Iwein-Rezeption

Hoppe 2008 TitelblattFelicitas Hoppe: Iwein Löwenritter, 2008, Titelblatt                                                              Aus: Amazon

Inhaltsverzeichnis 

  • Einleitung
  • Wirnt von Grafenberg: Wigalois (1209/1215)
  • Gerhard Anton von Halem: Ritter Twein (1788)
  • August Klughardt: Iwein (1879)
  • Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter (2008)
  • Iwein-Namen bis zur Erfindung des Buchdrucks
  • Iwein-Namen im Druck bis 1800

Einleitung

Zahlreiche Publikationen befassen sich mit der Iwein-Rezeption, aber eine einigermaßen vollständige Zusammenstellung der Belege lag noch nicht vor. 2013 untersuchte Rossella Favaro in ihrer Magisterarbeit die Iwein-Rezeption vom Mittelalter bis zur Gegenwart anhand von drei Beispielen: Johann Jakob Bodmers Fabel von Laudine (1780), August Klughardts Iwein-Oper (1879) und Felicitas Hoppes Kinderbuch Iwein Löwenritter (2008) (2013 [PDF]). Cordula Kropiks neulich erschienenes Hartmann-Buch widmet der allgemeinen Rezeption dieses Dichters zwei Kapitel. In Kapitel 12 dokumentiert Sandra Linden die Erwähnungen Hartmanns durch nachfolgende Autoren (2021, S. 295–316 [auszugsweise abrufbar]), im folgenden Kapitel beschreibt Volker Mertens die Nachwirkung von Hartmanns Werk bis zur Gegenwart (ebd. S. 317–354, hier mit einem Verzeichnis zur jüngeren Iwein-Rezeption S. 353f.).

Im Mittelalter übertraf die Nachwirkung des Iwein bei weitem diejenige von Hartmanns übrigen Werken. Das ist schon an der Zahl der erhaltenen Textzeugen ersichtlich, aber auch an der Zahl der jüngeren Autoren, die sich direkt oder indirekt auf diesen Roman beziehen. Wie auf der Hauptseite zu lesen, setzt die Iwein-Rezeption schon um 1200 oder kurz danach mit der wohl aus Hartmanns Roman entlehnten Bahrprobe des Nibelungenliedes ein. Das erste eindeutige Zeugnis der Iwein-Rezeption ist der nicht allzu lange nach 1203 vollendete Parzival. Um 1210 beginnt Gottfried seine Dichterschau mit einem Hartmann-Lob (Tristan, v. 4621–4637). Gottfried erwähnt zwar hier keinen Werktitel, nennt aber Hartmann dreimal den Ouwaere (v. 4621, 4636, 4654). Deshalb muss er in erster Linie an den Iwein gedacht haben, denn nur in diesem Roman nennt sich Hartmann so (v. 29). Obwohl weder der Autor des Nibelungenliedes noch Gottfried den Iwein ausdrücklich nennen, gehören beide Texte höchstwahrscheinlich zur Iwein-Rezeption. Die Zahl solcher impliziten Rezeptionszeugnisse ist unüberschaubar. Mit noch mehr Recht als Veldeke kann Hartmann den symbolischen Titel als Begründer der mittelalterlichen deutschen Literatur beanspruchen. Was mit dem Eneas auf den Baum der Weltliteratur gepfropft wurde, entwickelte sich durch den Iwein zu einem dicken Zweig mit unendlich vielen Blüten. Auf diesem Portal wird nicht versucht, ein Verzeichnis sämtlicher impliziten Rezeptionszeugnisse zu erstellen. Das einzige Beispiel für diese Kategorie, das im Folgenden unter die Lupe genommen wird, ist Wirnts von Grafenberg Wigalois. In diesem Artusroman ist die Iwein-Rezeption einerseits durch namhaften Hinweis auf verschiedene Figuren belegt, übertrifft andererseits quantitativ alle übrigen Zeugnisse.

Die Forschung hat sich besonders stark für die ikonographische Iwein-Rezeption interessiert. Sie wird auf einer anderen Seite dieses Portals beschrieben. Dasselbe gilt auch für Ulrichs von Füetrer Iban, der auf diesem Portal als Rezeptionszeugnis des Yvain behandelt wird, obwohl Hartmanns Roman als unmittelbare Vorlage für diese Bearbeitung diente. Über den Iban hinaus hat der Iwein drei weitere unmittelbare Bearbeitungen veranlasst. 1788 verfasste Gerhard Anton von Halem das Gedicht in vier Gesängen Ritter Twein, 1879 komponierte August Klughardt die Oper Iwein, und 2008 veröffentlichte Felicitas Hoppe das Kinderbuch Iwein Löwenritter. Diese drei Bearbeitungen werden hier einzeln beschrieben. Diese Seite fokussiert danach die mittelalterlichen Texte, in denen Iwein-Figuren namhafte Erwähnung finden. Hier wird erstmals der Versuch unternommen, ein vollständiges Verzeichnis solcher Belege zu erstellen. Im letzten Abschnitt werden die gedruckten Rezeptionszeugnisse zwischen 1477 und 1800 in chronologischer Reihenfolge aufgelistet.

Auf dieser Seite werden zwei Texte nur oberflächlich kommentiert, weil sie sich in Form und Inhalt von den übrigen Rezeptionszeugnissen unterscheiden: Johann Jakob Bodmers Fabel von Laudine (1780) und Tankred Dorst Merlin (1981).

In ihrer Magisterarbeit widmet Rossella Favaro der Fabel von Laudine ein separates Kapitel (2013, S. 98–112 [PDF]) und bezeichnet den Text als „Ballade“ (S. 99, hier Überschrift). Sie beruft sich dafür auf Volker Mertens, der die Fabel so vorstellt:

  • Hartmanns von Aue Iwein eignete sich nicht für die heroisierende Hexameter-Fassung, er wurde einer modernen Leitform angepaßt, der Ballade. Sie war Bodmer durch Thomas Percys Reliques of Ancient English Poetry (1765) zugekommen, er hatte daraus 1777 fünfundzwanzig Texte übersetzt. (1998, S. 344 [GVK])

Als Gattungsbezeichnung ist ‚Ballade‘ für die Fabel von Laudine fragwürdig. Dem Iwein widmet Bodmer neun Seiten: sieben mit einer inhaltlichen Wiedergabe (S. 181–187), zwei mit einem abschließenden Kommentar (S. 187–189). Die Inhaltsangabe ist in Prosa verfasst und wird mit drei Verszitaten begleitet. Das erste Zitat ist Griechisch und stammt aus Aristophanes Komödie Die Frösche (S. 181: v. 274f.). Das Abenteuer, das Dionysos hier erlebt, erinnert Bodmer an das Brunnenabenteuer. Er hält sein Publikum für so gelehrt, dass er dieses Zitat nicht einmal übersetzt. Eine Ballade wird gewöhnlich nicht mit solchen Anspielungen auf die antike Mythologie eingeleitet. Das zweite Zitat gibt neun Verse der mittelhochdeutschen Vorlage unverändert wieder, ebenfalls ohne Übersetzung. Bodmer leitet es mit einem anonymen Hinweis auf den Dichter dieser Verse hin (S. 185: „Der Poet sagt: [Abdruck von v. 6574–6582 nach der D-Abschrift von 1761]“). Die Inhaltsangabe endet mit vier Versen aus der Schlussreplik, in welcher Laudine ihren Zorn aufgibt (S. 189: v. 8093–8096). Nach diesem Zitat geht Bodmer ohne graphisch markierten Übergang zu seinem eigenen Kommentar über und nennt endlich in einer Anmerkung den Namen des zitierten Poeten.

Favaro spricht mehrmals alternativ von der Fabel von Laudine als „Nachdichtung“ (S. 99–107), auch einmal als „Umschöpfung“ (S. 107). Diese Bezeichnungen sind angemessener. Eine Ballade ist gewöhnlich ein strophisches Gedicht mit einem Metrum und Reimen [Wikipedia] und enthält keine gelehrten Kommentare. Das Missverständnis dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Bodmer diese Nachdichtung als „Zugabe“ zu einer Reimübersetzung altenglischer Balladen veröffentlichte. Seine Ausgabe besteht aus zwei Bänden, die beide mit einer „Zugabe“ enden. Die Zugabe des ersten Bandes beginnt mit der Fabel von Laudine und endet mit einer freien Nachdichtung des Ludwigslieds in Prosa (S. 189–191). Die Zugabe des zweiten Endes ist umfangreicher. Sie enthält gereimte Nachdichtungen verschiedener Episoden aus dem Nibelungenlied, dem Parzival und anderen großepischen Werken des mittelhochdeutschen Zeitalters. Bodmer beschreibt ausdrücklich diese Auszüge als Balladen und unterscheidet sie nicht deutlich von seinen Übersetzungen der altenglischen Balladen (1781, II, S. 150–244 [abrufbar]). Seine freie Nachdichtung der 28 Strophen, die Siegfrieds Tod beschreiben (S. 150–158: NLB 968–995), besteht aus 32 Strophen, und sie genügen durchaus den formellen Kriterien einer Ballade. Die Fabel von Laudine weist dagegen mehr Ähnlichkeit mit dem Märchen auf als mit der Ballade und könnte auch als Nacherzählung verstanden werden.

Die jüngste Hartmann-Rezeption hat Volker Mertens neulich als „Nachlese“ beschrieben. Er beginnt diesen Abschnitt mit einem Hinweis auf drei Szenen in Tankred Dorsts Drama Merlin, in denen Iwein „vorbei[schaut] (Szene 17, 21, 248)“ (2021, S. 348 [auszugsweise abrufbar]). Gemeint ist im letzten Fall Szene 59, die im Erstdruck auf Seite 248 beginnt.

Tankred Dorst [Wikipedia] ist einer der produktivsten und meist gespielten deutschen Dramatiker der Nachkriegszeit. Zwischen 1960 und 2016 verfasste er knapp 40 Dramen, ab Mitte der 1970er oft zusammen mit seiner Frau Ursula Ehler. Sie arbeitete auch am Merlin mit. Dieses Drama hat einen Riesenerfolg verzeichnet. Es erscheint bei Suhrkamp (1981 [GVK]; 1985 [GVK]; 102009 [GVK]) und liegt als Hörbuch (1995 [GVK]) und in mindestens sieben Übersetzungen vor (1983 ungarisch [GVK]; 1984 portugiesisch [WorldCat]; 1988 tschechisch [WorldCat]; 1999 rumänisch [WorldCat]; 2005 französisch [WorldCat]; 2006 polnisch [WorldCat]; 2016 slowenisch [WorldCat]). Am 24. Oktober 1981 wurde das Drama in Düsseldorf uraufgeführt und ist seither in zahlreichen anderen Städten gespielt worden, beispielsweise München (1982), Rotterdam (1985), Münster (1998), Wien (1999), Berlin (2002), Dresden (2002), Bonn (2010), München (2011), Hamburg (2011), Zürich (2011), Weimar (2012) und Graz (2015). Es ist auch Gegenstand reger Forschung (Werner 1989 [WorldCat]; Hong 2008 S. 331–379 [GVK]) und veranlasste 2006 eine Ausstellung in Bayreuth [GVK]. Schon 2003 wurde ein Eintrag zu diesem Drama für die weltweit einflussreichste Online-Enzyklopädie verfasst [Wikipedia].

Das Drama erzählt in 97 Szenen die Geschichte von Merlins Geburt zu Artus’ Tod und beruht auf anderen Quellen als Hartmanns Iwein. Nicht einmal die verwandte Namensform, unter welcher ein Ritter in drei Szenen auftritt, kann als Rezeptionszeugnis des mittelhochdeutschen Romans betrachtet werden. Das Personenverzeichnis listet 43 namhafte und weitere anonyme Gestalten auf. Unter ihnen finden sich „Sir Iwain mit seinem Löwen“ und „der amerikanische Schriftsteller Mark Twain“ (1981, S. 13f.). Unmittelbar könnte man glauben, dass der Tom Sawyer-Autor an die Tafelrunde versetzt wurde, weil Dorst mit der Iwein-Literatur des späten 18. Jahrhunderts vertraut war, aber das ist kaum der Fall. Sein Drama beruht nur in begrenztem Ausmaß auf deutschen Quellen, vor allem Wolframs Parzival, aus dem Parzival, Herzeloide und Jeschute entlehnt sind. Auf die Iwein-Geschichte wird nie direkt angespielt.

Vor Sir Iwains erstem Auftritt hat König Artus ein Schwert aus einem Stein gezogen und einen runden Tisch als Abbild der Welt anfertigen lassen. Parzival hat seine Mutter verlassen, um Ritter zu werden. In Szene 17 setzen sich die Ritter erstmals an den Tisch. Iwain betritt die Bühne mit seinem Löwen, der auch einen Platz am Tisch bekommt. Der Nachbar des Löwen beschwert sich über dessen Gestank. Iwain hat hier nur eine einzige kurze Replik (S. 87). Mit raschem Szenenwechsel wird beschrieben, wie Parzival Jeschute in ihrem Zelt besucht und wie Königin Ginovra in ihrem Zimmer mit Sir Lancelot Schach spielt. In Szene 21 befindet sich Sir Iwain unvermittelt in einer Wüste und sucht Nahrung. Er legt sich besorgt zur Ruhe auf einen heißen Stein, während sein Löwe Wache hält. In dieser kurzen Szene sagt Iwain nichts. Der Erzähler beschreibt nur seine Gedanken (S. 107). In der folgenden Szene verwandelt Merlin den runden Tisch in einen friedlichen Paradiesgarten, in dem der Löwe nur Gras frisst und zusammen mit einem Schaf harmlos auf dem Tisch umhergeht. Das Tier hat anscheinend seinen gewöhnlichen Herrn verloren. Nach verschiedenen bunten Abenteuern erschlägt Artus’ Sohn Mordred einen Eremiten und gibt Sir Lancelot die Schuld. Dann taucht Sir Iwain ein drittes Mal mit seinem Löwen auf. In Szene 59 unterhält sich ein Clown zunächst mit einem Gesprächspartner, der genauso gut Iwain wie auch der Löwe sein kann. Die Identitäten der beiden scheinen zusammenzufallen. Am Ende der Szene unterhält sich der Clown mit beiden. Der Löwe hat eine Replik, Sir Iwain fünf (S. 248). Danach verlässt Sir Iwain bis zum Ende des Dramas die Bühne. In den drei Szenen wird sein Name insgesamt 13-mal erwähnt.

Zu den Rezeptionszeugnissen des Iwein zählt Volker Mertens auch Wolf Heinrich Baudissins relativ treue Versübersetzung von 1845, diejenige von Friedrich Koch von 1848 und Christian Stechers freiere Umdichtung von 1880 (2021, S. 353f. [auszugsweise abrufbar]). Seit diesen drei Reimübertragungen sind außer Hoppes Bestseller mindestens sechs neuhochdeutsche Prosafassungen erschienen, die von ihren jeweiligen Autoren als Erzählung oder Nacherzählung beschrieben werden (Osterwald 1867, Kiesel 1933, Schwarz 1967, Dühnfort 1985, Okken 1986/1992, Strauß 2012). Die meisten wurden in begrenzter Auflage veröffentlicht und sind heute nicht leicht zugänglich. Sie werden auf der Iwein-Hauptseite zusammen mit den eigentlichen Übersetzungen verzeichnet (Fink 1939, Cramer 1968, Gernentz 1973, Mohr 1985, Wehrli 1988, Mertens 2004, Stange 2006, Krohn 2011). Es ist schwierig, scharfe Grenzen zwischen Übersetzung, Nacherzählung und Nachdichtung zu ziehen. Wie hätte wohl Hartmann selbst den Iwein eingeordnet, wenn er mit dieser modernen Gattungsfrage konfrontiert gewesen wäre?

