edwards 2014, Cyril (Hrsg.): Erec. Hartmann von Aue. Edited and translated by C.E. Cambridge (= Arthurian archives 19) [GVK] → nicht eingesehen
  • Hammer 2017, Andreas [u.a.] (Hrsg.): Hartmann von Aue. Ereck. Textgeschichtliche Ausgabe mit Abdruck sämtlicher Fragmente und der Bruchstücke des mitteldeutschen ‚Erek‘. Berlin / Boston 2017, S. 52–566, 572–588 [auszugsweise abrufbar] → v. 1–10135 (= 10877 Verse, Abdruck von A, 10112 Verse, gezählt von 995 bis 11116, mit parallelem Abdruck von K, 354 Verse, W, 312 Verse, und V, 89 Verse, separater Abdruck der neuen Fragmente von W und der Zwettler Fragmente Z)

1821 gab Adolf Primisser, Kustos des Wiener Antikenkabinetts und der Ambraser Sammlung [Wikipedia], vier Auszüge mit insgesamt 451 Versen aus dem Erec heraus und bemerkte schon die Großlücke nach v. 4929. Die erste vollständige Erec-Edition besorgte Moriz Haupt [Wikipedia]. Er hatte in Berlin Karl Lachmann kennengelernt und war von dessen Philologie geprägt worden. Er schrieb den Text der frühneuhochdeutschen Leithandschrift in normiertes Mittelhochdeutsch um und widmete die Edition „Herrn Professor Dr Lachmann in Berlin“. Die Ausgabe ist einspaltig mit einem relativ bescheidenen Apparat im Seitenfuß. Haupt begann den Text mit dem ersten vollständigen Satz (v. 2) und zählte die Verse fortlaufend bis 10134. An den 14 Stellen ohne Reimantwort ließ er Leerzeilen stehen und zählte sie mit. Für 11 davon schlug er im Apparat Konjekturen vor, in einem Fall nach Lachmanns Vorschlag (v. 5545). Sonst stammten die Konjekturen von ihm selbst. Es handelt sich vermutlich um 13 Lücken und ein Reimpaar in einer Zeile (v. 1674f.). Es hat sich später herausgestellt, dass eine der 14 problematischen Stellen durch Spaltung eines langen reimlosen Verses und Korrektur der Endung <r> in <n> ziemlich leicht gelöst werden kann. Da Haupt die Länge der Großlücke nicht kannte, setzte er einfach die Zählung danach fort. In einer kurzen Einleitung gab er die entsprechende Passage der altfranzösischen Vorlage wieder. Die Initialen markierte er durch Einziehung nach links, inhaltliche Neuanfänge durch Einziehung nach rechts. In beiden Fällen ließ er die Abschnitte mit nicht fetten Majuskeln beginnen. 1871 veröffentlichte er eine Zweitauflage mit fast demselben Text. Er fügte diesmal den ersten, syntaktisch unvollständigen Vers hinzu und verschob deshalb die Zählung um einen Vers. Diese neue Zählung von 1 bis 10135 hat sich bis heute durchgesetzt. In der Zweitauflage ist die kurze Einleitung (v. iii–xvi) durch einen umfangreichen Stellenkommentar ersetzt (S. 323–440).

1867 begann Fedor Bech, Gymnasiallehrer in Zeitz [Metapedia], seine Gesamtausgabe von Hartmanns Werken mit dem Erec. Nach v. 10045 betitelte er den Text Êrec der wunderære. Er übernahm Haupts kritischen Text fast unverändert und fügte dessen Konjekturen in den Text ein. Deshalb hatte die neue Edition 10135 Verse. Die Konjekturen markierte Bech gewöhnlich durch eckige Klammern, vergaß aber einmal die Markierung (v. 6125). Nach Haupts Vorbild zählte er den ersten Vers nicht mit. Die wesentlichste Erneuerung war die Einteilung des Romans in 24 Abschnitte, die Bech nach dem Vorbild des Nibelungenliedes ‚Âventiure‘ nannte und mit einer Überschrift versah. Dieses Prinzip verwandte er auch in den beiden folgenden Hartmann-Bänden und in seiner Tristan-Ausgabe. Er gab den Erec 1873 und 1891 erneut heraus, ohne bemerkenswerte Änderungen vorzunehmen. Die vierte Auflage erschien 1934 posthum.

Nach der Entdeckung und Veröffentlichung von W im Jahr 1898 verstrichen 35 Jahre, bevor die Fragmente in einer neuen Erec-Ausgabe berücksichtigt wurden. 1933 gab Hans Naumann, Professor an der Universität Bonn [Wikipedia], zusammen mit dem Privatdozenten Hans Steinger den Erec zum dritten Mal heraus. Diese Ausgabe umfasste auch den Iwein. Für Naumann galt es: „den durch Haupt und Bech gestalteten Text den Untersuchungen von Zwierzina, Kraus, Gierach u.a.m. anzupassen, sowie das Wolfenbütteler Fragment erstmalig in ihn hineinzustellen“ (S. 161). Die Edition folgt den vorigen treu und bietet den Text in zwei Spalten ohne Berücksichtigung der Initialen. Lesarten werden in einem separaten Apparat nachgetragen (S. 161–174). Für die Plusverse aus W übernahm Naumann die von Heinemann benutzte Zählung 46291–57. Nach v. 46295 und 462943 ließ er je zwei Leerzeilen stehen, ohne sie zu zählen. Eine zusätzliche Leerzeile findet sich nach v. 1675, da Naumann wie Haupt und Bech diesen reimlosen Vers zusammen mit dem vorigen abdruckte. Die übrigen 13 Lücken füllte er wie Bech mit Konjekturen aus, aber ohne die Eingriffe graphisch durch eckige Klammern zu markieren. Seine Edition hat 10191 abgesetzte Verse, aber eigentlich 10192 Verse, da v. 1675 vermutlich dem Ende des vorigen Verses entspricht und also nicht verloren ist. Ein unveränderter Nachdruck erschien 1964.

