Tristrant und Isalde

1484 veröffentlichte der Augsburger Drucker Anton Sorg eine anonyme Prosaauflösung von Eilharts Tristant. Auf dem Titelblatt nennt der Autor seinen Text eine histori und erklärt, er habe auf eine Vorrede verzichtet, um seine Leser und Zuhörer nicht zu verdrießen. Zum Schluss verweist er auf den maister von Britanie als Urheber der Geschichte. Nach dieser Vorlage, deren Existenz der Autor der Druckfassung nur durch Gottfried kannte, soll Filhart von oberet die Erzählung in Reime gebracht haben (Bl. 187r). Der Autor fügt hinzu, er habe selbst die Prosa gewählt, weil einige Leute gereimte Bücher nicht mögen, andere sie nicht verstehn. Der bescheidene Mann unterzeichnet endlich sein Werk mit Vngenannt. Er dürfte in oder in der Nähe des Druckorts zu suchen sein.

Der Druck erzielte einen Riesenerfolg und machte die Tristransage für zwei Jahrhunderte in ganz Deutschland bekannt. Zwölf verschiedene Auflagen sind durch mindestens 24 Exemplare belegt. Sechs weitere Auflagen werden seit dem 19. Jahrhundert erwähnt, aber mindestens eine davon hat nie existiert. Das Buch der Liebe erschien erst 1587. Die Auflage von 1578, die noch in der letzten Ausgabe der Prosaauflösung aufgelistet wird (1993, S. vii), dankt seine Erwähnung in der Forschungsliteratur einem alten Druckfehler.

Der Erstdruck ist wie die meisten Neuauflagen ein Oktavband. Dieses Kleinformat machte das Buch billiger. Sorgs Inkunabel hat 187 einspaltige Blätter mit 60 unfarbigen Holzschnitten. Der Text gliedert sich in 63 Kapitel, die gewöhnlich mit einer Überschrift und einer Illustration eingeleitet werden. Bei der Drucklegung ist bei mehreren Holzschnitten Verwirrung entstanden, so dass sie nicht immer an der richtigen Stelle erscheinen. Am Anfang von Kapitel 16 ist ein komischer Fehler eingetreten. Die Überschrift lautet: Her tristrant sol siczen in einem wannen bad, vnd die schön ysalde vor jm steen mit dem blossen schwert aufgeczogen als ob sy in töten wölle, vnd die junckfraw brangel von verren zuo geen mit der geperde als ob sy im helffen wöll (Bl. 33v). Diese Anweisung stand offenbar auf einem Zettel, der nur für den Holzschneider bestimmt war. Der Illustrator hat sie nicht befolgt, denn das Kapitel beginnt mit einem ganz anderen Holzschnitt (vgl. Andersen 2006, S. 293).

Die Vorlage der Inkunabel war mit der Heidelberger Handschrift von Eilharts Roman verwandt (Cpg 346, um 1465). Diese Fassung ist auch illustriert und hat eine nicht konsequent durchgeführte Gliederung in Kapitel mit Prosaüberschriften. Die Illustrationen der Inkunanbel hängen jedoch nicht von den 91 farbigen Federzeichnungen dieser Handschrift ab. Nur gelegentlich ist eine Ähnlichkeit in der Darstellung zu spüren, z. B. beim Drachenkampf (Cpg 346, Bl. 32r, Sorg, Bl. 26v).

Noch vor Ende des 15. Jahrhunderts erschien die Zweitauflage, ebenfalls in Augsburg. Der Drucker Hans Schönsperger erhöhte die Zahl der Illustrationen auf 70 Holzschnitte und druckte den Text zweispaltig ab, so dass er sich mit 58 Blättern begnügen konnte. Zwischen 1484 und 1664 wurde die Prosaauflösung mit verschiedenen ausführlichen Titeln versehen. In der ersten modernen Ausgabe von 1809 nannten Johann Gustav Gottlieb Büsching und Friedrich Heinrich von der Hagen den Text einfach Tristrant und Isalde. Dieser praktische Kurztitel hat sich durchgesetzt.

Erhaltene Drucke

Verschollene Drucke

  • Bern 1509, Drucker unbekannt, 4to (vgl. Pfaff 1881, S. 204)
  • Straßburg 1510, Drucker unbekannt, 4to (vgl. Michel 1835, S. xiii)
  • Frankfurt/Main 1565, Georg Rab d.Ä. und Weigand Hans Erben, 1565, 8vo (VD16: T 1965)
  • Frankfurt/Main 1578, Sigmund Feyerabend, 4to (vgl. Pfaff 1881, S. 204)
  • Frankfurt/Main 1584, Nic. Rost, 4to (vgl. Pfaff 1881, S. 204)
  • Erfurt 1619, Jak[ob] Singer, 8vo (vgl. Michel 1835, S. xiii, Pfaff 1881, S. 204)

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