Wirnt von Grafenberg: Wigalois (1209/1215)

In den ersten Jahren des 13. Jahrhunderts dichtete Wirnt von Grafenberg den Wigalois [Wikipedia]. Der Roman ist in 13 Codices und 25 Fragmenten überliefert [Wikipedia] und hat 11708 Verse in fast sämtlichen Ausgaben: Benecke 1819 [abrufbar]; Pfeiffer 1847 [abrufbar]; Kapteyn 1926 [GVK] (= Transkription: Dimpel 2007 [abrufbar]); Lecouteux 2001 [auszugsweise abrufbar]; Seelbach 2005 [auszugsweise abrufbar]; Seelbach 22014 [auszugsweise abrufbar]. Franz Pfeiffer ließ v. 762–765 weg und hat deshalb nur 11704 Verse. Er verzichtete auf eine fortlaufende Zählung und begann stattdessen die Zählung in jeder Spalte neu. Beide Anfangsspalten haben 22 Verse, beide Schlussspalten 30 Verse, die übrigen 290 Spalten alle 40 Verse, daher der Gesamtumfang.

Wirnt stammte nach allgemeiner Meinung aus der heutigen Stadt Gräfenberg nahe Nürnberg [Wikipedia]. Er bedauert den Tod eines Fürsten von Meran (v. 8064), der gewöhnlich mit dem 1204 verstorbenen Fürsten Berthold IV. von Andechs, Herzog von Meranien [Wikipedia], gleichgesetzt wird. Vieles spricht dafür, dass Wirnt seinen Roman im Auftrag von Bertholds Sohn und Nachfolger Otto VII. von Andechs [Wikipedia] schrieb. Otto VII. heiratete am 21. Juni 1208 in Bamberg Beatrix von Burgund. Sie war Tochter des Staufers Otto I. von Burgund und der französischen Grafentochter Margarete von Blois. Ihr Vater war der vierte Sohn Barbarossas, ihre Mutter eine Enkelin König Ludwigs VII. von Frankreich. Margarete war außerdem Nichte der Gräfin Marie von Champagne. Durch diese vornehme Ehe wurde Otto VII. zugleich mit dem französischen Königshaus und den Hohenstaufen verschwägert. An seiner Hochzeit wurde der Onkel der Braut, der deutschrömische König Philipp, bekanntlich ermordet. Er war Barbarossas jüngster Sohn. Dieser Königsmord erinnert an eine Episode im Wigalois. Während des Hochzeitsfests, bei dem Wigalois und die Königstochter Larie heiraten, wird König Amire ermordet. Durch seine Mutter Florie, Nichte eines Königs, hat Wigalois genauso vornehmes Blut in seinen Adern wie Otto VII. Heraldische Elemente unterstützen eine Datierung des Romans nicht lange nach dem Bamberger Königsmord.

Der Wigalois ist der erste deutsche Artusroman, der nicht als mehr oder weniger treue Übersetzung einer französischen Vorlage entstanden ist. Er hat nur ganz wenige Motive mit dem Bel Inconnu des Renaud von Bâgé [ARLIMA] gemeinsam. Dieser Franzose, dessen Herkunft in den Handschriften unterschiedlich überliefert ist, stammt nicht, wie früher vermutet, aus Beaujeu im Departement Rhône, sondern aus Bâgé-le-Châtel [Wikipedia], heute eine Gemeinde im Departement Ain 8 km östlich von Mâcon (Guerreau 1982, S. 28–33 [abrufbar]). Sein Roman, den er spätestens um 1200 verfasste, dürfte schnell die Pfalzgrafschaft Burgund wenige Kilometer weiter südlich erreicht haben. Durch seine Heirat ererbte Otto VII. diese Pfalzgrafschaft. Sein Titel als Herzog von Meranien könnte zu der Vermutung verleiten, dass er in Meran residierte. In Wirklichkeit hielt er sich meist in Bayern auf, besonders in Nürnberg, und dürfte Wirnt in dieser Gegend getroffen und in seinen Dienst aufgenommen haben. Otto VII. besuchte erstmals am 18. Oktober 1211 die Pfalzgrafschaft Burgund. Weitere Besuche sind 1213, 1215, 1224, 1226 und 1227 belegt. Wenn Wirnt diesen Fürsten begleitete, kann er in Burgund den Knappen getroffen haben, der ihm angeblich die Geschichte erzählte, die im Wigalois vorliegt (v. 595–599, 11686–11690). Die Forschung geht mehrheitlich davon aus, dass Wirnt diesen mündlichen Bericht genauso treu übersetzte wie Hartmann den Yvain. Nur wenige Skeptiker halten Wirnts Berufung auf Quellentreue für eine literarische Fiktion und erinnern daran, dass die seriöse französische Website ARLIMA keinen Gui le Galois verzeichnet. Genauso vergeblich ist dort die Suche nach dem von Wolfram postulierten Gralsroman des Provenzalen Kyot. ‚Guiot‘ und ‚Perceval‘ ergeben keinen gemeinsamen Treffer. Die Liste der von Altgermanisten vermuteten, heute wie Atlantis spurlos verschwundenen französischen Werke ist unendlich. Nahezu alle Altgermanisten befürworten beispielsweise die Existenz eines verlorenen französischen Romans, der Lancelot als Schützenjäger beschrieb. Dieser postulierte Text erzählte angeblich, wie der Titelheld im Gegensatz zu dem schüchternen Namensvetter, den uns Chrétien schildert, Beischlaf mit jeder jungen Dame hat, der er auf der Suche nach seinem Namen begegnet. Wenn Ulrich von Zatzikhoven sich im Lanzelet auf ein französisches Buch beruft und Quellentreue versichert, vertraut ihm die große Mehrheit der Altgermanisten blind und vermutet, dass die Franzosen einen zusätzlichen Roman verloren haben.

Dasselbe Erklärungsmodell wird auch im Bereich der Novelle verwendet. Da der Titelheld des Mauritius ein französischer Ritter aus Craon im Anjou [Wikipedia] ist, wird eine verlorene französische Vorlage mit verwandtem Inhalt angenommen: „Die Leistung des Dichters besteht also darin, dass er das Werk übersetzte, was mit einer Anpassung an die deutschen Literaturerwartungen einherging. Überliefert ist diese Vorlage allerdings nicht.“ [Wikipedia, 30.5.2021]

Summa summarum: Da Veldeke und Hartmann nachweisbar französische Vorlagen mit relativer Treue bearbeiteten, geht die Altgermanistik davon aus, dass der Wigalois, der Lanzelet und der Mauritius unselbständige Nachdichtungen sind. Es ist schier unglaublich, wie viele sonst verlorene französische Schätze die mittelhochdeutschen Dichter gerettet haben. Trotz der deutschen Postulate, die in jedem beliebigen Nachschlagewerk wiederholt werden, weigern sich die französischen Mediävisten hartnäckig und undankbar, ihre nationale Literaturgeschichte umzuschreiben. Keines der hypothetischen Werke, die der deutschsprachige Raum dem romanischen Westen schenken möchte, ist in den gängigen französischen Nachschlagewerken zu finden, deshalb auch nicht auf ARLIMA. Für dieses deutschfranzösische Paradoxon fand Heinrich Heine einst eine gereimte Erklärung [abrufbar]. Vielleicht kommt die Wahrheit eines Tages ohne akademische Argumente zum Vorschein, ähnlich wie in einer Episode des Amis, die nach vielen Altgermanisten auf einer französischen Vorlage beruht, nach wenigen Skeptikern auf arabischer Weisheit (v. 496–798; Ed. Prüss 1477, Bl. 6r–8v [abrufbar]).

Der Einfluss des Bel Inconnu auf den Wigalois ist gering und lässt sich quantitativ nicht einschätzen. Keine einzige mittelhochdeutsche Passage hat über gewisse Motive hinaus eine direkte Entsprechung im französischen Roman. Wirnt bezeugt dagegen eine hervorragende Kenntnis der einheimischen Literatur. Seine Vorbilder sind Hartmann und Wolfram, die er in der Ruel-Episode beide mit Namen nennt (v. 6309, 6343f.). Er begnügt sich nicht mit vagen Hinweisen, sondern erinnert an bestimmte Episoden des Erec und Parzival, in denen Enite und Jeschute als Schönheitsideale auftreten. Die böse Waldfrau, die den wehrlosen Wigalois wie einen Sack davonschleppt, vergleicht Wirnt ironisch mit Lunet, die den Löwenritter bestimmt besser behandelt hätte (v. 6396–6398). Den Eneas kennt er übrigens auch gut, obwohl er Veldeke nicht beim Namen nennt. Er beschreibt nämlich, wie eine schöne Jungfrau einer persischen Prinzessin aus Veldekes Roman vorliest, und fasst den Anhang in wenigen Zeilen zusammen (v. 2713–2722). Wirnts Publikum muss die Romane, auf welche er anspielt, gut gekannt haben. Sonst hätte die Ironie nicht funktioniert.

Schon im Erstdruck von 1819 erkannte Georg Friedrich Benecke wörtliche Übereinstimmungen zwischen dem Iwein und dem Wigalois, zum Beispiel zwischen der Iwein-Szene, in welcher ein fremder Ritter König Artus fehlende Großzügigkeit vorwirft, und der Wigalois-Szene, in welcher Joram die Ritter der Tafelrunde herausfordert (Benecke 1819, S. 439 [abrufbar]):

  • Diz bâgen hôrten alle / die von der tavelrunde / und sprâchen mit einem munde
  • ‚Dieses Schelten hörte die ganze Tafelrunde; sie sprachen einmütig: (Iwein, v. 4566–4568)
  • die von der tavelrunde / sprâchen mit einem munde
  • ‚Die von der Tafelrunde riefen mit einer Stimme:‘ (Wigalois, v. 445f.)

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden immer mehr Übereinstimmungen entdeckt, und 1890 stellte Oskar Böhme alle Funde in einer Übersicht zusammen und ergänzte sie durch eigene „Nachlese“. Die Übersicht erstreckt sich über sechs Seiten und enthält etwa 370 Verse (S. 257–262 [abrufbar]). Berücksichtigt wurden auch Stellen, die nur „eine entferntere Ähnlichkeit“ (S. 262) aufweisen. Leider beruht Böhmes Übersicht auf Pfeiffers unpraktischer Zählung, die den Vergleich mit anderen Ausgaben erschwert. Nach Umrechnung von Böhmes Angaben für die ersten 1000 Wigalois-Verse ergibt sich folgende Übersicht, in welcher W für Wigalois und I für Iwein stehen. Für diesen Romanabschnitt fand Böhme 43 Übereinstimmungen zwischen 66 Wigalois-Versen und 65 Iwein-Versen:

  • W 6: I 2510f., W 18: I 3820, W 98: I 251, W 99: I 1720, W 215: I 3702, W 215: I 8039, W 255: I 7239, W 270: I 4537, W 343f.: I 4580, W 431: I 4593, W 445f.: I 4567f., W 448f.: I 4626f., W 450: I 4665, W 463: I 4701, W 512f.: I 4620, W 518: I 4718, W 525f.: I 4393f., W 543: I 1012, W 543: I 5027, W 549–552: I 1017–1020, W 557f.: I 7123f, W 571: I 2002, W 589f.: I 4270f., W 603: I 6184, W 605: I 7567, W 660f.: I 6078f., W 662f.: I 4361f., W 680f.: I 281f., W 682–684: I 5593–5595, W 690f.: I 2189f., W 707f.: I 350f., W 712–715: I 5601–5604, W 717: I 367, W 731f.: I 6464–6466, W 736: I 3417, W 743f.: I 308, W 849: I 2749, W 855: I 6386, W 915: I 4455, W 934: I 3812, W 934: I 2595, W 993f.: I 339f., W 996: I 3038

Drei Wigalois-Verse (v. 215, 543, 934) haben in dieser Übersicht je zwei Entsprechungen. Die Zusammenstellung macht deutlich, dass es sich keineswegs um Entlehnungen handelt, die mit denjenigen des Friedrich von Schwaben aus dem Erec oder denjenigen des Cristal et Clarie aus dem Yvain vergleichbar sind. Wirnt hat aus der Vorlage keine längere Passage übernommen, sondern nur isolierte Verse. Nur ganz selten handelt sich um Abschnitte von mehr als zwei Versen. In seiner Ausdrucksweise und Reimpraxis steht Wirnt also einfach unter Hartmanns Einfluss. Wenn nur solche wörtlichen Übereinstimmungen wie die von Benecke bemerkte, oben zitierte Stelle berücksichtigt werden, schrumpft das Corpus auf 11 Übereinstimmungen und 14 Verse in beiden Romanen:

  • W 215: I 3702, W 445f.: I 4567f., W 448f.: I 4626f., W 463: I 4701, W 518: I 4718, W 551: 1019, W 682: I 5593, W 714f.: I 5603f., W 855: I 6386, W 915: I 4455, W 996: I 3038

Da Böhmes Übersicht in den ersten 1000 Versen einen besonders starken Einfluss des Iwein auf den Wigalois andeutet, lässt sich die Gesamtzahl der wörtlich übereinstimmenden Verse auf weniger als 100 einschätzen, also unter 1 %. In quantitativer Hinsicht ist der Wigalois erheblich weniger ‚epigonal‘ als der Friedrich von Schwaben und der Cristal et Clarie. Für 99 % der Verse lässt sich weder in Deutschland noch in Frankreich noch in irgendeinem anderen Land der Welt eine Vorlage nachweisen, und trotzdem gilt Wirnt als unselbständiger Dichter. Die Arithmetik spricht dafür, dass er den ersten rein deutschen Artusroman schuf. Solange niemand die postulierte Vorlage aufgefunden hat, geht die empirische Wissenschaft (ein Pleonasmus) davon aus, dass Wirnt selbständiger war als Hartmann.

Gerhard Anton von Halem: Ritter Twein (1788)

Gerhard Anton von Halem 1840                                  Gerhard Anton von Halem                                                                                                              Aus: Halem 1840, Frontispiz

Etwa drei Jahrhunderte nach der Entstehung des Iban regte der Iwein zu einer neuen Reimbearbeitung vergleichbarer Länge an. 1788 veröffentlichte Gerhard Anton von Halem [Wikipedia] ein Gedicht in vier Gesängen mit 1350 Versen und nannte es Ritter Twein. 1784 war der Erstdruck des Iwein in Berlin unter dem Titel Twein ein Rittergedicht erschienen, und diese Edition diente als Vorlage für die Nachdichtung, obwohl der Roman 1786 und 1787 in Wien mit dem richtigen Namen und moderner Übersetzung erschienen war. Von der jüngeren Ausgabe hatte Halem keine Kenntnis. Sein Gedicht erschien in drei Etappen. Die beiden ersten Gesänge veröffentlichte er in zwei Stücken der Zeitschrift Deutsches Museum. Der erste Gesang erschien im März 1788 (S. 224–234 [abrufbar]), der zweite im Juli (S. 38–46 [abrufbar]). Die vollständige Fassung mit allen vier Gesängen gab er selbst in Hamburg als Teil einer größeren Gedichtsammlung heraus (S. 233–290 [abrufbar]). Laut dem Titelblatt erschien sie 1789, aber Halem schickte Exemplare an Freunde, die schon im Januar brieflich darauf reagierten, der erste am 23. Januar. Die Sammlung war also schon Ende 1788 herausgekommen. Das Gedicht Ritter Twein ist dem hessischen Generalleutnant und Staatsminister Martin Ernst von Schlieffen [Wikipedia] gewidmet und 1788 datiert. Halem besorgte ab 1803 eine mehrbändige Gesamtausgabe seiner Schriften, aber Ritter Twein fehlt in den beiden Bänden mit gereimten Texten, als hätte der Autor das Gedicht selbst absichtlich abgewählt (Lyrik 1807 [abrufbar]; Gedichte 1818 [abrufbar]. Es wurde nach langem Vergessen von Heidi und Wolfgang Beutin wieder entdeckt, neu ediert und mit einem vorbildlichen Kommentar versehen (1994 [GVK]). Folgende Zusammenfassung orientiert sich an derjenigen dieser Ausgabe (S. 64f.):