1939 wurde die vierte Erec-Edition von Albert Leitzmann, damals emeritiertem Professor von Jena [Wikipedia], veröffentlicht. Wie Naumann fügte er W in die Großlücke ein, ohne die Länge der beiden übrig gebliebenen Kleinlücken zu markieren. Leitzmann vermutete auch eine Lücke nach v. 4317 und ließ in allen drei Fällen ungezählte Leerzeilen stehen. Dagegen zählte er die Leerzeile nach v. 1674, die er von den früheren Ausgaben übernommen hatte. Er markierte die 13 konjizierten Verse, die als Antwort in einem zerstörten Reimpaar dienten, durch eckige Klammern. Nach Leitzmanns Tod 1950 erfuhr seine Edition bis 1972 vier Neuauflagen. Sie wurde ab 1963 von Ludwig Wolff, Professor in Marburg [Wikipedia], ohne wesentliche Veränderungen fortgeführt. Erst die sechste Auflage enthielt eine Umarbeitung. Sie wurde 1985 von Christoph Cormeau [BNF] und Kurt Gärtner, bis 2001 Professor in Trier [Wikipedia], veröffentlicht. Sie ergänzten erstmals die Leerzeile in v. 1675 durch Spaltung des vorigen Verses und fügten die wenigen Buchstaben aus dem dritten Vers der Lücke nach v. 46295 hinzu, die Gärtner 1982 über Heinemann hinaus entziffert hatte (v. 46295a). Außerdem druckten Cormeau und Gärtner alle Wolfenbütteler Fragmente parallel zu Leitzmanns Text ab, sowohl die alten mit Hartmanns Text als auch die neuen mit dem anonymen Erec. Neben den jetzt 58 aus W ergänzten Versen gaben sie durch den Paralleldruck von W zu verstehen, dass nach v. 46295 und v. 462943 12 bzw. 9 Verse fehlen. Sie ließen auch die Punkte unter den Vokalen weg, die Leitzmann in Hiatus hinzufügt hatte. Nach Cormeaus Tod 1996 besorgte Gärtner 2006 die siebte und vorläufig letzte Auflage allein. Die immer wieder aktualisierte Leitzmann-Edition gilt als die maßgebliche Ausgabe. Sie richtet sich an ein akademisches Publikum, das den mittelhochdeutschen Text ohne unterstützende Übersetzung versteht. Eine breitere Leserschaft hat sie dank Thomas Cramer, heute emeritiertem Professor der Technischen Universität Berlin [Germanistenverzeichnis], erreicht. Für die zweisprachige Ausgabe, die er 1972 veröffentlichte, verwandte Cramer nach eigener Angabe die erste Leitzmann-Edition von 1939 mit geringfügigen Abweichungen in 15 Versen: „In einigen Fällen habe ich anders interpungiert und mich näher an den Wortlaut der Handschrift gehalten: Vv. 94, 176f., 600f., 1693, 7495, 8052f., 8567f., 8950, 9030, 10105, 10114“ (S. 451). Der mittelhochdeutsche Text wird von Cramers Übertragung begleitet, enthält dagegen keinen Apparat. In einem kurzen Nachwort (S. 443–452) gibt der Herausgeber allgemeine Informationen zum Autor, zum Artusroman, zum Erec, zur Quelle, zur Überlieferung und zu seiner eigenen Übersetzung. Von 1972 bis 1998 wurde dieses leserfreundliche Buch in 85000 Exemplaren verkauft und ist wahrscheinlich bis heute die meistgelesene Erec-Edition geblieben.

2004 veröffentlichte Manfred Günter Scholz [VIAF] den Erec mit einer neuen Übersetzung von Susanne Held [Ardapedia]. Er präsentierte den Text als eine neue Edition, hielt sich aber sehr eng an die sechste, 1985 von Cormeau und Gärtner besorgte Auflage von Leitzmanns Ausgabe und wich nur an 600 Stellen, die Scholz auflistete, geringfügig davon an. Der Versbestand war unverändert. Die zweisprachige Ausgabe erfuhr 2007 eine zweite unveränderte Auflage.

2008 gab Volker Mertens, Professor an der Freien Universität Berlin und Artusexperte [Wikipedia], den Erec nach neuen Prinzipien heraus. Er markierte alle Konjekturen kursiv, insgesamt 71 vollständige Verse (v. 1429, 1961, 2055, 3623, 3789, 4079, 4117, 4238, 46291–5, 46295a, 46296–57, 5043, 5545, 6125, 6520, 6589). Konjekturen, die mehr als ein Wort betrafen, wurden zusätzlich in eckige Klammern gesetzt, insgesamt 14 Verse (v. 0, 1429, 1961, 2055, 3623, 3789, 4079, 4117, 4238, 5043, 5545, 6125, 6520, 6589). Zum ersten Mal konjizierte Mertens den ersten Teil des syntaktisch unvollständigen Anfangsverses (v. 0). Viermal ließ er für Lücken eine oder zwei ungezählte Leerzeilen stehen (v. 4317, 46295, 46295a, 462943). Insgesamt kam Mertens auf 10194 Verse und sieben Leerzeilen. Die Anzahl der fehlenden Verse in der Großlücke markierte er nicht graphisch. Im Gegensatz zu Gärtner verzichtete Mertens auf einen Paralleldruck der Wolfenbütteler und Zwettler Fragmente und behielt auf diese Weise den Fokus auf Hartmanns Text. In einem separaten Abschnitt trug er knapp 1600 Lesarten nach (S. 586–625). Den Editionstext begleitete er mit seiner eigenen Übersetzung.

2014 edierte der englische Mediävist Cyril Edwards [Wikipedia] erneut den Erec und versah, ähnlich wie Mertens, den Editionstext mit seiner eigenen Übersetzung. Wie die vier vorigen englischen Übersetzungen, die zwischen 1982 und 2001 ohne mittelhochdeutschen Paralleltext erschienen, ist Edwards’ Ausgabe in Straßburg nicht verfügbar. Auszüge aus der Übertragung, die das amerikanische Trio Frank Jude Tobin [VIAF], Kim Vivian [VIAF] und Richard Henry Lawson [VIAF] 2001 im Rahmen ihrer gemeinsamen englischen Übersetzung von Hartmanns Gesamtwerk veröffentlichten, sind abrufbar, unter anderem der Anfang.

2017 erschien die bislang letzte Erec-Edition. Sie wurde von dem deutschspanischen Trio Andreas Hammer, Professor in Konstanz [Homepage], Victor Millet, Professor in Santiago de Compostela [Germanistenverzeichnis], und Timo Reuvekamp-Felber, Professor in Kiel [Wikipedia], veröffentlicht. Sie druckten die gesamte handschriftliche Überlieferung einschließlich des Mantels diplomatisch ab (AKVWZ) und führten für A eine neue fortlaufende Zählung ein. Die 10122 Verse des Erec-Teils wurden von 995 bis 11116 gezählt. Am Anfang hat die neue Zählung wegen des Mantels einen Vorsprung von 994 Versen gegenüber der traditionellen, zum Schluss nur noch von  981 Versen wegen der 13 von Haupt markierten Lücken von je einem Vers, die in der Folge durch Konjekturen ausgefüllt wurden. Die traditionelle Zählung wurde am rechten Rand angegeben, die neue in der Mitte der Seite. Die Herausgeber wollten die Überlieferung und vor allem das ‚Ambraser Heldenbuch‘ in den Mittelpunkt rücken und edierten erstmals die vorliegende, aus Mantel-Anfang und Erec-Schluss bestehende narrative Einheit zusammen. Für sie handelte es sich um einen einzigen Text (S. xx). Die Eingriffe in die Überlieferung sind vorsichtig. Die Herausgeber lösten vor allem Kürzel auf, fügten moderne Interpunktion hinzu und korrigierten grobe Schreibfehler. Solche Eingriffe markierten sie kursiv. Initialen gaben sie fett wieder, aber in normaler Schriftgröße und ohne Einziehung. Die Edition hat 283 zweispaltige Seiten. Meist steht die Transkription von A in der rechten Spalte allein. Nur viermal füllen die drei Fragmente die linke Spalte: W (S. 276–296: v. 5536–5819/4549–4832), erster Teil von K (S. 432–442: v. 8502–8865/7521–7704), zweiter Teil von K (S. 480–488: v. 9417–9585/8436–8604), V (S. 562–566: v. 11028–11116/10047–10135). Auf den ungleichen Seiten rechts wird der A-Text recte übersetzt, in der Großlücke der W-Text kursiv. Im Seitenfuß werden die kritischen Eingriffe in die handschriftlichen Vorlagen erklärt. Die neuen Fragmente W und Z werden ohne Übersetzung separat abgedruckt. Am rechten Rand finden sich Hinweise auf die entsprechenden Verse in der französischen Vorlage.

