Le donnei des amanz

Le donnei des amanz (‚Das Tändeln der Geliebten’) ist ein Gedicht mit einer Episode aus der Tristansage. Es besteht aus 1244 achtsilbigen Versen und ist in einer Handschrift unikal überliefert, die der Stiftung Martin Bodmer in Cologny bei Genf gehört. Das Gedicht erscheint heute als fünftes und letztes Stück der Handschrift, stand aber früher an zweiter Stelle und wurde erst beim Einbinden im 19. Jahrhundert an das Ende gerückt (vgl. Paris 1898, S. 498). Die Handschrift wurde am Ende des 13. Jahrhunderts in England angefertigt. Laut einem Eintrag erwarb Thomas Philipps die Handschrift von Robert Benson. Das geschah vor 1828, denn damals wurde die Handschrift zum ersten Mal in einem Druck zitiert und befand sich schon in Philipps‘ Besitz. Laut einer offenbar mündlichen Mitteilung von ihm selbst stammte sie ursprünglich aus der Benediktinerabtei Wilton (Madden 1828, S. liv). Als Gaston Paris 1898 den ersten vollständigen Abdruck von Le donnei des amanz veröffentlichte, gehörte die Handschrift zur privaten Philipps‘ Collection in Cheltenham unter der Signatur 3713. 1953 wurde sie vom Schweizer Büchersammler Martin Bodmer gekauft.

Le donnei des amanz ist unvollständig überliefert. Insbesondere fehlt das Ende. Als Incipit hat die Handschrift Le donnez des amanz, aber dieser Titel ist eine Fehlschreibung, denn donnez ist kein Nominativ von donnet (‚Traktat‘), sondern vom provenzalischen Verb domneiar (‚den Hof machen‘) abgeleitet. Die Form des Worts donnei wird durch den Text bestätigt. Der Autor zitiert den Titel zweimal, das letzte Mal in Reimstellung (vgl. Paris 1898, S. 523).

Das Gedicht wurde vermutlich gegen das Ende des 12. Jahrhunderts in England von einem Geistlichen verfasst. Als Quelle für die Tristanpassagen (V. 393, 403, 414–418, 453–662, 667–674) diente eine Vorlage, die mit Béroul’s Roman verwandt war, denn es wird auf die Verurteilung Isoldes zum Scheiterhaufen angespielt (V. 414–418). Diese Episode kommt nur bei Béroul und den übrigen Vertretern der sogenannten version commune vor, vor allem bei Eilhart. Für die übrigen Passagen hat der anonyme Kleriker mehrmals die Disciplina clericalis des Petrus Alfonsi benutzt. Er setzt sich selbst als Erzähler in Szene und berichtet, wie er zwei Liebende überrascht und ihr Gespräch aufgezeichnet hat. Das Gedicht hat einen didaktischen Charakter und enthält drei Geschichten, davon als zentrales Stück eine Erzählung von Tristan und Isolde (V. 453–662). Sie gehört zu den Wiederkehrepisoden, stimmt aber mit keiner anderen Fassung überein. Um seine Geliebte, die neben Marke schläft, zu einem nächtlichen Stelldichein einzuladen, schleicht Tristan in einen Garten mit Fichte und Quelle und nahmt den Gesang der Nachtigall nach.

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