  • Erster Gesang: Am Anfang bekundet ein Ich den Wunsch, eine Geschichte zu erzählen, und bittet die Zuhörer in den Saal zu treten (S. 233). Am Artushof findet ein Fest statt. Gegen Mitternacht veranstalten die Ritter der Tafelrunde einen Wettkampf im Trinken. Tweins Neffe Segremor erzählt das Brunnenabenteuer und dessen unglücklichen Ausgang. Es liegt nur vier Wochen zurück (S. 234–238). Artus beschließt, die Demütigung zu rächen und am St. Johannistag aufzubrechen. Um den anderen Artusrittern zuvorzukommen, reitet Twein heimlich aus und trifft unterwegs Lünette auf einer Burg. Sie gesteht, sie fühle sich von ihrem Vertrauten Gawin im Stich gelassen. Twein setzt sich für Treue ein, und es entsteht eine gegenseitige Zuneigung. Lünette verrät dem Ritter ein Geheimnis: sie dient einem Königspaar, das unter einem Fluch lebt. Ihn hat eine Nixe verhängt, die sich vom König verraten glaubt. Die Königin heißt Laudine. Nach dem Abendmahl geht Twein allein schlafen (S. 239–246).
  • Zweiter Gesang: Twein verlässt am nächsten Morgen die Burg, um den Kampf bei der Quelle zu bestehen. Bei Verfolgung des besiegten Gegners bis zur Burg gerät er durch das herunterrasselnde Gitter in Gefangenschaft. Lünette erscheint, um ihm zu helfen, und führt ihn in die Gruft, wo er die trauernde Laudine erspäht. Er verliebt sich auf den ersten Blick in die Witwe. Lünettes Rat bewirkt, dass Laudine ihm verzeiht und den Auftrag erteilt, ihre Quelle gegen Artus zu verteidigen (S. 247–258).
  • Dritter Gesang: Das Ich redet Wieland an und wünscht, an seiner Seite in Weimar zu sein. Wieland erscheint als Kapitän, von Schlieffen als Matrose. Ihr Schiff fährt auf hohe See (S. 259–261). In der Erzählung ist der St. Johannistag gekommen, und die Artusritter brechen zur Rache auf. Kay übernimmt es, den Beschützer der Quelle zu überwinden, wird aber von Twein besiegt. Im Anschluss werden alle auf Laudines Burg gastfreundlich empfangen. Laudine empfindet gegenseitige Liebe zu Twein, wünscht ihn aber erst nach einem Jahr zu heiraten. Als Sühne wird Twein für ein Jahr von ihr verbannt. Die eifersüchtige Nixe wünscht immer noch Rache. Nach dem Abschied erscheint Laudine die Spanne zu lang. So schickt sie als Boten einen Zwerg zum Artushof. Inzwischen hat Twein die Tafelrunde verlassen, von Sinnen wegen der durch Laudine verfügten Trennung (S. 261–274).
  • Vierter Gesang: König Ryon möchte, dass ihm sein Schneider einen Mantel aus den abgeschnittenen Bärten anderer Könige sowie aus der geraubten Haarpracht zauberkundiger Feen und Nixen nähe. So bemächtigt er sich der eifersüchtigen Nixe, schert sie kahl und setzt sie in einen gläsernen Hohlpfeiler gefangen. Die ihr befreundeten Nixen suchen Hilfe, zuerst vergeblich bei Artus, dann bei Twein. Nachdem ihn die Nixe Aline mit der Zaubersalbe der Fee Morgane gesund gepflegt hat, zieht Twein aus, um der Gefangenen die Freiheit zurückzugeben. Es gelingt. Danach trifft er auf Lünette, die sich in Lebensgefahr befindet, weil sie als Anstifterin der Verbindung zwischen Twein und Laudine gerichtet werden soll. Unterdessen belastet ihn ein Burgherr mit einer zusätzlichen Aufgabe. Sie besteht in der Bezwingung des bedrohlichen Riesen Karin. Twein besiegt den Riesen und erlöst zugleich Lünette. Am Ende findet die glückliche Vereinigung zwischen Twein und Laudine statt (S. 275–290).

Diese Zusammenfassung zeigt, wie frei Halem mit der Vorlage umgeht, ganz besonders im vierten Gesang. Im ersten Gesang ersetzt er Kalogreant durch Segremor und lässt den Waldmann weg. Im Allgemeinen gibt es weniger Zeit- und Raumangaben. Der besiegte Brunnenkönig ist anonym. Außerdem wird die Handlung gestrafft. Zum Beispiel liegt die Niederlage am Brunnen nur vier Wochen zurück. Auch wird der Wahnsinn drastisch reduziert und schon durch die Verbannung ausgelöst. Nach der Heilung beschleunigt sich die Handlung derart, dass Twein überhaupt keine Zeit hat, einen Löwen zu retten. Parallel zur kürzenden Tendenz finden wir zahlreiche Zusätze wie die groteske Ryon-Episode. Der Zwerg und die Nixen sind auch neu. Völlig selbständig ist die lange heterodiegetische Schifffahrtseinleitung des dritten Gesangs mit der direkten Anrede an den ‚Kapitän‘ Wieland und mit von Schlieffen als stummem ‚Matrosen‘. Die allgemeine Handlungsstruktur wird trotz allem weitgehend beibehalten. Der Titelheld behält seinen impulsiven Charakter. Im Iwein ist er schon ein Draufgänger, im Ritter Twain erscheint er als ‚Stürmer und Dränger‘.

Gerhard Anton von Halem ist 1752 in Oldenburg nahe Bremen geboren. Seine Studien führten ihn unter anderem nach Straßburg, wo er am 5. Mai 1770 eintraf. In seiner nur bis 1782 reichenden, erst 1798 verfassten Selbstbiographie erzählt er weit und breit von Straßburg und seinen Ausflügen in die Umgebung (1840, S. 46–52 [abrufbar]). Er besuchte Johann Daniel Schöpflin, der neben der Thomaskirche wohnte und dort ein berühmtes Museum eingerichtet hatte [Wikipedia]. Eine Begegnung mit Schöpflins hochberühmtem Schüler Johann Wolfgang Goethe erwähnt die Selbstbiographie nicht. Nach weiteren Studien und Reisen kehrte Halem in seine Geburtsstadt zurück und wurde dort juristischer Beamter wie sein Vater. Er war Freimaurer und begrüßte die Französische Revolution, die gerade während der Arbeit am Ritter Twein ausbrach. Kurz danach unternahm er eine Reise nach Paris und verfasste einen Reisebericht, den er 1791 in Hamburg veröffentlichte. Sein heute fast völlig vergessenes Gesamtwerk ist vielfältig. Es umfasst Prosa und Gedichte, Fiktion und Geschichte. Für das Mittelalter scheint er sich weniger interessiert zu haben als für die neuere Geschichte und seine eigene Gegenwart. Er starb 1819 und hinterließ viele Kinder. Er war dreimal verheiratet, in zweiter und dritter Ehe mit Töchtern des Oldenburger Landarztes Gerhard Anton Gramberg [Wikipedia]. Sein Schwiegervater ist wohl der Gelehrte, der 1783 und 1795 unter der Initiale „G.“ zwei Beiträge zum Nibelungenlied publizierte. Zu Halems literarischen Vorbildern gehört der im dritten Gesang verherrlichte Christoph Martin Wieland [Wikipedia]. Unter den 200 Briefen aus dem Zeitraum 1780–1800, die Halems Bruder als Anhang der Selbstbiographie veröffentlichte, findet sich ein langer Brief, den Wieland am 30. November 1790 in Weimar als Antwort auf einen Brief vom 7. November aus Paris verfasste. So drückte sich der deutsche Aufklärer über die jüngsten Ereignisse aus:

  • Wir stimmen […] in unsern Begriffen, Gesinnungen und Grundsätzen überhaupt zu sehr überein, als daß wir nicht auch in unseren Gedanken von der großen Revolution in Frankreich übereinstimmen sollten. Ich halte es für eine Glückseligkeit, um welche uns die Nachwelt beneiden wird, daß wir Zeitgenossen und Zuschauer dieses größten und interessantesten aller Dramen, die jemals auf dem Weltschauplatze gespielt wurden, gewesen sind. (S. 110 [abrufbar])

Wieland kann Halems Aufmerksamkeit auf den Iwein gelenkt haben. Er hatte schon am 26. August 1777 in einem Brief an Michaeler den Roman mit Bewunderung erwähnt (Michaeler 1786, S. 26–29 [abrufbar]). Vermutlich kam die Anregung zur Nachdichtung jedoch von einem anderen Mann, dem hessischen Generalleutnant und Staatsminister Martin Ernst von Schlieffen. Er unterhielt spätestens seit 1785 einen Briefwechsel mit Halem (1840, S. 26f.). Von Schlieffen hielt am 1. März 1787 vor einer Versammlung hessischer Altertumsforscher einen bemerkenswerten Vortrag mit den Titel Vor dem ritterlichen Heldensinger Hartmann von Owe, aus dem 12tem Jahrhundert (S. 465–502 [abrufbar]). Er begann den Vortrag mit einer allgemeinen Übersicht über die ältere deutsche Literaturgeschichte, kommentierte Otfrieds Evangelienbuch, Veldekes Eneas, das Nibelungenlied und Gottfrieds Tristan und gab ausführliche Zusammenfassungen des Iwein und des Armen Heinrich nach Müllers Editionen. Am Ende des Vortrags, der nach der Druckfassung zu urteilen zwischen einer und zwei Stunden dauerte, zog er folgende Bilanz:

  • Hartmann von Owe ist um ein ganzes Jahrhundert älter als Dante; um zwei als Chaucer. Dieser, der Vater von Englands heutiger Dichtkunst, jener Italiens. Ueberlegen sind beide ihm nicht. Gleichwohl kennen fast alle belesene Deutsche die zwei Fremden, wenige – welch ein Vorwurf! – den Landsmann. (S. 501 [abrufbar])

Mit diesem Vortrag beginnt die moderne Iwein-Forschung, wie Heidi und Wolfgang Beutin es richtig erkannten. In der Einleitung seiner Iwein-Edition ein Jahr früher hatte sich Michaeler weitgehend mit einem Vergleich zwischen Hartmanns Roman und dem Iban begnügt. Von Schlieffens Begeisterung für den Iwein lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass er den hessischen Löwenorden trug und so eine symbolische Gemeinschaft mit dem Titelhelden hatte. Sein Vortrag erschien anonym im Dezember im Deutschen Museum. Diese Zeitschrift wurde seit 1776 von dem Dichter Heinrich Christian Boie [Wikipedia] herausgegeben. Er veröffentlichte seit 1778 Halems Texte und war mit ihm befreundet. Die Leser des Vortrags erkannten offenbar leicht den Referenten (Hamberger/Meusel 1805, S. 671 [abrufbar]; Schmidt 1825, S. 1528 [abrufbar]). Noch vor der Veröffentlichung des Vortrags schickte von Schlieffen Halem eine Abschrift davon, wie dieser es selbst im März 1788 in einer Anmerkung zum ersten Gesang erklärte, ohne die Identität des Referenten zu verraten (S. 224 [abrufbar]). Halem muss die Abschrift schon wenige Wochen nach dem Vortrag erhalten haben, denn er erzählte es sofort seinem Freund, dem Grafen Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg, der damals als Landvogt im oldenburgischen Neuenburg amtierte [Wikipedia]. In einem Brief vom 14. April 1787 reagierte Stolberg schockiert auf von Schlieffens Aussage, Dante sei Hartmann von Owe nicht überlegen (Halem 1840, S. 55 [abrufbar]). Zwei Tage später, in einem Brief vom 16. April, freute sich Boie über Halems Absicht, „den Twein bearbeiten“ zu wollen (ebd. S. 57). Sieben Monate später hatte Halem schon den ersten Gesang vollendet und Boie zur Veröffentlichung geschickt. Der Herausgeber des Deutschen Museums freute sich in einem Brief vom 21. Januar 1788 über den Anfang des Gedichts und nannte Twein „ein[en] wacker[en] Ritter“ (ebd. S. 69). Im März und Juli erschienen die beiden ersten Gesänge in Boies Zeitschrift, und vor Ende des Jahres gab Halem selbst alle vier Gesänge in seiner Gedichtsammlung Poesie und Prose heraus. Er widmete das Gedicht „dem General-Lieutenant von Schliefen“, den er ihm selbst im dritten Gesang zuwinken ließ, wies auf die Druckfassung des Vortrags hin, aber verschwieg weiterhin die Identität des Referenten.

Halem schickte Boie ein Exemplar seiner Gedichtsammlung. Diesem gefiel die Anrede an Wieland, weniger die Liebesgeschichte zwischen Twein und Laudine und schon gar nicht die allgemeine Formlosigkeit des Gedichts. Tatsächlich verwendet Halem bald Paarreime, bald Kreuzreime, bald umarmende Reime ohne erkennbares Prinzip und fügt auch strophische Passagen ein. Boie hatte den Eindruck, dass der Schluss unter Zeitdruck entstanden war: „Vielleicht eilte der Dichter ans Ende, obgleich er noch Stoff gehabt hätte zu einem fünften Gesange“ (Halem 1840, S. 78). Ganz anders positiv war das Gesamturteil des hessischen Staatsministers. In einem Brief vom 26. Dezember 1789, also mit einiger Verspätung, reagierte von Schlieffen auf den Empfang des Widmungsexemplars und dankte dem Absender mit komplexen Metaphern:

  • Ein Wandrer irrte in der Wildniß umher, und strauchelte an der halbvermoderten Leiche eines der dem Zeug geheiligten Bäume. Sein Sturz zerschlug die leichte Decke einer Gruft, und ein verheimlichter Schatz kam zum Vorschein. So die neuen Gesänge von des alten Owe Rittermähre, als der Schreibler, dessen Namen die Ehre hat, davor zu stehen, über das verjährte Denkmal der Minnesänger dahin stolperte. (Halem 1840, S. 85f.)

Der strauchelnde Wanderer und der Schreibler sind von Schlieffen, der zum Vorschein gekommene Schatz Hartmanns Iwein. Nach dieser Danksagung fiel das beschriebene Rezeptionszeugnis dem Vergessen anheim, bis Heidi und Wolfgang Beutin erneut darüber strauchelten und die inzwischen halbvermoderten Gesänge wieder zum Vorschein brachten.

August Klughardt: Iwein (1879)

Klughardt 2000August Klughardt, um 1900                                                                                                  Fotoabzug aus dem Privatbesitz Günther Eisenhardts, September 2000                            Aus: Wikipedia Commons

Die folgende Iwein-Bearbeitung war eine Oper. Am 21. Juni 1878 notierte August Klughardt [Wikipedia] in seinem Tagebuch: „Partitur zu Iwein vollendet“ (Eisenhardt/Zabel 2002, S. 96 [PDF]), und am 28. März 1879 fand die Uraufführung in Neustrelitz südlich von Neubrandenburg [Wikipedia] statt. Dies wurde ebenfalls im Tagebuch verzeichnet (ebd. S. 103). Das Libretto erschien in Dessau ohne Partitur und ohne Datum, entweder Ende 1878 oder Anfang 1879 (S. 5–60 [abrufbar]). Die drei Akte bestehen aus sieben, drei und sieben Szenen. Die Oper hat also einen symmetrischen Aufbau um eine kürzere Mitte. Der Text erstreckt sich im Erstdruck über 56 Seiten. Für die Neuaufführung in Leipzig erschien das Libretto in einer leicht veränderten Fassung (1881, S. 5–62 [abrufbar]). Die Partitur kam in einer separaten Ausgabe heraus (S. 3–193 [abrufbar]). Das Leipziger Libretto hat zwei Seiten mehr als der Dessauer Druck. Der erste und der dritte Akt sind nach Stichproben zu urteilen unverändert. Der zweite Akt ist dagegen erheblich erweitert. Er hat 62 Plusverse für 6 Minusverse. Die Oper erreicht auf diese Weise einen Gesamtumfang von 1239 Versen, wenn fünf wiederholte, im Druck durch „usw.“ ersetzte Verse mitgezählt werden (S. 25, 29, 58). Sie hat also ungefähr dieselbe Länge wie der Iban und der Ritter Twein. Klughardts Oper hat folgende Handlung:

  • Erster Akt: Iwein verfolgt den tödlich verletzten Burgherrn Askalon und trifft in der gleichnamigen Burg auf Lunette. Sie redet ihn als Frenes Sohn an und dankt ihm für freundlichen Empfang am Artushof zwei Jahre früher. Iwein erzählt ihr, Frene sei von Askalon erschlagen worden. Dafür übe er jetzt Rache. Lunette verbirgt ihn in ihrer Kammer (1). Vom Fenster aus sieht Iwein Askalons Witwe Laudine und die trauernden Burgbewohner um die aufgebahrte Leiche. Wolfhart, der Vogt der Burg, schwört Rache und entdeckt Iweins Schild mit einem Löwen als Wappen (2). Iwein sehnt sich in heißer Liebe nach Laudine und fällt in Ohnmacht (3). Laudine entdeckt den ohnmächtigen Ritter und glaubt nicht an dessen Schuld. Iwein erwacht, erklärt ihr seine Liebe und gesteht den Mord. Die entstehende Liebe verhindert Laudine daran, den Mörder mit einem Schwert zu töten. Stattdessen verbirgt sie ihn. Wolfhart befiehlt die Schließung des Tors (4). Lunette macht Laudine darauf aufmerksam, dass sie Askalon als Waisenkind heiratete, dass er für sie wie ein Vater war und dass sie erst jetzt die Liebe entdeckt hat (5). Laudine gesteht ihre Gefühle und umarmt Iwein. Wenn Wolfhart im Begriff ist, den Mörder zu töten, erscheinen die Ritter der Tafelrunde, und Iwein wird von Gawein gerettet (6). Iwein und Laudine gestehen Artus ihre gegenseitige Liebe. Er verlobt sie, befiehlt aber eine einjährige Trennung. Iwein nimmt Abschied und zieht mit Artus (7).
  • Zweiter Akt: Vor dem Artusschloss binden Frauen Kränze für die Artusritter, die die entführte Königin zurückbringen. Nur Dankwart ist gefallen. Iwein wird mit einem Siegeskranz gekrönt (1). Lunette erscheint und bringt Iwein einen Fluch von Laudine, die jetzt von Wolfhart gefangen gehalten wird. Gawein wirft Iwein Treulosigkeit vor und zieht mit den anderen Rittern, um Laudine zu befreien (2). Verstoßen verflucht Iwein die Ehrsucht, wirft sein Schwert ins Meer und verfällt dem Wahnsinn (3).
  • Dritter Akt: Der geisteskranke Iwein liegt nachts im Schoß eines Knaben vor der Hütte eines Waffenschmieds, der auch einen anderen Sohn hat. Iwein erwacht und hält sich für Keii. Einer der Knaben singt ihm ein Iwein-Lied vor (1). Laudine erscheint. Sie ist aus der Gefangenschaft entflohen und sucht den Artushof. Sie sieht Iwein, und er küsst sie, ohne sie zu erkennen (2). Die Knaben holen Waffen, um mit Wolfhart zu kämpfen. Wenn Iwein das Schwert sieht und sein Lied hört, gewinnt er langsam den Verstand zurück (3). Iwein erreicht die Burg Askalon mit einem der Knaben. Wenn er eine Rose pflückt, kehrt die Erinnerung zurück. Er geht in die Burg (4). Dort stellt Wolfhart Lunette zur Rede, weil sie Laudine zur Flucht verholfen hat. Iwein kommt ihr zur Hilfe. Wenn er seinen Namen hört, versteht er endlich, wer er ist. Lunette eilt mit dem Knaben zur Hütte zurück, um Laudine zu holen. Iwein verzeiht Wolfhart (5). Gawein erscheint und fordert Iwein heraus. Während des Kampfs erkennen sie sich. Da erscheint Artus mit seinen Rittern (6). Laudine begleitet sie. Zum Schluss fallen Iwein und Laudine einander in die Arme (7).

Um den Roman zu einer Oper umzuformen, wurde die Handlung gerafft und vereinfacht. Die beiden einleitenden Episoden mit dem Brunnenabenteuer fielen dabei weg. So beginnt die Oper mit der Verfolgung des tödlich verwundeten Burgherrn (Iwein, v. 1056f.). Die späteren Kämpfe mit einem Drachen und den Riesen fielen auch der Kürzung zum Opfer. Deshalb ist der Titelheld kein Löwenritter, hat aber von Geburt an ein „Löwenherz“ (S. 62) und führt schon am Anfang der Oper einen Löwen auf seinem Schild (S. 9). Die Trennung wird nicht durch das individuelle Streben nach Ehre motiviert, sondern von der höchsten Autorität verordnet. König Artus möchte vermeiden, dass die Liebenden durch eine übereilige Ehe gegen die Moral verstoßen. Das Libretto übernimmt sieben Figurennamen aus der Vorlage (Artus, Frene, Gawein, Iwein, Keii, Laudine, Lunette) und fügt vier neue Gestalten hinzu: den erschlagenen Artusritter Dankwart und den rachsüchtigen Burgvogt Wolfhart und die beiden Söhne des Waffenschmieds. Einer von ihnen wird Hans genannt. Der Artusritter und der Burgvogt sind anscheinend nach den gleichnamigen Gestalten des Nibelungenliedes benannt, Hagens Bruder und Hildebrands Neffen. Die Söhne des Schmieds können Reminiszenzen an Fafnir und Regin sein, die Richard Wagner [Wikipedia] in Fafner und Fasold umbenannte. Als unmittelbare Anregung zur Szene vor der Hütte des Waffenschmieds diente wohl die Siegfried-Oper. Der Iwein-Komponist war ein großer Wagner-Verehrer.

August Klughardt ist 1847 in Köthen geboren und war also 34 Jahre jünger als sein musikalisches Vorbild. Er bildete sich in der Wagnerstadt Dresden aus und trat ab 1867 in der Öffentlichkeit auf, insbesondere als Dirigent. In Weimar machte er Bekanntschaft mit Wagners Schwiegervater Franz Liszt. 1873 wurde Klughardt Dirigent in Neustrelitz und wirkte dort ab 1880 als Direktor des Stadttheaters. In dieser Zeit knüpfte er auch eine persönliche Beziehung zu Wagner und besuchte 1876 die ersten Bayreuther Festspiele. 1882 nahm er in Dessau eine Stelle als Hofkapellmeister an und blieb dort bis zu seinem Tod 1902. 1892 und 1893 hatte er die Ehre, den Ring zu dirigieren.

1902 veröffentlichte Leopold Gerlach [Wikipedia] eine umfangreiche Biographie [abrufbar]. Er hatte als Librettist für Klughardt gearbeitet und war mit ihm verschwägert, indem sein Sohn Richard Klughardts Tochter Margarete geheiratet hatte. Für die Biographie verfügte Gerlach über Klughardts Tagebuch. Anlässlich des 100. Todesjahrs des Komponisten wurde das Tagebuch zusammen mit Briefen aus den Jahren 1873–1875 und 1879–1882 herausgegeben (Eisenhardt/Zabel 2002 [PDF]). Das Tagebuch reicht von 1876 bis 1879 und umfasst die Entstehung und Uraufführung des Iwein. Die einzige Sonderstudie zu dieser Oper ist ein Kapitel in der Magisterarbeit der italienischen Germanistin Rossella Favaro (2013, S. 112–141 [PDF]). Klughards Nachlass enthält noch viele ungedruckte Dokumente, darunter Theaterzettel und Rezensionen, die sein Gesamtwerk erhellen.

Zum Librettisten, der die Verse des Iwein dichtete, liegt dagegen keine Forschung vor. Er hieß Karl Niemann nach dem Dessauer Textbuch. Sein Vorname wird im Leipziger Druck ‚Carl‘ buchstabiert. Laut einem fünfzeiligen Nekrolog im Deutschem Literatur-Kalender ist er 1854 in Dessau geboren, verfasste 1877 und 1882 die Opern Iwein und Gudrun, 1888 den Roman Coeur As, 1894 und 1895 die Lustspiele Eingeschlossen und Wie die Alten sungen und starb 1917 in Berlin (Sp. 1206 [abrufbar). Seine Iwein-Dichtung ist heute so unbekannt, dass einige Internetseiten zu seinem Gesamtwerk diese Oper zu „Ivanhoe“ verballhornen [zeitstimmen]. Niemann wurde offenbar von seinen Zeitgenossen für sein Iwein-Libretto kritisiert, nach Gerlach mit Unrecht. Dieser Biograph versuchte die Bühnenbearbeitung des mittelalterlichen Rittergedichts, das ihm nicht besonders gut gefiel, zu retten und beschrieb sie als „geschickt“. Gerlach hielt also die Oper für eine verbesserte Fassung von Hartmanns Iwein. Er erklärte anschließend, dass Niemann noch Student der Philologie war, als er das Libretto schrieb. Er „wurde später Gymnasiallehrer in Köthen, vertauschte aber sehr bald sein Lehramt mit dem Schriftstellerberuf“ (1902, S. 34 [abrufbar]). In der jüngsten Klughardt-Ausgabe und in der italienischen Magisterarbeit ist nichts Ausführlicheres zu diesem Autor zu finden (Eisenhardt/Zabel 2002, S. 50 [PDF]; Favaro 2013, S. 118 [PDF]).

Klughardt nennt Niemann dreimal in seinem Tagebuch. Während seines Aufenthalts in Bayreuth erhielt der Komponist am 25. Juli 1876 einen Brief von Niemann (Eisenhardt/Zabel 2002, S. 50) und war während seines Aufenthalts in Dessau vom 18. August bis zum 7. September 1876 immer zusammen mit diesem Studenten (ebd. S. 64). Während der Komposition des Iwein reiste Klughardt nach Norkitten bei Königsberg [Wikipedia] und hielt sich dort bis zum 12. September 1877 auf. In Norkitten vollendete er den ersten Akt, begann den dritten und wartete „vergebens“ auf die veränderten Szenen des zweiten Akts von Niemann (ebd. S. 83). Klughardt und Niemann blieben mindestens bis 1882 in Kontakt miteinander, denn in diesem Jahr verfasste Niemann das Libretto der Gudrun-Oper für den Komponisten. Über die Arbeitsverteilung zwischen beiden bei der Entstehung des Iwein verlautet nichts. Klughardt muss die Gesamtkonzeption der Oper entworfen und seinem Librettisten allgemeine Richtlinien für die Figuren und die Handlung abgesteckt haben, etwa wie Sebastian Brant für die Holzschnitte des Narrenschiffs, die von einem unbekannten Künstler ausgeführt wurden. Wir kennen in beiden Fällen das Ergebnis der Arbeit, für die Oper dazu noch den Namen des Librettisten. Niemanns Eigenleistung lässt sich trotzdem schwer einschätzen. Die Namensformen der Oper erlauben keine genaue Identifikation der Vorlage. Niemann kann genauso gut eine Edition des mittelhochdeutschen Originals benutzt haben wie eine der drei damals schon vorliegenden neuhochdeutschen Übersetzungen (1786/1787, 1845, 1848). Da er Philologie studierte, konnte er wohl Hartmanns Text verstehen.

Das Tagebuch und die Briefe verleihen uns einen guten Einblick in die Entstehung, die Aufführungen und die Rezeption der Iwein-Oper. Sie findet häufig Erwähnung in der Ausgabe von 2002 (S. 12f., 17, 83, 88, 96, 101f., 103–106, 115–117, 119f., 126):

  • 7/12.9.1877, Norkitten: Vollendung der Komposition des ersten Akts und Anfang des dritten Akts, vergebliches Warten auf eine neue Textfassung des zweiten Akts (S. 83)
  • 1.1878, Neustrelitz: Arbeit den ganzen Tag am Iwein (S. 88)
  • 5.1878, Neustrelitz: die fleißige Arbeit am Iwein durch einen Ausflug unterbrochen (S. 96)
  • 6.1878, Neustrelitz: Partitur des Iwein vollendet (ebd.)
  • 7.1878, Dessau: Arbeit am ersten und dritten Akt, offenbar zusammen mit Niemann („Wir nahmen den 1. u. 3. Akt des Iwein vor“) (ebd.)
  • 10.1878, Neustrelitz: Proben am Klavier mit der Sängerin Georgine Schubert [Wikipedia] und dem weniger bekannten Sänger Joseph Robinson (S. 100)
  • 10.1878, Neustrelitz: die Iwein-Aufführung von Georgine Schuberts plötzlichem Tod gefährdet (S. 101)
  • 12.1878, Dresden: Klughardt stellt dem Tenor Franz Diener [Wikipedia] den Iwein vor („wir machten den Iwein durch“) (ebd.)
  • 2.1879, Neustrelitz: Klughardt ist besorgt, weil die Großherzogin Augusta Karoline [Wikipedia] es „unrecht“ findet, die Oper ohne Georgine Schubert aufzuführen (S. 103)
  • 3.1879, Neustrelitz: URAUFFÜHRUNG trotz des Widerstandes der Großherzogin, der nur durch die Einmischung ihrer Mutter und ihres Manns überwurden werden konnte; großer Publikumserfolg (S. 103–105)
  • 3.1879, Neustrelitz: eine angekündigte zweite Aufführung durch das Unwohlsein des Sängers Robinson abgesagt (S. 105)
  • 7/30.8.1879, Dessau: Iwein-Proben mit einem Herrn Memmler in der Titelrolle und einer Frau Harditz in der Rolle als Lunette (ebd.)
  • 8/11.11.1879, Remplin: Wiedersehen mit der Großherzogin auf dem Schloss der Herzogin Katharina zu Mecklenburg [Wikipedia]; die Großherzogin war „nach der vorjährigen Iwein-Affäre zum ersten Male wieder sehr gnädig zu mir“ (S. 106)
  • 12.1879, Dessau: ZWEITE AUFFÜHRUNG in Dessau mit Klughardt als Dirigent; großer Publikumserfolg, besonders dank Frau Harditz als Lunette; Klughardt unzufrieden mit dem Orchester (S. 115, mit Abdruck des Theaterzettels)
  • 1.1880, Dessau: Aufführung der Iwein-Parodie Glühwein, oder Liebe, Mord und Blödsinn, Oper von Niemand, Musik nach älteren Ideen durch die Gesellschaft Narrhalla (S. 13)
  • 4.1880, Neustrelitz (?): Klughardt wünscht sich in einem Brief Erfolg für die kommende Iwein-Aufführung und freut sich darüber, dass die Großherzogin die Oper selbst auf das Repertoire geschrieben hat (S. 116)
  • 6.1880, Neustrelitz (?): Klughardts Frau Helene freut sich in einem Brief über die Annahme des Iwein in Leipzig
  • 11.1880, Neustrelitz: DRITTE AUFFÜHRUNG, die erste der neuen Saison, nur von Gerlach erwähnt: „Das Haus war ausverkauft und der Beifall war lebhaft“ (S. 40 [abrufbar])
  • 11.1880, Neustrelitz: VIERTE AUFFÜHRUNG, die zweite der neuen Saison; großer Publikumserfolg in der Gegenwart der Großherzogin, die „Feuer und Flamme“ für die Oper war (S. 117f.)
  • 11.1880, Neustrelitz: Beschreibung der Aufführung vom Vorabend in einem Brief von Helene Klughardt an ihren Mann (S. 117f.)
  • 4.1881, Leipzig: FÜNFTE AUFFÜHRUNG in Leipzig, blendender Erfolg (S. 12)
  • 6.1881, Berlin (?): Brief von Klughardt mit Hinweis auf den Iwein-Erfolg (S. 119)
  • 7.1881, Butschowitz: der Kapellmeister des Leipziger Stadttheaters Arthur Nikisch [Wikipedia] bedauert in einem Brief aus Butschowitz in Mähren [Wikipedia], dass sein Theater die Iwein-Aufführungen wegen Personalmangels so lange hat unterbrechen müssen, und ist zuversichtlich, dass die Oper bald wieder vorgenommen wird, da das Personal wieder komplett ist (S. 119f.)
  • 1883, Lübeck: SECHSTE AUFFÜHRUNG in Lübeck (S. 12); die Oper nach Gerlach „mit rauschendem Beifall aufgenommen“ (S. 41)
  • 1883, Posen: SIEBTE UND LETZTE AUFFÜHRUNG in Posen, Aufnahme nach Gerlach wie in Lübeck (S. 12)

Wenn diese Zusammenstellung vollständig ist, wurde die Oper zwischen 1879 und 1883 siebenmal mit großem Erfolg aufgeführt und dann schnell vergessen. Der kurze Erfolg war so groß, dass eine Parodie entstand. Die Oper ist Opus 35 in Klughardts Gesamtwerk, das 91 Kompositionen zählt. In der Hartmann-Literatur findet sie nur ganz selten Erwähnung (Mertens 1998, S. 346 [GVK]). Als wilhelminisches Rezeptionszeugnis ist sie wertvoll und verdient durchaus Aufmerksamkeit, obwohl eine Neuaufführung heute kaum in Frage kommt.