Übersetzungen

Ins Deutsche

  • Weiske 1851, Alexander (ermittelt): Erek. Eine Erzählung von Hartmann von Aue übersetzt von S. O. Fistes. Halle, S. 1–233 [abrufbar]; 21855 [abrufbar] → 10176 paargereimte Verse mit fortlaufender Zählung (nach Haupt 1839, mit Nachdichtung der altfranzösischen Vorlage in der Großlücke, Weiske hat hier 54 Verse, v. 4618–4671)
  • Stecher 1884, Christian: Erek und Enite. Ein romantisches Epos von Hartmann von Aue. Umgedichtet von C.S. Graz [WorldCat], S. 1–270 → 1022 kreuzgereimte, vierhebige Achtzeiler und 9 Sechszeiler (= 8232 ungezählte Verse, gegliedert in 22 Abenteuer, ohne Quellenangabe)
  • Fink 1939, Reinhard: Epische Dichtungen. Hartmann von Aue. Übertragen von R.F. Jena, S. S. 7–151 [GVK] → Prosa (nach Naumann 1933)
  • Cramer 1972, Thomas (Hrsg.): Hartmann von Aue. Erec. Mittelhochdeutscher Text und Übertragung. Frankfurt/M. (= Fischer-Taschenbuch-Verlag 6017), S. 7–441 [GVK]; 1973 [GVK]; 1975 [GVK]; 1975 [GVK]; 1977 [GVK]; 1979 [WorldCat]; 1980 [GVK]; 1982 [GVK]; 1984 [WorldCat]; 1986 [WorldCat]; 1987 [GVK]; 1989 [GVK]; 1990 [WorldCat]; 1991 [GVK]; 1992 [GVK]; 1992 [GVK]; 1994 [GVK]; 1995 [GVK]; 1996 [GVK]; 1997 [GVK]; 1998 [GVK]; 221999 [GVK]; 232000 [WorldCat]; 242002 [WorldCat]; 252003 [GVK]; 262005 [GVK]; 272007 [GVK]; 282013 [GVK]; auch als Hörbuch: Keller 2005, Hildegard Elisabeth (Hrsg.): … âventiure vür daz ôre … Hartmanns von Aue ‚Erec‘. Ein Hörbuch nach dem gleichnamigen Roman. Zürich [GVK] → Prosa (nach Leitzmann 1939, 2005 als CD)
  • Schwarz 1967, Ernst (Hrsg.): Hartmann von Aue. Erec. Iwein. Text, Nacherzählung, Worterklärungen. Darmstadt, S. 287–336 [GVK]; 21986 [GVK] → nicht eingesehen (nach Leitzmann 31963)
  • Mohr 1980, Wolfgang: Erec. Hartmann von Aue. Übersetzt und erläutert von W.M. Stuttgart (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik 291) [GVK] → nicht eingesehen (Übersetzung vielleicht mit der mittelhochdeutschen Vorlage ediert)
  • Okken 1992, Lambertus: Hartmann von Aue erzählt. Aus dem Mittelhochdeutschen von L.O. Frankfurt/M. [u.a.] (= Insel-Taschenbuch 1417) [GVK] → nicht eingesehen
  • Held 2004, Susanne: Hartmann von Aue. Erec. Hrsg. von Manfred Günter Scholz. Übersetzt von S.H. Frankfurt/M. (= Bibliothek deutscher Klassiker 188), S. 11–265 [GVK]; 2007 [GVK] → Prosa (nach Leitzmann 61985)
  • Dohle 2006, Stephan: Hartmann von Aue. Erec. Aus dem Mittelhochdeutsch neu übersetzt und mit einem Nachwort von S.D. [Köln] [WorldCat] → nicht eingesehen
  • Mertens 2008, Volker (Hrsg.): Hartmann von Aue. Erec. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch. Hrsg., übersetzt und kommentiert. Stuttgart (= Reclams Universal-Bibliothek 18530, S. 7–573 [GVK]; 2010 [GVK] → Prosa (nach Mertens 2008)
  • Hammer 2017, Andreas [u.a.] (Hrsg.): Hartmann von Aue Ereck. Textgeschichtliche Ausgabe mit Abdruck sämtlicher Fragmente und der Bruchstücke des mitteldeutschen ‚Erek‘. Berlin / Boston 2017, S. 53–567 [GVK] → Prosa (nach Hammer 2017)

Ins Englische

  • Thomas 1982, John Wesley: Erec by Hartmann von Aue. Translation, with an introduction by J.W.T. Lincoln, Nebraska [u.a.] [GVK] → nicht eingesehen
  • Fisher 1983, Rodney W.: The Narrative Works of Hartmann von Aue. Göppingen (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik 370) [GVK] → nicht eingesehen
  • Keller 1987, Thomas L.: Hartmann von Aue. Erec. New York / London (= The Garland Library of Medieval Literature 12) [WorldCat] → nicht eingesehen
  • Resler 1987, Michael: Erec. Hartmann von Aue. Translated, with an introduction and commentary by M.R. Philadelphia (= University of Pennsylvania Press Middle Ages series) [GVK]; 21992 [GVK] → nicht eingesehen
  • Tobin 2001, Frank [u.a.]: Arthurian Romances, Tales, and Lyric Poetry. The Complete Works of Hartmann von Aue. Translated with Commentary by F.T., Kim Vivian, Richard H. Lawson. University Park, Pa., S. 53ff. [auszugsweise abrufbar] → Prosa (nicht vollständig eingesehen)
  • Edwards 2014, Cyril (Hrsg.): Erec. Hartmann von Aue. Edited and translated by C.E. Cambridge (= Arthurian archives 19), S. 53ff. [GVK] → nicht eingesehen

Beschreibung

Hartmanns Erec überliefern vier Textzeugen: ein Codex (A) und drei Fragmente (KVW). Die älteste Abschrift ist das Koblenzer Fragment aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts (K), die jüngste der Text im ‚Ambraser Heldenbuch‘ aus dem Zeitraum 1504–1516 (A). Bis 1898 war nur der Codex bekannt. Dann tauchte die Wolfenbütteler Fragmente auf. 1901 führte Konrad Zwierzina erstmals die Standortsiglen A für Schloss Ambras und W für Wolfenbüttel ein (S. 317 [abrufbar]). 1948 veröffentlichte Kurt Vancsa erstmals das Fragment, das sich bis 1997 in Wien befand und dann nach St. Pölten gebracht wurde. Er benutzte selbst keine Sigle dafür. Ähnlich edierte Brommer 1976 das Koblenzer Fragment, ohne eine neue Sigle einzuführen. Noch 1982 beschrieben Milde und Gärtner die Erec-Überlieferung, ohne die Siglen K und V zu benutzen. Es kann also sein, dass diese erst 1985 in der sechsten umgearbeiteten Auflage der Leitzmann-Edition von Cormeau und Gärtner hinzugefügt wurden (S. xi). Hier wurden alle vier Textzeugen ausführlich beschrieben. Die Sigle V steht für ‚Vindobona‘, den lateinischen Namen für Wien, wo sich das Fragment damals noch befand.