Felicitas Hoppe: Iwein Löwenritter (2008)

2008 veröffentlichte Felicitas Hoppe eine erfolgreiche Iwein-Bearbeitung, die ihr Erzähler im ersten Satz als „Geschichte“ definiert:

  • Kennt ihr die Geschichte von Iwein, der eines Tages aus lauter Langeweile auszog, um Abenteuer zu suchen und sein Herz dabei gegen ein anderes tauschte und deshalb seinen Verstand verlor? (S. 9)

Wir erfahren erst zum Schluss, dass diese Geschichte in Wirklichkeit von dem Löwen erzählt wird (S. 250). Angeredet werden formal die vier Neffen der Autorin, denen sie ihr Buch widmet: „Meinen vier furchtlosen Neffen“ (S. 5). Die Geschichte gliedert sich in zwei Teile mit je 30 Kapiteln. Hoffentlich gibt folgende Zusammenfassung potentiellen Lesern die Lust, das Original zu entdecken:

Teil 1: Iwein

  • Kap. 1 (Im Immerwald, S. 9–14): Der Ich-Erzähler kündigt „die Geschichte von Iwein“ an, die „mindestens tausend Jahre“ alt ist, und nimmt vorweg, dass alles „ein gutes Ende nahm“. Er berichtet zunächst, wie ein Ritter im Immerwald einen Drachen mit einem Immerschwert erschlug, als das Ungeheuer im Begriff war, einen Löwen, den König der Tiere, zu töten. Illustration (S. 13 [abrufbar]): Der Ritter hebt vor einem grünen Drachen sein Schwert, während der Löwe ohnmächtig am Boden liegt.
  • Kap. 2 (Am Hof von vor tausend Jahren, S. 15–18): Im Land von vor tausend Jahren herrschen strenge Regeln. Die Ritter des Königs Artus essen am runden Tisch, machen Turniere und spielen Schach, und die Damen lassen sie immer aus Höflichkeit gewinnen. Der König hört gerne Geschichten.
  • Kap. 3 (Der Aufbruch, S. 19–23): An einem Sonntag vor Ostern sind die Ritter am runden Tisch versammelt. Neben dem König sitzt Gawein, Iweins bester Freund. Unter dem Tisch schläft der Oberhofmeister Keie. Er flüstert mit seiner scharfen Zunge Iwein ein Geheimnis zu: im Land Nebenan gebe es richtige Abenteuer und richtige Frauen. Am Ende der Nacht bricht Iwein heimlich auf.
  • Kap. 4 (Das Land Nebenan, S. 24–26): Iwein erreicht am nächsten Tag ein Dickicht voller wilder Tiere im Immerwald im Land Nebenan.
  • Kap. 5 (Der Mann in Gestalt eines Ungeheuers, S. 27–31): Ein wilder Mann mit einer Keule hütet die Tiere. Iwein erklärt ihm, dass er Abenteuer und Ehre sucht. Der wilde Mann erzählt ihm von der Gewitterquelle drei kurze Meilen entfernt.
  • Kap. 6 (Die Gewitterquelle, S. 32–34): Kaum hat Iwein den Stein des Brunnens begossen, bricht ein Gewitter aus. Nach dem Sturm singen die Vögel wieder.
  • Kap. 7 (Der Burgherr vom Land Nebenan, S. 35–39): Die Gewitterquelle gehört dem Burgherrn vom Land Nebenan. Er erscheint und stürmt rasend auf Iwein zu. Iwein versetzt ihm einen tödlichen Schlag und verfolgt ihm in die Burg. Da saust ein Fallgitter herunter und spaltet Iweins Pferd.
  • Kap. 8 (Lunete, S. 40–43): Iwein sucht vergeblich einen Fluchtweg. Da erscheint eine junge Frau Lunete. Sie erinnert ihn daran, dass er sie vor ein paar Jahren am Artushof als Einziger freundlich behandelte, nachdem sie gegen die Regeln Gawein im Schach besiegt hatte.
  • Kap. 9 (Der Ring, der unsichtbar macht, S. 44–46): Lunete gibt Iwein einen Ring, der unsichtbar macht. Die Burgbewohner, die ihren erschlagenen Herrn rächen wollen, können den Mörder nicht sehen.
  • Kap. 10 (Laudine, S. 47–50): Iwein verliebt sich in die trauernde Witwe, die hinter der Bahre ihres Mannes her geht. Als er beinahe zu ihr hinübergelaufen wäre, beginnen die Wunden des Toten wieder zu bluten.
  • Kap. 11 (Kopf und Herz, S. 51–54): Lunete möchte Iwein einen Fluchtweg zeigen, aber er will nicht mehr fliehen und gesteht ihr seine Liebe zu Laudine.
  • Kap. 12 (Der beste Ritter von allen, S. 55–58): Nach langer Trauer hört Laudine auf zu weinen. Lunete empfiehlt ihr den Besten der Besten zu nehmen.
  • Kap. 13 (Lunete überzeugt Laudine, S. 59–62): Lunete, einer unbesiegbaren Schachspielerin, gelingt es mit Geduld, den Widerstand ihrer Herrin zu überwinden. Laudine akzeptiert den Besten der Besten zu sprechen.
  • Kap. 14 (Iwein und Laudine, S. 63–66): Iwein gesteht Laudine die Tötung ihres Mannes und erklärt ihr seine Liebe. Sie gibt ihm ihre Hand und ihr Herz.
  • Kap. 15 (Der Herzenstausch, S. 67–70): Ein Priester heiratet Iwein und Laudine. Sie ziehen sich in ein Zimmer zurück, küssen einander und tauschen Herzen.
  • Kap. 16 (König Artus plant einen Ausflug, S. 71–73): Artus plant eine Jagd ins Land Nebenan, um Iwein zu suchen.
  • Kap. 17 (König Neugier erlebt ein Abenteuer, S. 74–78): Artus bricht mit Gawein und Keie auf, trifft auf den wilden Mann mit der Keule und begießt den Stein der Gewitterquelle. Illustration (S. 77): Artus steht neben dem Brunnen, während es blitzt und stürmt; ein Pferd und ein Ritter sind im Vordergrund umgestürzt.
  • Kap. 18 (Der neue Burgherr, S. 79–81): Iwein erscheint und hebt Keie aus dem Sattel. Danach lädt er seine drei Freunde auf die Burg ein.
  • Kap. 19 (Schach dem Herzen, S. 82–85): Beim Festmahl erzählt Artus Geschichten, und Laudine freut sich. Lunete lädt Gawein zu einem Schachspiel ein und gewinnt gegen ihren Willen wieder.
  • Kap. 20 (Im Garten, S. 86–89): Gawein rät Iwein, sich nicht zu verliegen, und gewinnt ein heimliches Spiel gegen Lunete.
  • Kap. 21 (Abschied und Urlaub, S. 90–94): Am Morgen bittet Iwein Laudine um Urlaub für ein Jahr. Sie erfüllt die Bitte und gibt ihm einen Goldring mit einem roten Stein. Er zieht mit Artus, Keie und Gawein.
  • Kap. 22 (Blaue Bänder, S. 95–97): Ein Jahr lang gewinnt Iwein Turniere und blaue Bänder mit Gawein und vergisst die Zeit.
  • Kap. 23 (Der rote Sonntag nach Ostern, S. 98–100): Bei einem Turnier am roten Sonntag nach Ostern, an dem auch der übrige Artushof teilnimmt, erinnert der Stein im Goldring Iwein an den Termin. Er sieht ein, dass er die Frist versäumt hat.
  • Kap. 24 (Der Fluch, S. 101–105): In Laudines Auftrag erscheint Lunete, wirft Iwein Treulosigkeit vor und zieht ihm den Ring vom Finger.
  • Kap. 25 (Iweins Wahnsinn, S. 106–108): Iwein verlässt den Hof, reißt alle Kleider vom Körper, vergisst, dass er ein Ritter war, und beginnt wie ein Tier zu leben.
  • Kap. 26 (Auf der Rodung, S. 109–112): Auf der Rodung sieht Iwein den Tierhüter wieder, weiß nicht mehr, wie er selbst heißt und was ein Abenteuer ist, und beginnt zusammen mit dem Tierhüter zu jagen.
  • Kap. 27 (Die Herrin mit den weißen Händen, S. 113–116): Eines Tages wird der nackte, nur mit Schlamm bedeckte Iwein im Schlaf von der Herrin mit den weißen Händen aus dem Land Tausendburgen entdeckt. Sie und ihre zwei Begleiterinnen erraten, wer der Schlafende ist.
  • Kap. 28 (Iweins Heilung, S. 117–119): Der Ich-Erzähler versichert, dass Iwein wieder gesund wurde, denn nach seiner Heilung rettete er dem Ich-Erzähler das Leben und erzählte ihm seine Geschichte. Aus ihrem Küchenschrank holt die Herrin mit den weißen Händen eine Salbe und bestreicht Iwein von Kopf bis Fuß damit und legt einen Sack mit Kleidern neben ihn.
  • Kap. 29 (Iwein wacht auf, S. 120–123): Iwein erwacht, erinnert sich an alles und zieht sich an. Die Herrin mit den weißen Händen bittet ihn darum, ihre weiße Burg gegen den Herrn mit den schwarzen Händen von der schwarzen Burg zu verteidigen.
  • Kap. 30 (Der Kampf gegen den Herrn mit den schwarzen Händen, S. 124–127): Auf der weißen Burg wäscht sich Iwein und bekommt eine weiße Rüstung und ein weißes Pferd. Er verlässt die weiße Burg und erschlägt den Herrn mit den schwarzen Händen an der Grenze vom Land Tausendburgen.

Teil 2: Der Löwenritter

  • Kap. 1 (Der Drachenkampf, S. 131–133): Iwein gewinnt den schon beschriebenen Drachenkampf und rettet den Löwen.
  • Kap. 2 (Die Rückkehr zum Brunnen, S. 134–137): Iwein kehrt mit dem Löwen zur Gewitterquelle zurück, fällt schockiert vom Pferd und verletzt sich mit dem Schwert. Vor Traurigkeit hätte der Löwe beinahe Selbstmord begangen. Da hören sie eine Stimme.
  • Kap. 3 (Die Stimme in der Kapelle, S. 138–142): Lunete ist in einer Kapelle eingesperrt, weil sie ihrer Herrin den falschen Mann empfohlen hat. Drei Hofmeisterbrüder wollen im Land Nebenan die Macht an sich reißen und Lunete am nächsten Tag hinrichten. Iwein verspricht ihr Hilfe.
  • Kap. 4 (Die dreizehnte Burg, S. 143–146): Am Abend erreicht Iwein die dreizehnte Burg. Der Burgherr wird von dem Riesen Harpin bedrängt, der seine Tochter haben will. Iwein verspricht ihm Hilfe.
  • Kap. 5 (Der Kampf gegen den Riesen Harpin, S. 147–151): Am nächsten Morgen erscheint Harpin mit seinem Zwerg und den vier Söhnen des Burgherrn, die er gefangen hält. Der Zwerg schlägt sie mit einer Peitsche. Der Löwe rettet Iwein, der zum Schluss Harpin erschlägt. Illustration (S. 149): Der Riese steht mit einer Stange vor dem Zwerg und den gefesselten Söhnen des Burgherrn.
  • Kap. 6 (Iwein rettet Lunete, S. 152–156): Iwein eilt ins Land Nebenan zurück. Dort steht Lunete vor Gericht. Iwein bekommt wieder Hilfe vom Löwen und erschlägt die drei Hofmeisterbrüder.
  • Kap. 7 (Der Löwenritter und Laudine, S. 157–161): Nach dem Kampf stellt sich Iwein als der Ritter mit dem Löwen vor und verlässt wieder Laudine.
  • Kap. 8 (Iwein versorgt seinen König, S. 162–163): Iwein und der Löwe sind verletzt und ruhen sich aus.
  • Kap. 9 (Der letzte Gast, S. 164–166): Im Land Tausendburgen teilt der kranke Burgherr der tausendsten Burg alles gleich zwischen seinen beiden Töchtern, bevor ihn der Tod holt.
  • Kap. 10 (Der Streit der beiden Schwestern, S. 167–171): Die Schwestern streiten sich über die Erbschaft und suchen Hilfe am Artushof. Gawein verspricht der älteren Schwester Hilfe.
  • Kap. 11 (Die jüngere Schwester am Artushof, S. 172–174): Am Artushof wagt niemand für die jüngere Schwester gegen Gawein zu kämpfen. Sie hat nur eine Woche, um einen mutigen Ritter zu finden.
  • Kap. 12 (Die Suche, S. 175–179): Sie erreicht am vierten Tag die dreizehnte Burg. Der Burgherr empfiehlt ihr den Löwenritter. Am Brunnen mit der Linde findet sie Lunete, die gegen sich selbst Schach spielt. Sie erklärt der jüngeren Schwester den Weg zum Löwenritter.
  • Kap. 13 (Unterwegs mit dem Löwenritter, S. 180–183): Sie findet ihn, und er verspricht ihr Hilfe. Sie haben nur noch zwei Tage, um den Artushof zu erreichen.
  • Kap. 14 (Die Burg zum Schlimmen Abenteuer, S. 184–187): Sie suchen Nachtquartier in einer unheimlichen Burg und werden von einem Mann mit einer Peitsche in einen Saal geführt.
  • Kap. 15 (Die gefangenen Frauen, S. 188–191): Durch ein Fenster entdeckt Iwein gefangene Frauen, die in einem Saal nebenan Gewänder nähen.
  • Kap. 16 (Das Rasthaus der letzten Nacht, S. 192–196): Der Mann mit der Peitsche erklärt Iwein, dass er sich in der Burg zum Schlimmen Abenteuer befindet. Iwein verlangt den Burgherrn zu sehen.
  • Kap. 17 (Der doppelte Ritter, S. 197–199): Da erscheint der doppelte Ritter. Er hat zwei Gesichter und kämpft mit der Kraft der Verwirrung.
  • Kap. 18 (Der Kampf gegen den doppelten Ritter, S. 200–202): Iwein beginnt den Kampf allein, weil der Löwe vom Peitschenmann in den Burghof getrieben wird.
  • Kap. 19 (Der König der Tiere entscheidet den Kampf, S. 203–206): Es gelingt dem Löwen, zurückzukommen und Iwein wieder zu retten. Er zerreißt den doppelten Ritter, und Iwein befreit die Frauen. Illustration (S. 205): Während Iwein wehrlos am Boden liegt und der Peitschenmann in der Ecke zuschaut, reißt der Löwe den doppelten Ritter entzwei.
  • Kap. 20 (Die Rückkehr an den Hof von Artus, S. 207–210): Am nächsten Morgen erreichen Iwein und die jüngere Schwester den Artushof. Alle warten auf den Kampf.
  • Kap. 21 (Der Zweikampf, S. 211–216): Gawein in Grün und Iwein in Weiß kämpfen bis zum Sonnenuntergang. Da lädt Artus zum Essen und Trinken ein.
  • Kap. 22 (Das Wiedersehen, S. 217–221): Gawein und Iwein schieben ihr Visiere nach oben und erkennen einander. Sie legen beide ihre Köpfe in den Nacken des Löwen.
  • Kap. 23 (Frieden, S. 222–225): Am nächsten Morgen schließen die Schwestern Frieden und reiten davon.
  • Kap. 24 (Fest und Abschied, S. 226–228): Am Fest werden alle betrunken, aber Iwein denkt traurig an Laudine und verlässt nachts den Artushof.
  • Kap. 25 (Die Rückkehr, S. 229–232): Auf der Rodung sieht er den Tierhüter wieder und erlöst ihn vom Hüten. Da hören die Tiere auf zu kämpfen.
  • Kap. 26 (Am Brunnen, S. 233–235): Iwein begießt wieder den Stein und löst ein neues Gewitter aus.
  • Kap. 27 (Laudine reitet aus, S. 236–239): In der Burg spielt Lunete Schach gegen sich selbst. Laudine reitet allein aus, um ihren Brunnen gegen den Fremden zu verteidigen.
  • Kap. 28 (Der Wunsch, S. 240–244): Laudine gewährt dem Löwenritter einen Wunsch, wenn er seinen Namen verrät. Iwein wünscht, dass sie Herzen tauschen.
  • Kap. 29 (Wettstreit der Herzen, S. 245–247): Laudine errät, mit wem sie spricht, und Iwein gibt sich endlich zu erkennen.
  • Kap. 30 (Ein König nimmt Abschied, S. 248–250): In der Burg spielt Lunete Schach gegen sich selbst bis zum Sonnenaufgang, während ihr der Löwe die Füße wärmt. Zum Schluss kehrt der Löwe in den Immerwald zurück und verrät dem Leser seine wahre Identität.

Diese ausführliche Zusammenfassung macht deutlich, wie treu sich Hoppe an ihre Vorlage hält und wie tiefgreifend sie zugleich die Erzählung erneuert. Sie behält die meisten Personennamen fast unverändert: Artus, Gawein, Ginevra, Harpin, Iwein, Keie, Laudine und Lunete. Mit der Königin erlaubt sie sich ungefähr dieselbe Modernisierung wie Dorst (Ginovra), dessen Drama sie wohl kannte. Kalogreant fällt weg, und sein Bericht vom missglückten Brunnenabenteuer wird auf narrativer Ebene durch einige kurze Bemerkungen von Keie ersetzt. Die wichtigste Abweichung vom herkömmlichen Handlungsschema ist die Voranstellung des Drachenkampfs, mit dem die Geschichte beginnt. Gegen Ende wird der Knoten auch anders gelöst. Der Raum ist außerdem grundsätzlich verändert. Die neue Erzählwelt ist in den Immerwald, das Land Nebenan und das Land Tausendburgen aufgeteilt. Mit Beibehaltung der narrativen Grundstruktur verwandelt Hoppe den höfischen Roman in ein Märchen. Den Kindern des Digitalzeitalters erzählt sie mit dem Löwen als Sprachrohr fast dieselbe Geschichte wie Hartmann dem Adel der Stauferzeit.

Als Zugeständnis an das jüngere Publikum wurde die Geschichte mit fünf Zeichnungen von Michael Sowa [Wikipedia] illustriert. Er illustriert besonders Kinderbücher, ist aber auch für die Gemälde bekannt, die er eigens für den erfolgreichen Film Die fabelhafte Welt der Amélie (2001) schuf. Der Löwe ist dreimal gezeichnet, immer zusammen mit seinem Doppelgänger Iwein (Titelblatt, S. 13, 205). Natürlich wird auch der Brunnen dargestellt (S. 77), endlich der schreckliche Riese Harpin (S. 149). Für den Text wurden vier dramatische Kämpfe ausgewählt, für das Titelblatt eine friedliche Szene, wohl diejenige nach dem Drachenkampf (II,2). Sie wiederholt sich nach dem Sieg über die Hofmeisterbrüder (II,8). Auf dem Titelblatt liegt Iwein mit dem Nacken auf dem Löwen neben dem weißen Pferd. Hoppes Kinderbuch ist eine ikonographische Ausnahme. Wie auf einer anderen Seite dieses Portals zu lesen und sehen, hat der Stoff seit den mittelalterlichen Wandmalereien nur zu ganz wenigen Darstellungen im deutschsprachigen Raum angeregt, auch seit dem 19. Jahrhundert.

Die Autorin der Geschichte Felicitas Hoppe [Wikipedia] ist seit 1991 als Schriftstellerin tätig. Sie hat zahlreiche Romane und kürzere Erzählungen und Berichte veröffentlicht, insbesondere Jugend- und Kinderbücher. Für ihr Gesamtwerk ist sie mit rund 20 Literaturpreisen ausgezeichnet worden, 2012 mit dem Georg-Büchner-Preis, dem renommiertesten Literaturpreis im deutschen Sprachraum. Für Iwein Löwenritter erhielt sie 2010 den Rattenfänger-Literaturpreis ihrer Geburtsstadt Hameln. Er wird für Kinder- und Jugendbücher verliehen [Wikipedia].

Die Rezensenten des Buchs sind ausnahmslos begeistert, auch der anfangs skeptische Altgermanist Peter Wapnewski [Wikipedia]. Am Anfang seiner schon oft zitierten Rezension in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gibt er seine Irritation über die Widmung und den ungewohnten Ton zu. Er hätte kaum akzeptiert, das Buch zu rezensieren, wenn er vorher gewusst hätte, dass es sich um ein Kinderbuch handelt. Am Ende der Rezension drückt er nicht desto weniger tiefe Bewunderung aus (2008 [PDF]). Andere Rezensenten sind nicht weniger enthusiastisch (von Nahl 2008 [PDF]; Welle 2009 (zum Hörbuch) [abrufbar]). Die Autorin hat ihren Bestseller auch selbst in Interviews kommentiert (Jurk 2010 [abrufbar]).

Iwein Löwenritter erschien in der Reihe ‚Die Bücher mit dem blauen Band‘ und ist hier die einzige Bearbeitung einer mittelalterlichen Vorlage [book-info]. Seit dem Erstdruck ist das Buch fast jährlich in einer Neuauflage erschienen:

  • Hoppe 2008, Felicitas: Iwein Löwenritter. Nach einem Roman von Hartmann von Aue erzählt von F.H. Mit 4 Farbtafeln von Michael Sowa. Frankfurt/M. (= Die Bücher mit dem blauen Band) [GVK]; 22009 [GVK]; 2011 [WorldCat]; 2012 [WorldCat]; 2014 [WorldCat]; 2017 [GVK]; 22019 [Verlag mit Leseprobe S. 1–26 (abrufbar)]; 2020 [WorldCat]; als Hörbuch 2009 [WorldCat]

Es liegen schon Übersetzungen ins Portugiesische (Hatanaka/Dias Mundt 2014 [WorldCat]) und ins Spanische (Mohamad 2019 [WorldCat]) vor. Sonst hat die Iwein-Rezeption nur selten die Grenzen des deutschen Sprachraums überschritten. Die Forschung beschäftigt sich intensiv mit Iwein Löwenritter, zum Beispiel mit der Keie-Figur (Benz 2012, S. 137–157 [GVK]). Das Kapitel in Favaros Magisterarbeit ist durchaus lesenswert (2013, S. 141–159 [abrufbar]). 2012 wurde in Oxford eine Tagung zu Hoppe als Erzählerin veranstaltet. Mehrere Teilnehmer setzen sich im Tagungsband mit der Iwein-Bearbeitung auseinander (Ilger 2017, S. 18, 138, 160f., 165, 169, 175–177, 182–185, 190f., 196f., 200f., 207, 224, 231, 416 [PDF]). Eine Aufsatzsammlung zu Hoppes Gesamtwerk enthält einen Beitrag zur Zeit und Langeweile in Iwein Löwenritter (Spanke 2015, S. 99–114 [GVK]). Hoppes Iwein-Bearbeitung ist auch aus altgermanistischer Perspektive mit Hartmanns Roman konfrontiert worden (Kaminski 2014, S. 143–173. [RI OPAC]; Hamann/Plotke 2015, S. 17–24 [GVK]). Endlich hat Hoppes Text zu mehreren Hausarbeiten angeregt (Schellschmidt 2009 [bedingt abrufbar]; Hoeser 2014 [bedingt abrufbar]; Sebastian 2016 [bedingt abrufbar]).

Iwein-Namen bis zur Erfindung des Buchdrucks

Im Folgenden werden die mittelalterlichen Rezeptionszeugnisse mit Erwähnung von Iwein-Namen verzeichnet. Das Verzeichnis ist nach denselben Prinzipien wie für den Erec auf der entsprechenden Rezeptionsseite dieses Portals erstellt. Auch für den Iwein werden Belege für allgemeine Artusnamen und -orte nicht verzeichnet (Artus, Breziljan, Britanje, Dodines, Feimorgan, Gawein, Karidol, Keie, Meljacanz, Pliopleherin, Segremors, Utpandragon, Yders). Vier Iwein-Namen sind schon als Erec-Namen verzeichnet (Enite, Erec, Iders, Urien). Endlich kommen vier Propria vermutlich nur im Iwein vor (Aliers, Harpin, Millemargot, Narison). Von den knapp 30 Propria dieses Romans bleiben nur fünf Figuren mit namhafter Rezeption übrig: Ascalon, Iwein, Kalogreant, Laudine, Lunet. Sie kommen in 28 Texten vor: Daniel, Ehrenbrief, Flordimar, Frauendienst, Frauenlob, Friedrich von Schwaben, Füetrer-Verzeichnis, Garel, Gauriel, Iban, Der Jüngere Titurel, Johann von Michelsberg, Krone, Lannzilet, Die Mörin, Parzival, Persibein, Reinfried von Braunschweig, Renner, Spruch von den Tafelrundern, Tandareis, Tannhäusers viertes Lied, Tschionachtolander, Der Welsche Gast, Wigalois, Wigoleis, Wigoleis vom Rade, Winsbeckin. Hinzu kommt ein anonymer Hinweis auf den Iwein als Buch im Willehalm von Orlens. Die Abhängigkeit folgender Texte von Hartmanns Iwein ist nicht gesichert: Flordimar, Lannzilet, Persibein. Die Namensform Lawdania scheint jedoch durch den Iban aus Hartmann Iwein zu stammen. Es bleiben drei Texte mit Iwein-Namen übrig, die wahrscheinlich von Hartmann unabhängig sind: Lanzelot, Prosa-Lancelot, Rappoltsteiner Parzival. Einige Episoden haben in der Rezeption eine besondere Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Sie stammen alle aus dem Anfang des Romans:

  • Iwein 418–470, 980–982 (der wilde Mann): Gauriel 633–635
  • Iwein 739–744 (Kalogreant wird aus dem Sattel gehoben): Krone 24638–24643
  • Iwein 993–998 (Iweins löst ein Unwetter aus): Parzival 583.29–584.2
  • Iwein 1012–1093 (Iweins Sieg über Ascalon): Spruch von den Tafelnrundern 136–139
  • Iwein 1202–1211 (Lunet rettet Iwein): Frauenlob 1.14.9.5f., Krone 1344–1347, Die Mörin 3493–3497, Wigalois 6395–6397
  • Iwein 1788–2369 (Iweins Versöhnung mit Laudine): Spruch von den Tafelnrundern 136–139
  • Iwein 1917–1938 (Lunets Rat): Parzival 253.10–14, 436.5–10
  • Iwein 3201–3215 (Iwein verliert den Verstand): Krone 11565f.

Unter den fünf rezipierten Iwein-Namen bietet derjenige des Titelhelden die größten Schwierigkeiten, da er wie in der französischen Vorlage zahlreiche Namensvetter hat [Wikipedia]. Die Form Iwanet o.ä. wird im Verzeichnis nicht berücksichtigt:

Ascalôn, Iweins Gegner → MHDBDB (9, zusammen mit 88 irrelevanten Belegen)

  • Yvain (1): 1970 (Esclados)
  • Iwein (1): 2274
  • Iwein-Rezeption (19)
    • Iban (10): 4112.0, 4120.0, 4142.5, 4143.0, 4143.0, 4148.6, 4156.7, 4198.0, 4243.7, 4379.1 (nur Aschalun, Aschalune, hier Ortsname, Laudines Land)
    • Der Jüngere Titurel (8): 1644.4, 1782.2, 1976.1, 2070.1, 2071.1, 2185.1, 2187.3, 2189.1 (nur Ascalone, Ascalun, Ascalune, Ascolon, Ascolone, zugleich Laudines Land und ihr erster Ehemann)
    • Spruch von den Tafelrundern (1): 137 (Aschalun, hier Ortsname)

Îwein, Titelheld → MHDBDB (705, zusammen mit 186 irrelevanten Belegen)

  • Érec (3): 1685, 1686, 2174 (nur Yvains, li Preuz, li Avoutre)
  • Lancelot (1): 1866 (Yvains)
  • Yvain (150): 56, 579, 599, 629, 676, …, 6719, 6746, 6765, 6787, 6800 (nur Iveins, Yvain, Yvains)
  • Perceval (3): 2882, 7900, 7905 (nur Yvain, Yveins, Avoutre)
  • Erec (1): 1641
  • Iwein (106): 88, 803, 825, 855, 908, …, 7781, 7974, 8074, 8097, 8122 (auch Iweinen, Iweins, Ywein)
  • Iwein-Rezeption (185)
    • Daniel (7): 255, 281, 310, 2854, 3532, 5089, 6962
    • Ehrenbrief (1): 101.7 (Ibein)
    • Frauendienst (6): 1436.8, 1437.6, 1520.2, 1529.1, 1543.8, 1558.6 (nur Yban, Ywan, von Landesere)
    • Frauenlob (3): 1.7.27.6 (Spruch 248.6), 1.14.9.5 (Lied II.4.5), 2.7.214.33 (Spruch 281.5) (auch Iwan, Iweins)
    • Friedrich von Schwaben (1): 4818
    • Füetrer-Verzeichnis (1): 205b.5 (Ybein)
    • Garel (9): 17656, 18892, 18996, 19271, 19366, 19696, 19899, 20046, 20165 (nur Yban, Ywan; 36 auch anonym der ritter mit dem lewen)
    • Gauriel (23): 634, 848, 858, 1296, 1420, …, 1893, 2094, 2434, 2678, 3857 (auch Iweins)
    • Iban (78): 0, 4143.0, 4145.5, 4149.1, 4153.7, 4156.1, 4157.2, 4157.6, 4158.1, 4160.2, 4173.0, 4191.2, 4196.4, 4198.0, 4198.0, 4200.4, 4202.3, 4204.5, 4206.4, 4211.5, 4215.5, 4218.0, 4220.2, 4224.4, 4231.6, 4235.3, 4236.0, 4237.5, 4238.7, 4240.5, 4241.3, 4249.1, 4250.5, 4252.2, 4254.2, 4255.0, 4255.3, 4257.2, 4258.4, 4265.7, 4267.1, 4269.2, 4269.6, 4271.2, 4272.0, 4274.6, 4275.1, 4279.5, 4299.3, 4304.1, 4307.2, 4309.6, 4313.0, 4314.6, 4321.1, 4322.1, 4324.1, 4329.3, 4352.0, 4353.6, 4361.6, 4363.6, 4364.2, 4365.1, 4368.0, 4369.5, 4374.1, 4377.1, 4378.6, 4379.1, 4381.4, 4383.1, 4384.5, 4384.6, 4388.6, 4389.0, 4401.5, 4403.2 (nur Iban, Yban)
    • Johann von Michelsberg (1): 17
    • Der Jüngere Titurel (3) 1645.2, 2015.3, 2153.1 (nur Ywein, Yweins)
    • Krone (11): 795, 1345, 1352, 1354, 2183, 11565, 13764, 23519, 23594, 24523, 25861 (nur Jwein, Ywein)
    • Mörin (1): 3494 (nur anonym dem ritter mit dem löwen)
    • Parzival (1): 583.29 (Iwan)
    • Reinfried von Braunschweig (2): 8931, 20162
    • Renner (2): 1222, 21642 (Iwan)
    • Spruch von den Tafelrundern (1): 136 (Iban)
    • Tandareis (18): 1682, 1975, 2325, 2542, 2799, …, 13867, 14971, 16355, 16851, 17407 (Iwan)
    • Tannhäuser (1): 4.7.4
    • Der Welsche Gast (3): 1654, 6962, 6969 (Iwain)
    • Wigalois (8): 9571, 9794, 10073, 10645, 10785, 11037, 11100, 11286 (6397 auch anonym des riters mit dem lewen)
    • Wigoleis (2): 3294.3, 3311.4 (Iban, Ibein)
    • Wigoleis vom Rade (2): 229.19, 232.35 (Jbein, Jbon)
  • Unabhängig von Hartmann (639)
    • Lannzilet (20): 496.1, 498.5, 499.1, 503.5, 508.4, 520.3, 605.6, 927.7, 932.6, 933.3, 933.7, 955.2 1013.0, 1021.1, 1043.5, 1107.5, 1107.7, 3360.1, 3398.1, 5018.7 (nur Iban, Iwan, Iyban, Yban)
    • Lanzelot (120): 28, 22.36, 23.7, 23.12, 23.19, 23.35, 23.36, 24.6, 24.12, 27.11, 34.13, 35.5, 47.8, 47.9, 47.18, 47.28, 49.33, 51.4, 54.14, 55.9, 55.25, 72.22, 72.24, 72.33, 73.6, 75.4, 90.35, 91.26, 92.24, 92.26, 92.30, 92.31, 93.2, 101.15, 102.27, 103.12, 103.23, 103.28, 103.29, 104.18, 104.23, 104.33, 104.38, 104.38, 105.2, 107.6, 107.13, 107.23, 108.33, 110.34, 111.1, 111.2, 111.12, 112.17, 113.21, 114.15, 115.8, 115.17, 180.9, 180.10, 180.11, 180.17, 180.19, 180.24, 180.29, 180.37, 181.3, 181.11, 181.13, 181.21, 181.25, 181.27, 181.35, 182.22, 182.23, 182.24, 182.26, 182.38, 184.5, 184.23, 184.27, 184.33, 185.2, 197.12, 201.33, 203.1, 203.3, 203.9, 203.21, 213.25, 215.23, 220.26, 230.32, 238.2, 238.7, 244.15, 246.23, 246.27, 249.10, 249.13, 250.8, 251.36, 252.1, 252.5, 252.11, 252.15, 252.17, 252.21, 252.24, 252.25, 252.26, 253.11, 253.13, 274.3, 274.5, 281.32, 282.19, 300.37, 301.1, 301.4 (Iban, Ibans, Yban, Ybane, Ybanen)
    • Prosa-Lancelot (443): 1.126.7, 1.128.19, 1.129.23, 1.131.13, 1.131.15, …, 1.594.23, 1.595.5, 1.595.13, 1.595.16, 1.597.3, 2.24.30, 2.318.15, 2.318.18, 2.319.2, 2.319.12, …, 2.766.6, 2.766.16, 2.766.19, 2.767.2, 2.786.5, 3.17.13, 3.65.7, 3.66.13, 3.67.13, 3.508.15, …, 3.755.7, 3.755.14, 3.756.1, 3.756.5, 3.756.14 (Ywan, Ywann, Ywans, Ywein, der Groß)
    • Rappoltsteiner Parzival (56): 17, 22.22, 26.11, 27.6, 27.20, 27.30, 28.20, 49.12, 76.17, 81.8, 97.33, 97.41, 101.8, 101.25, 103.21, 112.22, 112.38, 120.5, 156.19, 168.2, 168.5, 174.29, 174.43, 179.13, 233.26, 233.35, 239.35, 239.42, 240.4, 240.6, 240.10, 241.40, 249.34, 249.40, 252.4, 286.12, 286.20, 305.33, 348.9, 391.16, 478.36, 479.19, 509.31, 510.11, 512.18, 525.17, 527.10, 528.19, 528.28, 529.14, 539.31, 590.39, 627.16, 655.17, 711.42, 793.39 (Iven, Iwen, Yven, Ywan, Ywans, Ywein, Ywen, Ywin, Ywon, Ywone, Ywons)
  • Gleichnamige Figuren (38)
    • Dietrichs Flucht (2): 404, 1516 (Iwan, herzog von Tuscan)
    • Erec (2): 1643, 1645 (Iwan, von Lonel, von Lafultere; zwei verschiedene Figuren)
    • Krone (1): 2301 (Ywein, von Cababvz)
    • Lanzelet (7): 2936, 6075, 8155, 8182, 8221, 8233, 8331 (Iwan, de Nonel, Peneloi; zwei verschiedene Figuren)
    • Parzival (1): 234.12 (Iwan, von Nonel)
    • Prosa-Lancelot (20): 1.167.33, 1.174.1, 1.174.23, 1.255.32, 1.255.32, 1.255.33, 1.261.26, 1.268.31, 1.310.5, 2.441.17, 3.33.9, 3.35.5, 3.35.17, 3.38.17, 3.39.7, 3.39.10, 3.209.10, 3.209.16, 3.210.5, 3.210.6 (Ywains. Ywan, Ywans; Lambre, Liavoltres; der ander; Lidarins; mit den wißen henden; von Leonel; drei verschiedene Figuren)
    • Rappoltsteiner Parzival (4): 526.16, 526.18, 472.33, 472.34 (Ywan, Ywon; der andere; der dritte mit den henden wis; zwei verschiedene Figuren)
    • Willehalm (1): 424.24 (1 (Iwan, von Roems)