A enthält 10122 Verse, die drei Fragmente vier verschiedene Passagen mit 184 (erster Teil von K), 170 (zweiter Teil von K), 312 (W) und 89 (V) Versen. Insgesamt enthalten die vier Textzeugen 10877 Verse. Gegenüber A hat V keinen Plusvers, K einen Plusvers (v. 8543a), W 62 Plusverse (v. 4567a, 4579a, 46291–5, 46295a, 46296–57, 4779ab). 10185 verschiedene Verse sind also überliefert, 692 davon zweifach, 9493 unikal. Fünf der 10185 Verse gelten als unecht (v. 4567a, 4579a, 4779ab, 8543a), da A im Allgemeinen verlässlicher ist als die drei Fragmente. Von Hartmanns Original scheinen also 10180 Verse erhalten zu sein. Zu den 10122 A-Versen kommen 58 aus W, welche die einzige Großlücke weitgehend ausfüllen. Insgesamt ist mit 17 Lücken zu rechnen. Außer dem Anfang fehlen 13 isolierte Verse an Stellen, wo A Waisen hat (v. 1429, 1961, 2055, 3623, 3789, 4079, 4117, 4238, 5043, 5545, 6125, 6520, 6589). Diese kleinen Lücken lassen sich durch Konjekturen schließen. Die Länge der Großlücke lässt sich auf 78 Verse einschätzen. Da fehlen nur 20 Verse: 1 nach v. 46295, 10 nach 46295a, 9 nach v. 462943. Von der Nahtstelle mit dem Mantel bis zum Schluss hatte der ursprüngliche Erec also ungefähr 10213 Verse. Der Verlust vor der Nahtstelle wird manchmal auf 78 Verse eingeschätzt, indem vermutet wird, dass der Archetypus auf jeder Seite ca. 39 nicht abgesetzte Verse hatte, dass das erste Blatt und dasjenige mit dem Text der heutigen Großlücke früh verlorengingen und dass der verlorene Anfang durch den Mantel ersetzt wurde. Die französische Vorlage hat 80 Verse vor der Nahtstelle, 25 Verse mit dem Prolog, 55 Verse mit dem Anfang der Erzählung. Es ist vorstellbar, dass der vollständige Erec wie der Gregorius einen langen Prolog hatte. Es ist jedoch plausibler, dass der verlorene Prolog ungefähr dieselbe Länge hatte wie derjenige des Iwein, und zwar 30 Verse. Die Prologe der Klage (32 Verse) und des Armen Heinrich (28 Verse) sprechen auch dafür, dass der Erec mit einem Prolog von ca. 30 Versen begann. Gegenüber der Vorlage weist der Erec eine starke Tendenz zur Amplifikation auf. Der vorliegende deutsche Text hat knapp 50 % mehr Verse als der entsprechende französische Roman. Wenn dieses Verhältnis auch für den verlorenen Anfang galt, ist mit einem Verlust von knapp 80 Erzählversen zu rechnen. Am Anfang des Erec fehlen also vielleicht ca. 110 Verse. Der gesamte Textverlust ist deshalb auf ca. 140 Verse einzuschätzen. Wenn diese Berechnung zutrifft, hatte Hartmanns Original rund 10320 Verse. Das bedeutet eine Verlustquote von 1,4 %. Die Überlieferungslage ist also nicht ganz so beklagenswert wie gewöhnlich behauptet. Für den Erec scheint Hans Ried über eine ziemlich gute Vorlage verfügt zu haben.

Vorlage für Hartmanns Original war wiederum das Debütwerk des Franzosen Chrétien von Troyes [Wikipedia]. Er verfasste innerhalb von zwei Jahrzehnten fünf Artusromane in folgender Reihenfolge: Erec et Enide (um 1170), Cligès (um 1176), etwa zeitgleich Le Chevalier de la charrette oder Lancelot und Le Chevalier au lion oder Yvain (1177/1181) und abschließend das unvollendete Werk Li Contes del Graal oder Perceval (1182/1191). Den Lancelot widmete er der Gräfin Marie von Champagne [Wikipedia], den Perceval dem Grafen Philipp von Flandern [Wikipedia]. Nur im Erec et Enide nennt Chrétien seine Herkunft (v. 9: Chrestiiens de Troies). Für sein Debütwerk benutzte er selbst den heute üblichen Doppeltitel, als er im Prolog des Cligès sein bisheriges Schaffen auflistete (v. 1: Cil qui fist d’Erec et d’Enide, ‚Derjenige, der von Erec und Enide erzählte‘, Ed. Hilka 1921, S. 1 [abrufbar]).

Der Erec et Enide ist in 10 Codices und 4 Fragmenten überliefert. Zwei Fragmente sind verschollen [ARLIMA]. Der Umfang des Romans reicht von 6545 (V) bis 6894 Verse (B). In der Transkription von P, die Pierre Kunstmann 2009 ins Netz stellte, hat der Text 6878 Verse [abrufbar]. Sie dient als Grundlage für die Hinweise auf dem ‚Gottfried-Portal‘. Die früher maßgebliche, dreimal erschienene Edition, die der österreichische Romanist Wendelin Foerster [Wikipedia] auf der Grundlage mehrerer Handschriften veröffentlichte, hat 6958 Verse (1890, S. 1–250 [abrufbar]; 21896, S. 1–179 [abrufbar]; 31909, S. 1–193 [abrufbar]). Den Erstdruck hatte der deutsche Altphilologe Immanuel Bekker [Wikipedia] 1856 (S. 373–550 [abrufbar]) besorgt, 17 Jahre nach dem Erstdruck der deutschen Bearbeitung. Der Erec et Enide wurde zweimal ins Englische übertragen, bevor die erste französische Übersetzung entstand (Newell 1897, S. 1–193 [abrufbar]; Comfort 1914, S. 1–90 [abrufbar]). Die jüngste deutsche Übersetzung ist diejenige des Aachener Romanisten Albert Gier [Wikipedia]. Sie erscheint in der Reclam-Reihe seit 1987 [GVK] und beruht auf der Edition, die Mario Roques [Wikipedia] 1952 nach der ältesten Handschrift C, der ‚Copie Guiot‘ aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts, veröffentlichte [GVK]. Die gewöhnliche Datierung des Erec et Enite um 1170 beruht in erster Linie auf der auffälligen Lokalisierung des abschließenden Krönungsfestes in Nantes. Nachdem König Heinrich II. von England die Bretagne unterworfen hatte, begleitete er seinen elfjährigen Sohn Gottfried nach Nantes, wo dieser an Weihnachten den Lehnseid der Bretonen erhielt. Gottfried herrschte später als Herzog der Bretagne und nannte übrigens seinen Sohn Arthur [Wikipedia]. Der Besuch des englischen Königs in Nantes scheint im Krönungsfest des Romans seinen Niederschlag gefunden zu haben (Chauou 2014 [abrufbar]). Ob Chrétien damals im Dienst des englischen Hofs stand, muss dahingestellt bleiben, da er in seinem Debütwerk keinen Gönner nennt.

Hartmann folgte dem Handlungsgerüst des Erec et Enide, ging aber erheblich freier mit dieser Vorlage um als später mit der Vie du pape saint Grégoire und dem Yvain. Der Iwein ist bei weitem die treueste Bearbeitung. Berühmt ist Hartmanns Beschreibung von Enites Pferd und Sattel im Erec. Sie erstreckt sich über 500 Verse (v. 7264–7787) gegenüber weniger als 50 in der französischen Vorlage (v. 5268–5308). Es ist die längste Digression der deutschen Bearbeitung. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Romanen ist der veränderte Status des männlichen Protagonisten. In der Vorlage wird Erec erst in der Schlussszene zum König gekrönt (v. 6824), in der Bearbeitung schon kurz bei seiner Heirat in Karnant (v. 2921), und zwar von seinem Vater Lac, nicht in Nantes von König Artus wie in Chrétiens Fassung. Dem im Erec stark betonten Thema des Königtums hat der französische Hartmann-Experte Patrick del Duca, Professor in Clermont-Ferrand [Uni-Homepage], 2021 eine umfangreiche Monographie gewidmet [Verlag].