Kâlogrêant, Iweins Vetter → MHDBDB (61)

  • Yvain (7): 57, 67, 71, 106, 131, 656, 782 (nur Calogrenant, Calogrenanz, Qualogrenant, Qualogrenanz)
  • Iwein (12): 92, 105, 113, 189, 231, 242, 805, 891, 927, 972, 2456, 4683 (auch Calogreant Kalogreandes, Kalogranant)
  • Iwein-Rezeption (51)
    • Flordimar (1): 5327.4 (Kologranndes)
    • Frauendienst (1): 1416.5 (Kalocriant)
    • Gauriel (2): 634, 3861 (nur Kalokreant)
    • Iban (9): 4120.0, 4120.7, 4121.4, 4123.4, 4125.1, 4126.6, 4143.0, 4202.1, 4288.1 (nur Kalogrannd, Kologrand, Kologrande, Kologranden, Kologrannd, Kologrannde, Kologranndt)
    • Der Jüngere Titurel (3): 1782.2, 2403.1, 5069.3 (nur Kalocrianden, Kalogrianden Kalokrianden)
    • Krone (15): 2195, 22973, 23574, 24170, 24180, …, 27092, 27995, 29001, 29198, 29452 (nur Calocreant, Kalocreant)
    • Die Mörin (1): 3496 (Kalotriand)
    • Persibein (1): 4769.5 (Kologrannd)
    • Reinfried von Braunschweig (1): 20161 (Kalogriant)
    • Tandareis (14): 2207, 2231, 2243, 2255, 2409, …, 2766, 2850, 2872, 3244, 3249 (Kalogriant)
    • Tannhäuser (1): 4.9.5 (Galogriant)
    • Tschionachtolander (1): 1142.1 (Kologrande)
    • Der Welsche Gast (1): 1664 (Kalogriande)
  • Unabhängig von Hartmann (33)
    • Lannzilet (5): 1013.0, 1013.6, 1798.6, 5137.5, 5973.1 (nur Kologrand, Kologrannd, Kologriand)
    • Lanzelot (3): 308.34, 309.2, 309.3 (Kologrand)
    • Prosa-Lancelot (8): 2.409.4, 3.260.7, 3.261.1, 3.261.11, 3.261.12, 3.261.13, 3.261.18, 3.262.12 (nur Galogravant, Galogrevant, Galogriant)
    • Rappoltsteiner Parzival (17): 627.16, 806.13, 806.30, 806.41, 807.2, 807.8, 807.24, 807.29, 807.33, 808.3, 808.8, 808.23, 810.10, 810.13, 810.25, 810.40, 811.37, 812.4 (nur Kalogrians, Kolagrenans, Kolagrenanse)

Laudîne, Iweins Ehefrau→ MHDBDB (12) + MHDBDB (2, Laudulie)

  • Yvain (1): 2151 (Meyer 1999 [abrufbar]: AGHMPM: la dame, FR: Laudine, V: Laudune; Foerster 1887, v. 2151–2153 [abrufbar]: Laudine de Landuc, / la dame qui fu fille au duc / Laudunet; Kunstmann 2009, v. 2151–2153 [abrufbar]; la dame de Landuc / L’endemain, qui fu fille au duc / Laududez; die Überlieferung spricht stark dafür, dass diese Figur im Original anonym war)
  • Iwein (2): 2421, 2758
  • Iwein-Rezeption (20)
    • Iban (6): 4112.0, 4166.1, 4197.4, 4210.3, 4215.3, 4243.6 (nur Laudamey, Laudameye, Laudamya, Lawdamia, Lawdamy)
    • Der Jüngere Titurel (8): 1344.1, 1644.4, 1782.1, 1812.1, 1834.3, 1851.1, 2186.4, 5153.2 (auch Laudin, Laudinen, Laudulie)
    • Krone (4): 1329, 11566, 23812, 24641 (nur Laudein, Laudin)
    • Lannzilet (1): 5998.7 (Lawdamia)
    • Spruch von den Tafelrundern (1): 139 (Laudamei)

Lûnet, Dienerin von Iweins Ehefrau → MHDBDB (33)

  • Yvain (17): 2414, 2415, 4381, 4568, 4629, …, 6647, 6653, 6720, 6731, 6797 (nur Lunete)
  • Iwein (26): 2717, 2739, 3103, 3201, 4210, …, 8023, 8037, 8044, 8137, 8149 (auch Luneten; im Nominativ hat A konsequent eine e-Endung, B konsequent die Kurzform Lunet)
  • Iwein-Rezeption (38)
    • Frauenlob (1): 1.14.9.6 (Lied II.4.6)
    • Iban (28): 4, 4161.1, 4172.5, 4173.0, 4173.0, 4173.1, 4176.5, 4179.1, 4179.5, 4186.1, 4190.4, 4191.1, 4192.1, 4196.5, 4218.0, 4219.1, 4268.3, 4313.0, 4325.1, 4328.1, 4343.5, 4389.0, 4392.3, 4393.5, 4394.1, 4399.1, 4402.3, 4404.5 (auch Luneten)
    • Krone (1): 1346 (Lvnet)
    • Die Mörin (1): 3493
    • Parzival (3): 253.10, 436.5, 436.9 (nur Lunete, Luneten)
    • Spruch von den Tafelrundern (1): 138
    • Tannhäuser (1): 4.5.3
    • Wigalois (1): 6396
    • Winsbeckin (1): 11.7 (Lunete)

Iwein-Namen im Druck bis 1800

Die gedruckte Iwein-Rezeption setzt 1477 mit den Erstausgaben des Jüngeren Titurel und des Parzival ein. Als untere Grenze für das folgende Verzeichnis wurde das Jahr 1800 gewählt, weil die Rezeption sich danach stark beschleunigt. Die Belege von zehn der 28 oben verzeichneten Texte mit Iwein-Namen lagen vor 1800 im Druck vor, entweder in einer vollständigen Edition oder nur durch isolierte Zitate: Der Jüngere Titurel (1477, 1757), Parzival (1477, 1784), Wigoleis (1493, 1519, 1560, 1564, 1580, 1587, 1611, 1643, 1664; dänische Fassung: 1656, 1732, 1755, 1779, 1796), Mörin (1512, 1538, 1539, 1565), Tannhäusers viertes Lied (1604, 1759), Winsbeckin (1604, 1727, 1759, 1760), Ehrenbrief (1725), Iwein (1776, 1780, 1784, 1786, 1787), Willehalm von Orlens (1781, 1796), Iban (Michaeler 1786, Michaeler 1787). Hinzu kommt Halems Ritter Twein (1788, 1788, 1789). Der Vollständigkeit halber werden die handschriftlichen Belege auch verzeichnet, aber durch kursive Schrift und Einzug markiert. Einige davon erschienen schon vor 1800. Für den Zeitraum 1477–1800 sind insgesamt 44 gedruckte Belege der Iwein-Rezeption verzeichnet:

  • Mentelin 1477a, Johann (Hrsg.): Albrecht. Der Jüngere Titurel. Straßburg [GW M51786], Bl. 67ra, 81ra, 88rb, 89va, 90rb, 91rb, 97rb, 99rb, 101vb, 105vb, 107vb, 117vb, 245vb [abrufbar] → acht Hinweise auf Askalon als Laudines Land oder Ehemann (Astalon, Astalone, Astolon, Astolone); drei Hinweise auf Iwein (Iwein, Ywein); drei Hinweise auf Kalogreant (Calochrianden, Calokrianden, Kalochriande); sieben Hinweise auf Laudine (Landilie, Landin, Landine, Landinen, Laudin, Laudine); Ed. Wolf/Nyholm 1955/1992 [GVK]: Askalon, v. 1644.4, 1782.2, 1976.1, 2070.1, 2071.1, 2185.1, 2187.3, 2189.1; Iwein, v. 1645.2, 2015.3, 2153.1; Kalogreant, v. 1782.2, 2403.1, 5069.3; Laudine, v. 1344.1, 1644.4, 1782.1, 1812.1, 1834.3, 1851.1, 2186.4 (Bl. 249vb: Hinweis fehlt für v. 5153.2)
  • Mentelin 1477b, Johann (Hrsg.): Wolfram von Eschenbach. Parzival. Straßburg [GW M51783], Bl. 50ra, 85rb, 144ra [abrufbar] → drei Hinweise auf Lunet (Lunet, Luneten, Lunten), ein Hinweis auf Iwein (Ywan); Ed. Lachmann 51891 [Transkription], v. 253.10, 436,5, 436.9, 583.29; wieder in: Myller 1784
  • Schönsperger 1493, Johann (Hrsg.): Vliguleys vom Rade. Augspurg [GW12842], Bl. d 5rb, 7rb [abrufbar] → Iwein als auftretende Figur, zwei Erwähnungen (Jbon, Jbein); wieder in: Knoblauch 1519, Han 1560, Rabe/Han 1564, Manger 1580, Feyerabendt 1587, Dose/Schneider 1611, Endter 1643, Endter 1664; dänische Fassung: Viegoleis 1656, Viegoleis 1732, Viegoleis 1755, Møller 1779, Viegoleis 1796
    • 1504–1516: Abschrift des Iwein durch Hans Ried im ‚Ambraser Heldenbuch‘ (Sigle d), 18 Blätter ( 5vc–22rc) [abrufbar]
  • Adelphus 1512, Johann (Hrsg.): Die Mörin. Ein schon kürtzweilig lesen welches durch weiland Herr herman von Sachßenheim Ritter Eins obentürlichen handels halb, so im in seiner iugend begegnet, lieplich gedicht vnd hernach, die Mörin genempt ist […]. Straßburg [VD16 H 2448], Bl. 33ra [abrufbar] → ein Hinweis auf Lunet (Lanet), ein Hinweis auf Kalogreant (Kalotriand), Ed. Martin 1878, S. 154 (v. 3493–3496) [abrufbar]; wieder in: Wagner 1538, Wagner 1539, Han 1565
  • Knoblauch 1519, Johann, der Ältere (Hrsg.): Ejn gar schone liepliche vnd kurtzweilige History Von dem Edelen herren Wigoleis vom Rade […]. Straßburg [VD16 ZV 6386], Bl. J 2v, K 2r [abrufbar (Bild 100 + 107)] → wie Schönsperger 1493
    • 1531: Nachtrag in B durch einen Unbekannten (Sigle e), 5 Blätter, 90–92, 92a, 131, 196 Verse [abrufbar]
  • Wagner 1538, Sebastian (Hrsg.): Die Mörin. Eyn Schöne Kurtzweilige vnd Liebliche Histori, welch durch weilandt Herr Herman von Sachsenheym Ritter eyns abentheurlichen handels halben, so jm in[n] seiner jugent begegnet, beschriben […]. Wormbs [VD16 H 2449], Bl. 27vb [abrufbar] → wie Adelphus 1512
  • Wagner 1539, Sebastian (Hrsg.): Mörin. Eyn Schöne Kurtzweilige vn[de] liebliche Histori, welch durch weiland Herr Herman von Sachsenheym Ritter eyns abentheurlichen handels halbe[n], so jm in[n] seiner jugent begegnet, beschriben […]. Wormbs [VD16 H 2450] → wie Adelphus 1512
    • 1541: Nachtrag in l von Wiguleus Hund, 100va, 18 Verse [abrufbar]
  • Han 1560, Weigand (Hrsg.): Herr Wigoleis vom Rade. Franckfurt am Mayn [o. J., vor 1563] [VD16 ZV 6380], Bl. J 6v, K 3v [abrufbar] → Schönsperger 1493
  • Rabe/Han 1564, Georg, Weigand, Erben (Hrsg.): Herr Wigoleis vom Rade. Franckfurt am Mayn [VD16 ZV 6387] → vermutlich Unikum im Vatikan, wie Schönsperger 1493
  • Han 1565, Weigand, Erben (Hrsg.): Ein kurtzweilige Geschicht, so etwann Herren Herman von Sachssenheim, Ritter, inn seiner jugent abenthewrlicher handlung halben begegnet, welche er nachmals beschriben, vnnd die Mörin genennt […]. Franckfort am Mayn [o.J., 1562/1570] [VD16 H 2451], Bl. M 4r [abrufbar] → wie Adelphus 1512
  • Manger 1580, Michael (Hrsg.): Herr Wigoleis vom Rade. Augspurg [GVK] → vermutlich Unikum in Krakau, wie Schönsperger 1493
  • Feyerabendt 1587, Johann (Hrsg.): Das Buch der Liebe. Franckfurt am Mayn [VD16 B 8959], Bl. 394va, 395va [abrufbar] → wie Schönsperger 1493
  • Goldast 1604, Melchior (Hrsg.): Paræneticorum veterum pars I. Lindau 1604 [VD17 23:232296V], S. 327 [abrufbar], 448 → S. 327: ein Hinweis auf Lunet (Lunet) in der Winsbeckin, v. 11.7; Ed. Haupt 1845, S. 36 [abrufbar]; S. 448: Hinweis auf Lunet in Tannhäusers Lyrik, v. 4.53. Ed. Steinmetz 2019, 23 [PDF], und im Wigalois, v. 6396; Winsbeckin wie Scherz 1727, Bodmer 1759, Sparre 1760; Tannhäusers Lyrik wie Bodmer 1759
  • Dose/Schneider 1611, Heinrich/Lorentz (Hrsg.): Ritterliche History Deß Hochberümbten unnd Thewren Ritters. Herrn Wigoleis vom Rade […]. Hamburg [GVK] → wie Schönsperger 1493
  • Endter 1643, Michael (Hrsg.): Ritterliche Histori, Deß Hochberümbten und thewren Ritters, Herrn Wiegoleis vom Rade […]. Nürnberg, Bl. K 5r, L 3r [abrufbar] → Jaon, Jbon; sonst wie Schönsperger 1493
  • Viegoleis 1656 (anonymer Herausgeber): Her Viegoleis med Guld Hiulet. [O.O.], 82, 88 [WorldCat] → Iwein auf auftretende Figur, zwei Erwähnungen (Jaon/ Valbon, Jabon), Ed. Nissen 1855, S. 58, 62 [abrufbar]; Paulli 1921, S. 104 [snipped view]; dänische Übersetzung nach Endter 1643; im zweiten Beleg wird Iwein mit Gawein (gewöhnlich Gabon) verwechselt; 1855 Verschmelzung der beiden Figuren schon im ersten Beleg durch Weglassung der Virgel (Joan Valbon, Valbon); sonst wie Schönsperger 1493
  • Endter 1664, Michael (Hrsg.): Ritterliche Thaten, des hochberühmten und dapfern Ritters, Herrn Wiegoleis vom Rade […]. Nürnberg [GVK] → wie Schönsperger 1493
  • Duellius 1725, Raymund (Hrsg.): Excerptorum genealogico-historicorum libri duo […]. Accedunt appendix […] Jac. Putrichii rythmi saec. XV De family Bojariae, quae ludis equestribus interfuerunt […]. Leipzig, S. 277 [abrufbar] → ein Hinweis auf den Iwein (Beym Brunnen Herr Ybein mit dem leben), Erstdruck des Ehrenbriefs, Ed. Behrend/Wolkan 1920, v. 101.7 [abrufbar]
  • Scherz 1727, Johann Georg (Hrsg.): Paraeneses antiquae Germanicae Tyrolis regis Scotorum ad filium Fridebrantum […]. Ulmae, S. 45 [abrufbar] → wie Goldast 1604
  • Viegoleis 1732 (anonymer Herausgeber): En smuck lystig Historie, om den berømmelige Ridder og Heldt Her Viegoleis med Guld-Hiulet. [Kopenhagen] [WorldCat] → wie Schönsperger 1493
  • Viegoleis 1755 (anonymer Herausgeber): En smuk lystig Historie, om den berømmelige Ridder og Heldt Hr. Viegoleis med Guld-Hiulet. [Kopenhagen] [WorldCat] → wie Schönsperger 1493
  • Bodmer 1757, Johann Jakob (Hrsg.): Chriemhilden Rache, und die Klage; zwey Heldengedichte Aus dem schvvæbischen Zeitpuncte. Zürich, S. xvi [abrufbar] → Hinweis auf den Iwein, vermutlich nach D (Tvvein), Zitat des Jüngeren Titurel, v. 5153.1–5; Erwähnung von Iwein (Tvvein) und Laudine (Laudine)
  • Bodmer 1759, Johann Jakob (Hrsg.): Sammlung von Minnesingern aus dem schwaebischen Zeitpuncte. CXL Dichter Enthaltend. Bd. 2. Zürich, S. 62a, 258b [abrufbar] → ein Hinweis auf Iwein (Yvvin), Kalogreant (Galogriant) und Lunet (Lunet) in Tannhäusers Lyrik, Ed. Steinmetz 2019, v. 4.5.3, 4.7.4, 4.9.5 [PDF]; für Lunet wie Goldast; ein Hinweis auf Lunet (Lunet) in der Winsbeckin, wie Goldast 1604
  • Sparre 1760, Franz Heinrich (für Renner, Kaspar Friedrich) (Hrsg.): Die Winsbeckinn, oder mütterlicher Unterricht glücklich zu lieben und zu heuraten. Aus den Zeiten der Minnesinger. [O.O], S. 6 [abrufbar] → Lunet; Winsbeckin mit deutscher Übersetzung; wie Goldast 1604
    • 1761: Abschrift von D in Florenz durch Leonhard Usteri, heute in: Zürich, Zentralbibliothek, C 79 c; Beschreibung: Gagliardi/Forrer 1982, 364f. [PDF]
    • 1761: undatierter Brief von Leonhard Usteri an Bodmer, 1 Blatt, Beschreibung des Iwein (Zürich, Zentralbibliothek, Ms Bodmer 005b.12 [Katalog])
    • 1761/1780: undatierte Beschreibung des Iwein durch Johann Jakob Bodmer, 3 Blätter (Zürich, Zentralbibliothek, Ms Bodmer 34a.66 [abrufbar]) 
  • Michaeler 1776, Karl Joseph: Tabulae parallelae antiquissimarum Teutonicae linguae dialectorum […]. Oeniponte, 2. Teil, S. 274–389 [abrufbar] → Teiledition des Iwein nach d (v. 1–2970); S. 274–290 : These: hinter Iwein (Ywainus) verstecke sich Heinrich der Löwe; der Name des Titelhelden von Owen bei Teck [Wikipedia] abgeleitet
    • 1777 (16.8): Brief von Wieland an Karl Michaeler über den Iwein, mit Vermutung einer französischen Vorlage, Teilabdruck in: Michaeler 1787, 26–29 [abrufbar]; vollständiger Abdruck in: Seiffert 1983 [GVK]
  • Møller 1779, H. P. (Hrsg.): En smuk lystig Historie om den berømmelige Ridder og Heldt Hr. Viegoleis med Guld-Hjulet. [Kopenhagen] [WorldCat] → wie Schönsperger 1493
  • Bodmer 1780, Johann Jakob (Hrsg.): Altenglische Balladen. Fabel von Laudine. Siegeslied der Franken. Zürich / Wintherthur, S. 181–189 [abrufbar] → Abdruck von 27 Versen nach der D-Abschrift von 1761 (Iwein, v. 21–30, 6574–6582, 8093–8096, 8160–8163), Nacherzählung des Romans
  • Casparson 1781, W[ilhelm] J[ohann] C[hristian] G[ustav] (Hrsg.): Wilhelm der Heilige von Oranse. Erster Theil, von Turlin oder Ulrich Turheim, einem Dichter des schwäbischen Zeitpuncts. Aus einer Handschrift hrsg. durch W.I.C.G.C. Kassel, S. xvii [abrufbar] → Hinweis auf den Iwein (anonymes Werk von dem loben); Abdruck des Willehalm von Orlens, v. 2178, nach der Handschrift c; Ed. Junk 1905, S. 37 [abrufbar]
  • Adelung 1782, Johann Christoph: Rezension zu Michaeler 1776. In: Magazin für die Deutsche Sprache 1/1, S. 103–118 hier S. 116f. [abrufbar] → Ablehnung der These, hinter Iwein (Ivein) verstecke sich Heinrich der Löwe, Hinweis auf Fassungen des Stoffs „im Französischen, Englischen und Isländischen“, der Iwein sei also vermutlich aus dem Französischen übersetzt
  • Plant 1782, Johannes Traugott: Chronologischer biographischer und kritischer Entwurf einer Geschichte der deutschen Dichtkunst und Dichter von den ältesten Zeiten bis aufs Jahr 1782. Erster Theil. Stettin [VD18 90395670], S. 105 [abrufbar] → Hinweis auf ein Ritterepos von Hartmann namens Twein und Landine [!], nach Bodmer 1780
  • Adelung 1784, Johann Christoph: Chronologisches Verzeichniß der Dichter und Gedichte aus dem Schwäbischen Zeitpuncte. In: Magazin für die Deutsche Sprache 2/3, S. 3–92, hier 10f. [abrufbar] → Hinweis auf den Iwein (Twein oder Ybein und Laudine) und drei Handschriften D, die D-Abschrift von 1761 und d; Identifikation des im Willehalm von Orlens genannten Dichters Olbere mit Hartmann, nach Michaeler 1776, Bodmer 1780, Casparson 1781
  • Müller 1784, Christoph Heinrich (Hrsg.): Parcival. Ein Ritter-Gedicht aus dem dreizehnten Iahrhundert von Wolfram von Eschilbach zum zweiten Male aus der Handschrift abgedruckt, weil der erste anno 1477 gemachte Abdruck so selten wie Manuscript ist. In: Sammlung deutscher Gedichte aus dem XII. XIII. und XIV. Jahrhundert. Bd. 1. Berlin [VD18 11205407], 4. Stück, S. 60c, 105c, 141a [abrufbar] → Iwan, Lunete, Luneten, Lunetten; sonst wie Mentelin 1477b
  • Müller 1784, Christoph Heinrich (Hrsg.): Twein. Ein Rittergedicht aus dem XIII. Iahrhundert von Hartman von Ouwe zum ersten Mal aus der Handschrift abgedrukt. In: Sammlung deutscher Gedichte aus dem XII. XIII. und XIV. Jahrhundert. Hrsg. von dems. Bd. 2. Berlin [VD18 11205407], 15. Stück, S. 1a–59c [abrufbar] → erste vollständige Iwein-Edition, Abdruck der D-Abschrift von 1761 ohne Kommentar
  • Michaeler 1786, Karl: Iwain. Ein Heldengedicht vom Ritter Hartmann, der nächst um die Zeiten K. Friedrichs des Rothbarts lebte, zur Seite nach heutiger Mundart erkläret mit Vorberichten, Anmerkungen, und einem Glossarium versehen. Bd. 1. Wien, S. 1–587 [abrufbar] → S. 3–81: „Vorbericht“ über den Iwein, mit Hinweis auf den Iban und Abdruck zahlreicher Auszüge (ab S. 9), Teilabdruck von Wielands Brief vom 16.8.1777 (S. 26–29); S. 82–587: Edition des ersten Teils des Iwein nach d mit Übersetzung; Hinweis auf Michaeler 1776, Adelung 1782
  • Michaeler 1787, Karl: Iwain. Ein Heldengedicht vom Ritter Hartmann, der nächst um die Zeiten K. Friedrichs des Rothbarts lebte, zur Seite nach heutiger Mundart erkläret mit Vorberichten, Anmerkungen, und einem Glossarium versehen. Bd. 2. Wien, S. 1–634 [abrufbar] → Edition des zweiten Teils des Iwein nach d mit Übersetzung
    • 1787 (1.3): Martin Ernst von Schlieffen hält am 1. März einen Vortrag über den Iwein, im Dezember anonym veröffentlicht (von Schlieffen 1787), mehrmals als Referent erkannt: Hamberger/Meusel 1805, XI, 671 [abrufbar]; Schmidt 1825, S. 1528 [abrufbar]; Beutin 1994, S. 79–92 [GVK]
  • von Schlieffen 1787, Martin Ernst (anonym): Von dem ritterlichen Heldensänger Hartmann von Owe, aus dem 12ten Jahrhundert. In: Deutsches Museum, II, S. 465–502 (Dezember) [abrufbar] → Abdruck des Vortrags vom 1.3.1787 über den Iwein (Twain), nach Müller 1784; S. 481–498: Zusammenfassung mit modernisierendem Abdruck von 81 Versen
    • 1787 (16.4): Heinrich Christian Boie reagiert in einem Brief an Gerhard Anton von Halem positiv auf dessen Absicht, den Iwein (Twein) umzudichten; Abdruck: Halem 1840, 57 [abrufbar]
    • 1788 (21.1): Heinrich Christian Boie reagiert in einem Brief an Gerhard Anton von Halem positiv auf das Manuskript mit dem Anfang von Ritter Twein; Abdruck: Halem 1840, 69 [abrufbar]
  • Halem 1788a, Gerhard Anton von: Ritter Twein. Erster Gesang. In: Deutsches Museum, I/3, S. 224–234 (März) [abrufbar] → Abdruck des ersten Gesangs von Ritter Twein; Hinweis auf Müller 1784, von Schlieffen 1787
  • Halem 1788b, Gerhard Anton von: Ritter Twein. Zweiter Gesang. In: Deutsches Museum, II/7, S. 38–46 (Juli) [abrufbar] → Abdruck des zweiten Gesangs von Ritter Twein
  • Halem 1789, Gerhard Anton von: Poesie und Prose. Hamburg, S. 233–290 [abrufbar] → Veröffentlichung aller vier Gesänge von Ritter Twein, 1788 vollendet und Martin Ernst von Schlieffen gewidmet, Teil einer vermutlich schon Ende 1788 erschienenen Gedichtsammlung, Hinweis auf Müller 1784, von Schlieffen 1787
    • 1789 (31.1): Heinrich Christian Boie dankt in einem Brief Gerhard Anton von Halem für seine Gedichtsammlung mit Ritter Twein und findet weder die Form noch die letzten Gesänge besonders gut gelungen; Abdruck: Halem 1840, 77f. [abrufbar]
    • 1789 (26.12) Martin Ernst von Schlieffen reagiert in einem Brief an Gerhard Anton von Halem auf den Ritter Twein, ohne den Titel zu nennen; Abdruck: Halem 1840, 85f. [abrufbar]
  • Koch 1790, Erduin Julius: Compendium der Deutschen Literatur-Geschichte von den ältesten Zeiten bis auf das Jahr 1781. Berlin, S. 27, 65f. [abrufbar] → Hinweis auf den Iwein (Ibain, Iwain, Twein); implizite Datierung des Romans zwischen 1180 und 1186; Hinweis auf D und die D-Abschrift von 1761; Hinweis auf Müller 1784, Michaeler 1786, Michaeler 1787
  • Koch 21795, Erduin Julius: Grundriss einer Geschichte der Sprache und Literatur der Deutschen von den ältesten Zeiten bis auf Lessings Tod. Bd. 1. Berlin, S. 34, 97 [abrufbar] → wie Koch 1790, jetzt auch mit Hinweis auf Michaeler 1776
  • Adelung 1796, Friedrich: Nachrichten von altdeutschen Gedichten, welche aus der Heidelbergischen Bibliothek in die Vatikanische gekommen sind. Nebst einem Verzeichnisse derselben und Auszügen. Königsberg, S. 61, 68f. [abrufbar] → Abdruck von Willehalm von Orlens, v. 2178, nach der Handschrift p2 ; Identifikation des im Willehalm von Orlens genannten Dichter des Texts „von dem leowen“ mit Hartmann; Hinweis auf Casparson 1781, Adelung 1784
  • Viegoleis 1796 (anonymer Herausgeber): En smuk lystig Historie, om den berømmelige Ridder og Heldt Hr. Viegoleis med Guld-Hiulet. [Kopenhagen] [WorldCat] → wie Schönsperger 1493
  • Adelung 1799, Friedrich: Altdeutsche Gedichte in Rom oder fortgesetzte Nachrichten von Heidelbergischen Handschriften in der Vatikanischen Bibliothek. Königsberg, S. 83–91, [abrufbar] → Abdruck von 100 Versen nach c (v. 1–46, 2971–2994, 8137–8166); Abdruck von zwei Zeilen von A (v. 39f., 8166); Hinweis auf Adelung 1784