Die fünf Romane des Chrétien von Troyes sind in relativ wenigen Handschriften überliefert, hatten aber eine unermessliche Nachwirkung, besonders der Lancelot und der Perceval, in einem geringeren Ausmaß auch der Yvain. Nur der Cligès war kein großer Erfolg. Der Roman erfuhr bloß zwei Bearbeitungen. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurde er ins Deutsche übersetzt, vermutlich von Ulrich von Türheim [Wikipedia], und 1454 entstand eine anonyme französische Prosaauflösung [ARLIMA]. An der Nachwirkung gemessen befindet sich der Erec et Enide zwar vor dem Cligès, aber hinter dem Yvain, dem Lancelot und dem Perceval. Der Roman wurde einmal in französische Prosa aufgelöst und vermutlich viermal übersetzt: zweimal unabhängig voneinander ins Deutsche, einmal ins Altnordische und einmal ins Walisische.

Außerdem wurde Erec zur Hauptfigur einer mehrgliedrigen Erzählung, die fast keine Gemeinsamkeit mit Chrétiens Roman aufweist. Diese Prosafassung ist in zwei Pariser Handschriften überliefert und ist unter dem allgemeinen Titel Erec, roman arthurien en prose ediert worden (Pickford 1959, S. 53–204 [GVK]; 21968, S. 45–218 [GVK]). Die Erzählung besteht aus fünf Abschnitten, die in das dritte und vierte Buch eines Lancelot-Romans eingefügt ist. Zwischen den Abschnitten sind Teile des Tristan en prose, die in inhaltlichem Zusammenhang mit der Erec-Erzählung stehen. Im Lancelot en prose-Zyklus tritt Erec gar nicht auf und erscheint nur als Gestalt im Tristan en prose. Die fünf Abschnitte umfassen in der einzigen vorliegenden Edition 10 Kapitel mit 4933 Zeilen, deren Zählung in jedem Kapitel neu anfängt. Der Name des Helden wird hier meist Eret buchstabiert, manchmal auch Heret oder Erec. Er heiratet nie, und eine entsprechende Figur für Enide fehlt. In der Erzählung nimmt Erec zusammen mit Hector und anderen Artusrittern an der Suche nach Lancelot teil. Wir erfahren, dass Erecs Mutter Crisea heißt und dass ihr Ehemann Lac von seinen Neffen ermordet worden ist.  Erec rächt seinen Vater, indem er die Mörder, seine eigenen Cousins, tötet. Dann bittet ihn ein Fräulein, ein verbindliches Versprechen einzulösen, und verlangt den Kopf seiner Schwester. Erec gewährt schließlich die Bitte und schlägt seiner eigenen namenlosen Schwester den Kopf ab (Kap. 6). Zum Schluss wird er selbst von Gauvain getötet und zusammen mit anderen Tafelrundern in Camelot begraben (Kap. 10). Während der Suche gibt ihm ein Zwerg einen Peitschenschlag (Kap. 4, Z. 37–40). Außer dieser Szene und dem Namen des Protagonisten weist diese Prosafassung keine bemerkenswerte Gemeinschaft mit dem ursprünglichen Versroman auf. Sie wird heute als die interpolierte Fassung (‚version interpolée‘) bezeichnet [ARLIMA]. In der jüngsten Pariser Handschrift ist die Geschichte vollständig überliefert und ist hier zum Teil abrufbar: BnF, français 112, 3 Bände mit 250, 301 und 233 Blättern (Bd. 2–4, Bd. 1 fehlt), Pergament, 1470, Erec: III, Bl. 240rb–243vb (Kap. 1–2), 247rb–251ra (Kap. 3), 262vb–268ra (Kap. 4), 271ra–272rb (Kap. 5) [abrufbar]; IV, Bl. 101rb–114ra (Kap. 6–10). Die andere Pariser Handschrift enthält nur die ersten fünf Kapitel. Sie ist um 1300 entstanden und weicht wenig von der jüngeren Fassung ab: BnF, français 12599, 511 Bl., Pergament, um 1300, zweispaltig, Erec: Bl. 227vb–233va (Kap. 1–2), 237vb–242vb (Kap. 3), 256vb–263rb (Kap. 4), 267ra–268va (Kap. 5) [abrufbar]. Die Edition ist im Gegensatz zu den Handschriften noch nicht abrufbar. Diese Prosafassung scheint gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstanden zu sein (Pickford 1959, S. 17). Nicht lange danach, vielleicht um 1313 (ebd. S. 40), wurde der Text relativ treu ins Spanische übersetzt. Diese Bearbeitung ist nicht handschriftlich überliefert und nur durch einen Druck von 1535 bekannt. Dieser Druck enthält die fünf Schlusskapitel (Varela 1535, Bl. 123ra–134rb (Kap. II, 127–184) [abrufbar (Bild 248–270)]). Diese zusammenhängende spanische Erzählung liegt auch in einem neueren Abdruck vor (Bonilla 1907, S. 210b–230b [abrufbar]). Der Titelheld heißt hier Erec. Der spanische Druck bewahrt den Namen also besser als die französischen Handschriften. Über Spanien kam diese Prosa auch nach Portugal. Sie ist in einer Wiener Handschrift unikal überliefert: Nationalbibliothek, Codex Vindobonensis 2594, 199 Bl., Pergament, zweispaltig, 2. Hälfte 15. Jh., Erec: Bl. 102vb–117rb [abrufbar (Bild 216–245)] [ARLIMA]. Wie die spanische enthält die portugiesische Fassung nur den Schluss (Kap. 6–10). Sie liegt auch in einer modernen Edition vor (Magne 1944, I, S. 359–405 [GVK], II, S. 9–26 [GVK]).

Die einzige eigentliche Prosaauflösung des Erec et Enide entstand um die Mitte des 15. Jahrhunderts in Burgund und wird deshalb als die burgundische Fassung (‚version bourguignonne‘) bezeichnet. Sie ist in drei Textzeugen überliefert, einer vollständigen Brüsseler Abschrift (Sigle B, 1450/1460, Bl. 1r–71r), einer Pariser Teilabschrift mit dem Anfang (Sigle P, 1480/1490, Bl. 193rb–213vb [abrufbar]) und einem kleinen Oxforder Fragment (Sigle O, 1480/1500, prachtvolle Zeichnungen, aber ohne Erec (abrufbar), Bl. 142ra–142vb) [ARLIMA]. Sie wurde erstmals 1890 von Wendelin Foerster im Anschluss an den Erec et Enide nach B ediert (S. 253–294 [abrufbar]). Der Text beginnt mit einem kurzen Prolog und gliedert sich durch 42 Überschriften und 43 Initialen in ungezählte Kapitel. Kapitel 23 hat nur eine Initiale und keine Überschrift. Im Editionstext gab Foerster den entsprechenden Vers der Originalfassung an. Eine kritische Edition wurde 2000 von Maria Colombo Timelli besorgt [auszugsweise abrufbar].

Hartmanns Erec ist die älteste Bearbeitung des Erec et Enide und entstand vermutlich weniger als 20 Jahre nach dem französischen Original. Der deutsche Roman wird gewöhnlich zwischen 1180 und 1190 datiert. Für die Datierung ist die Beziehung des Erec zu dem mit Sicherheit zwischen 1184 und 1190 vollendeten Eneas Heinrichs von Veldeke von großer Bedeutung. Da Enites Pferd anscheinend von Camillas Pferd (v. 5241–5289) beeinflusst ist, wird die Priorität des Antikenromans vor dem Artusroman meist angenommen. Der Erec entstand also vermutlich erst gegen das Ende des in Frage kommenden Jahrzehnts. Eine separate Seite des ‚Gottfried-Portals‘ ist der Erec-Rezeption gewidmet.

Am Anfang des 13. Jahrhunderts wurde der Erec et Enide wahrscheinlich ein zweites Mal ins Deutsche übersetzt. Die jüngere Fassung ist durch die Fragmente vertreten, die sich in Wolfenbüttel (W) und Zwettl (Z) befinden. Sie stammen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, Z vielleicht schon aus dem zweiten Viertel dieses Jahrhunderts. Um diese Fassung von Hartmanns Roman zu unterscheiden, wird sie als der Mitteldeutsche Erec bezeichnet [Handschriftencensus]. Relativ wenige Verse sind vollständig überliefert. Kurt Gärtners Abdruck von 2006 hat insgesamt 333 Verse oder Teile davon: 130 aus W und 203 aus Z. Die Verse aus Z entsprechen Passagen aus dem Anfang der französischen Vorlage (v. 1854–1863, 1874–1901, 1981–1989, 2012–2022, 2031, 2191–2212, 2479–2494), diejenigen aus W Passagen aus der Mitte (v. 3274–3302, 3312–3328, 3330–3333, 3679f., 3699–3805, 3807–3814, 3823–3835, 3841–3843). Da die Fragmente sich nirgends überschneiden, ist es theoretisch möglich, dass sie aus zwei verschiedenen Übersetzungen stammen. Das würde bedeuten, dass drei verschiedene deutsche Bearbeitungen im Laufe eines halben Jahrhunderts oder weniger entstanden. Die Fragmente halten sich enger an die französische Vorlage als Hartmann. Deshalb wird vermutet, dass sie zusammengehören und nur eine einzige Übersetzung überliefern. Der Text der neuen Wolfenbütteler Fragmente stammt von derselben Hand wie derjenige der alten Fragmente mit dem Text, den wir auch im ‚Ambraser Heldenbuch‘ finden. Wenn der Erec et Enide innerhalb eines relativ engen Zeitraums zweimal ins Deutsche übersetzt wurde, verschmolzen beide Texte also vor der Mitte des 13. Jahrhunderts in der Handschrift, die heute durch die alten und neuen Wolfenbütteler Fragmente vertreten ist. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass diese Fragmente alle Hartmanns Urfassung entsprechen und dass diese Version später in verarbeiteter Form durch Hans Ried aufgezeichnet wurde. Die Entdeckung der neuen Fragmente in Wolfenbüttel und derjenigen in Zwettl hat die Philologen nicht unbedingt Hartmanns Original nähergebracht und im Gegenteil neue Rätsel aufgeworfen. Auf dem ‚Gottfried-Portal‘ wird davon ausgegangen, dass der Erec et Enide zweimal übersetzt wurde und dass der Mitteldeutsche Erec von Hartmanns Text unabhängig ist.

Vermutlich wurde der Erec et Enide auch schon im 13. Jahrhundert ins Altnordische übersetzt. Die als Erex saga bekannte Übertragung [ARLIMA] ist allerdings erst in einem Fragment aus Pergament und drei Papierhandschriften des 17. Jahrhunderts überliefert (Cederschiöld 1880, S. ix–x [abrufbar]. Das Fragment (Reykjavik, Landsbókasafn, Lbs. 1230 III, 8vo) stammt aus der Zeit um 1500 und besteht aus zwei Streifen mit neun Zeilen aus dem Anfang der Saga (Blaisdell 1965, S. xl [GVK]). Die älteste Papierhandschrift befindet sich in Kopenhagen (Arnamagnæanske Samling, AM 181b, fol.). Diese Handschrift ist um 1650 entstanden und besteht aus 17 Blättern. Sie beginnt mit der Erex saga (Bl. 1r–6v) und endet mit einer Übersetzung von Le Cort Mantel (Bl. 14r–17r) (Kålund 1889, I, S. 151f. [abrufbar]). Im Vergleich mit dem ‚Ambraser Heldenbuch‘ sind beide Texte also in umgekehrter Reihenfolge eingetragen, werden allerdings nicht in der Kopenhagener Handschrift zu einer einzigen Erzählung verschmolzen. Es liegen auch sieben sekundäre Handschriften vor, die jüngste von 1884 (Blaisdell 1965, S. xlvi–lvii). Die Erex saga ist anonym und enthält keinen sicheren Anhaltspunkt für eine Datierung. Sie entstand jedoch vermutlich zusammen mit der Ivents saga, einer Übertragung des Yvain, die laut dem Epilog von König Håkon IV. von Norwegen [Wikipedia] in Auftrag gegeben wurde (Ed. Kölbing 1872, S. 136 [abrufbar]). Dieser Fürst herrschte von 1217 bis 1264. Beide altnordischen Artusromane sind in Kapitel gegliedert. Die Erex saga hat 13 oder 14 Kapitel. Der Titelheld und seine Frau werden Erex und Evida genannt. Die Erstausgabe wurde 1880 von dem schwedischen Sprachwissenschaftler Gustaf Cederchiöld [Wikipedia] veröffentlicht (S. 1–43 [abrufbar]). Schon 1886 erschien eine zweite Edition in Reykjavik (Kristjánsson 1886, S. 35–67 [abrufbar]). Heute liegen zwei weitere Ausgaben (Blaisdell 1965, S. 3–72; Kalinke 1999, II, S. 222–265 [GVK], 2012 [GVK]) und Übersetzungen in vier moderne Sprachen vor (englisch: Blaisdell 1965, S. 75–106), noch nicht ins Deutsche.

Vor der Mitte des 14. Jahrhunderts wurden drei von Chrétiens Romanen auch in walisische Prosa übersetzt. Die Bearbeitung des Erec et Enide wird nach dem Namen des männlichen Protagonisten Gereint benannt [Wikipedia], manchmal auch Gereint fab Erbin (‚Gereint, Erbins Sohn‘). Der Text ist in zwei Codices und einem Fragment überliefert. Die älteste Handschrift ist das ‚Llyfr Gwyn Rhydderch‘ (‚Das Weiße Buch des Rhydderch‘) [Wikipedia]. Es wurde um die Mitte des 14. Jahrhunderts kopiert, vermutlich für Rhydderch, nach dem es benannt ist. Es ist eine Sammlung, die auch Bearbeitungen des Yvain und des Perceval enthält. Die drei Texte, die unter der walisischen Sammelbezeichnung ‚Y Tair Rhamant‘ (‚Die drei Romanzen‘) bekannt sind, gehören wiederum zum ‚Mabinogion‘, einer größeren Sammlung walisischer Erzählungen [Wikipedia]. Im ‚Llyfr Gwyn Rhydderch‘ füllt der Gereint 67 Spalten (Aberystwyth, National Library of Wales, Peniarth MS 4, Bl. 63ra–79va (Sp. 385–451) [abrufbar (Bild 141–174); Transkription]). Der Text ist auch in einer jüngeren Sammelhandschrift überliefert, dem ‚Llyfr Coch Hergest‘ (‚Dem Roten Buch von Hergest‘) [Wikipedia]. Es entstand zwischen 1382 und 1410 und befindet sich heute in der Bodleian Library der Universität Oxford (Jesus College MS 111). Der Gereint füllt hier 41 Spalten (Bl. 190rb–200va = Sp. 769–809) [abrufbar; Transkription]). Es gibt außerdem ein Fragment (Aberystwyth, National Library of Wales, Peniarth MS 6, Teil 4, S. 17 [Transkription]). Der Gereint liegt in zahlreichen Editionen (Rhys 1887, S. 244–295 [abrufbar]) und Übersetzungen (englisch: Guest 1877, S. 141–184 [Transkription]) vor. Die Frau des Titelhelden wird Enid genannt und hat also ihren ursprünglichen Namen behalten. In seiner Edition des Erec et Enide erbrachte Foerster gewichtige Argumente für die unmittelbare Abhängigkeit des Gereint von Chrétiens Fassung, und heute wird die walisische Fassung auch gewöhnlich als Bearbeitung eingestuft (z.B. im ARLIMA). Nichtsdestoweniger finden sich noch Anhänger der These, nach welcher sie die Urfassung der Geschichte vertritt.

Ikonographie

Die dürftige deutsche Erec-Überlieferung ist nicht illustriert, und in der mittelalterlichen Hartmann-Rezeption hat sich keine Darstellung der Figuren dieses Romans auffinden lassen. Die deutschen Kopisten begnügten sich damit, den Text abzuschreiben, und die Schlossbesitzer wählten andere Gestalten für die Ausschmückung ihrer Residenzen als die Erec-Figuren. So hat das deutsche Mittelalter dem tapferen Erec und der schönen Enite offenbar nie Gesichter gegeben.

Eine der Erec et Enide-Handschriften ist illustriert, die Handschrift V (Paris, BnF, français 24403, 282 Bl., Ende 13. Jh.). Sie enthält 20 Miniaturen, davon drei zum Erec et Enide. Die erste zeigt am Anfang der Abschrift die Jagd auf den Weißen Hirsch (Bl. 119ra) [abrufbar]. Links sind drei Figuren zu sehen. Sie könnten Erec, die Königin und ihr Fräulein sein, stellen wohl aber eher König Artus und zwei Jäger dar.

BNF 24403 119ra (Jagd auf den Weissen Hirsch)                              Paris, BnF, français 24403, Bl. 119ra

Die zweite Miniatur illustriert den ersten Räuberkampf (Bl. 142rb [abrufbar]; Erec et Enide, v. 2827–2911; Erec, v. 3113–3234). Erec trägt hier einen Helm, sodass wir sein Gesicht nicht sehen können. Hinter ihm wird seine besorgte Frau mit gebeugtem Kopf, blondem Haar und rotem Kleid dargestellt.

BNF 24403 142rb (Räuberkampf)                              Paris, BnF, français 24403, Bl. 142rb

Die dritte Miniatur zeigt den Riesenkampf (Bl. 155rb [abrufbar]; Erec et Enide, v. 4353–4446; Erec, v. 5501–5569). Diesmal sind nur helmbedeckte Männer zu sehen. Die Riesen rechts kämpfen mit Keulen. Da Erec im Text allein ist, müssen die vier Männer hinter ihm seine Gegner sein.

BNF 24403 155rb (Kampf gegen Riesen)    Paris, BnF, français 24403, Bl. 155rb

Da für die entsprechenden deutschen Figuren keine ikonographische Darstellung vorliegt, wählen die Herausgeber und Übersetzer des Erec gewöhnlich die Hartmann-Miniaturen der Liederhandschriften B und C für ihre Titelblätter oder verzichten ganz einfach auf Illustrierung. Die folgenden Titelblätter sind Websites entnommen, wo sie in niedriger Auflösung dargeboten werden.

Mohr 1980 (Titelblatt)                                                                                Wolfgang Mohr 1980, Titelblatt nach B (Ebay, 18 €)

Resler 1987 (Titelblatt)                                                                    Michael Resler 1987, Titelblatt nach C (Amazon, 8 €)

Tobin 2001 (Titelblatt)                                                                Frank Jude Tobin 2001, Titelblatt nach C (Amazon, 58 €)

Scholz 2004 (Titelblatt)                                                                                  Manfred Günter Scholz 2007, Titelblatt nach B (Amazon, 20 €)

Edwards 2014 (Titelblatt)                                                                        Cyril Edwards 2014, Titelblatt nach B (Amazon, 88 €)

Eine bemerkenswerte Ausnahme stellt Thomas Cramers populäre zweisprachige, seit 1972 in 28 Auflagen erschienene Taschenbuchausgabe dar. Auf dem Titelblatt sieht man rechts einen jungen Mann mit einem Rosenkranz, links eine junge Frau mit weißem Schleier. Sie schenkt ihm einen Helm mit je einer schwarzen Kugel an beiden Seiten als Zimier. In der linken Hand trägt der Mann einen Schild, dessen schwarzes Wappen auf dem Titelblatt nur halb sichtbar ist. Am oberen Rand des Schildes ahnt der Beschauer eine fremde Hand. Auf der Rückenseite des Buches ist ohne nähere Erklärung zu lesen, woher die Miniatur stammt: „Aus der Heidelberger Liederhandschrift (Codex Manesse)“. Diese Angabe stimmt, aber die Miniatur leitet dort die Lieder des Schweizer Minnesängers Otto zum Turm ein (zu ihm: Schiendorfer 1989 [abrufbar]). Das Titelblatt ist in Wirklichkeit ein Ausschnitt mit Weglassung einer zweiten Frau rechts, die dem Ritter den Schild schenkt (C, Bl. 194r [abrufbar, Beschreibung: Lütolf 1870, S. 19f. [abrufbar]). Das Titelblatt ist wohl als Darstellung der Szene gemeint, in welcher der unbewaffnete Erec vor dem Sperberkampf eine Rüstung bekommt. Im Text wird sie ihm allerdings nicht von Enite, sondern von ihrem Vater Koralus überreicht (v. 614–619). Die Miniatur passt also in vieler Hinsicht schlecht zum Roman.

Cramer 2018 (Titelblatt)                                                                                  Thomas Cramer 282013, Titelblatt (Ebay, 11 €)

Textproben aus dem Anfang (v. 1–13)

Aus den Handschriften 

A (Hans Ried 1504/1516)

beÿ Jr vnd beÿ Jr weÿben· ditz was | Erech Vilderoilach · der baiden | frumbkait vnd ſalden phlag: | Durch den die rede erhaben | iſt · nu riten ſÿ vnlange | friſt: nebeneinander | baide · Ee daz ſy v́ber die haÿde: verre | Jn allen gahen · zureÿten ſahen: ein | Ritter ſelb dritten · vor ein Gezwerg | da einmitten: ein Júnckfrawen | gemaÿt · ſchon vnd wolgeklait:

Aus den Editionen

Haupt 1839

ditz was Êrec fil de roi Lac, / der frümekeit und sælden phlac. / Durch den diu rede erhaben ist. / nû riten si unlange frist / neben ein ander beide / ê daz sî über die heide / verre in allen gâhen / zuo rîten sâhen / ein ritter selbedritten, / vor ein getwerc, da enmitten / eine juncfrowen gemeit, / schœne unde wol gekleit.

Bech 1867

bî ir und bî ir wîben. / ditz was Êrec fil de roi Lac, / der frümekeit und sælden phlac, / durch den diu rede erhaben ist. / Nû riten si unlange frist / neben ein ander beide / ê daz sî über die heide / verre in allen gâhen / zuo rîten sâhen / ein ritter selbedritten, / vor ein getwerc, da enmitten / eine juncfrowen gemeit, / schœne unde wol gekleit.

Naumann 1933

….. bî ir und bî ir wiben. / ditz was Êrec fil de roi Lac, / der frümekeit und sælden phlac, / durch den diu rede erhaben ist. / nu riten sî unlange frist / neben ein ander beide / ê daz si über die heide / verre in allen gâhen / zuo rîten sâhen / ein ritter selbedritten, / vor ein getwerc, da enmitten / eine juncfroun gemeit / schœne unde wol gekleit.

Leitzmann 1939

….. bî ir und bî ir wiben. / diz was Êrec fil de roi Lac, / der vrümekeit und sælden phlac, / durch den diu rede̩ erhaben ist. / nû riten si̩ unlange vrist / neben einander beide, / ê daz si über die heide / verre in allen gâhen / zuo rîten sâhen, / einen ritter selbedritten, / vor ein getwerc, dâ enmitten / eine juncvrouwen gemeit, / schœne̩ unde wol gekleit.

Scholz 2004

[Abdruck von Erec et Enide, v. 1–80] ….. bî ir und bî ir wiben. / diz was Êrec fil de roi Lac, / der vrümekeit und sælden phlac, / durch den diu rede̩ erhaben ist. / nû riten si̩ unlange vrist / neben einander beide, / ê daz si über die heide / verre in allen gâhen / zuo rîten sâhen, / einen ritter selbedritten, / vor ein getwerc, dâ enmitten / eine juncvrouwen gemeit, / schœne unde wol gekleit.

Volker Mertens 2008

[sô muoste er belîben] / bî ir und bî ir wiben. / diz was Êrec fil de roi Lac, / der vrümekeit und sælden phlac, / durch den diu rede erhaben ist. / nû riten si̩ unlange vrist / neben einander beide, / ê daz si über die heide / verre in allen gâhen / zuo rîten sâhen / einen ritter selbedritten, / vor ein getwerc, dâ enmitten / eine juncvrouwen gemeit, / schœne unde wol gekleit.

Hammer 2017

seine wort muͦst man fliehen / bei Ir und bei Ir weiben. / ditz was Erech Vilderoilach, / der baiden frumbkait und salden phlag. / Durch den die rede erhaben ist. /nu riten si unlange frist / nebeneinander baide, / Ee daz si úber die haide / verre In allen gahen / zureiten sahen / ein Ritter selb dritten, /vor ein Gezwerg, da einmitten / ein Júnckfrauen gemait, / schon und wolgeklait.

Aus den Übersetzungen

Weiske 1851 (in Fraktur)

Erek war’s, Lags des Königs Sproß, / An Tapferkeit und Ruhme groß, / Von dem erzählen ſoll mein Mund. / Sie ritten eine kurze Stund’ / Neben einander beide, / Bis daß ſie über die Haide / Fern einen Ritter ſahen / Mit noch zwei’n Andern nahen; / Sie eilten her in jähem Ritte, / Voran ein Zwerg und in der Mitte / Der beiden eine junge Maid, / Schön und geſchmückt mit reichem Kleid.

Stecher 1884 (in Fraktur)

Das Feſt der Oſtern war erſchienen, / Von Buſch und Bäumen tönt Geſang. / Geſchäftig ſummt das Volk der Bienen, / Um Buſch und Strauch am Waldeshang; / Im Saatengrün tönt Amſelſchlag / Der Lerche Triller in den Lüften / Im Frühlingskleid prangt Feld und Hag, / Im Schmuck des Quendels steh’n die Triften. // Des Waldhorns Klänge mächtig tönen / Um Artus’ Burg zu Kardigan; / Mit Pfeil und blanken Bogenſehnen / Bewaffnet harrt der Jägersmann / Des Königs in dem Hofraum ſchon; / Im Morgenwind die Büſche wallen, / Das Waidmannslied ſteigt zum Balcon / Und weiter durch des Schloſſes Hallen. // Ein ſelt’nes Beuteſtück erjagen / Will Artus heut’ auf froher Birſch; / Seit Monden, heißt es, ſtreif’ und Tagen / Im Forſt ein weißer Edelhirſch. / Ihm gilt zumeiſt des Jägers Pfeil / Beflügelt heut vom blanken Bogen, / Und hin zum Forſt in froher Eil / Die Jagdgenoſſen freudig wogen. // Mit Ginover und ihren Frauen / – des Königs Artus treu Gemahl – / Ritt Erek früh beim Morgengrauen / Entgegen friſch dem Morgenſtrahl: / Er war ein Ritter aus der Zahl / Der Helden von der Tafelrunde; / Von ihm – dem Trefflichen – zumal, / Vernehmt im Lied hier treue Kunde!

Fink 1939 (in Fraktur)

Bei der Feier des Oſterfeſtes am Hofe zu Karadigan beſchloß König Artus, den weißen Hirſch zu jagen. Erec, ein junger, berühmter Ritter der Tafelrunde, erbot ſich, die Königin Ginover, die der Jagdgeſellſchaft folgen wollte, zu geleiten. Er ritt bei ihr und ihren Frauen. Das war Erec, der Sohn des Königs Lac, ein trefflicher und glückhafter Ritter, um deswillen die Erzählung begonnen wurde. Noch waren ſie erſt kurze Weile beide nebeneinander geritten, als ſie fern über die Heide in aller Eile einen Ritter ſelbdritt dahinreiten ſahen. Vornweg ein Zwerg und zwischen beiden eine ſtolze Jungfrau, ſchön und fein gekleidet.

Cramer 1972 (nach Cramer 242002)

Beginn nach dem Chrétien de Troyes: [sieben Zeilen Zusammenfassung] | ….. bei ihr und ihren Hofdamen. Das war Erec, der Sohn des Königs Lac, der tüchtig und von Fortuna begünstigt war; er ist der Held dieser Erzählung. Sie waren noch nicht lange nebeneinander geritten, als sie über die Heide in einiger Entfernung in großer Eile einen Ritter und zwei andere Personen herbeigeritten sahen: vorweg einen Zwerg, und in der Mitte ein liebliches Mädchen, schön und wohl gekleidet.

Tobin 2001

[Zusammenfassung des Anfangs nach Erec et Enide in einer Anmerkung:] … with her and the ladies oft he court. This was Erec, fil de roi Lac, who was brave and favored with good fortune, and with whom this story begins. Now they both had been riding not too long a time next to one another when they saw at a distance across the heath a knight with two companions riding up in great haste: in front was a dwarf and in between a lovely maiden, fair and well dressed.

Mertens 2008

[Zu Ostern hielt König Artus Hof in Karadigan. [sieben weitere Zeilen Zusammenfassung nach dem Erec et Enide]. Ein junger Ritter nahm nicht an der Jagd teil, er hatte noch keine Aventüre bestanden. Ungerüstet, nur mit einem Schwert bewaffnet,] | [mußte er deshalb zurückbleiben] bei ihr und ihren Frauen. Das war Erec fils du roi Lac, den Tapferkeit und Glück auszeichneten. Von ihm handelt die Erzählung. Erst kurze Zeit waren sie nebeneinander geritten, als sie über die Wiese weither in großer Eile einen Ritter mit zwei Begleitern auf sich zu reiten sahen: vorneweg ein Zwerg, in der Mitte ein munteres Fräulein, schön und prachtvoll gekleidet.

Hammer 2017

Vor seinen Worten bei ihr und ihren Frauen musste man fliehen. Dies war Ereck Vilderoilach, der sowohl tüchtig als auch gütig war. Seinetwegen ist die Erzählung begonnen worden. Sie ritten beide nicht lange nebeneinander her, als sie sahen, dass in großer Eile über die Heide ein Ritter mit zwei Begleitern auf sie zuritt: vor ihm war ein Zwerg, zwischen ihnen eine junge und gut gelaunte Edeldame, die schön und prachtvoll gekleidet war.