Gottfried von Straßburg

Gottfrieds Auffassung der Liebe als gesetzmäßig immer engerem Bündnis:

„Si dunket schoener sît dan ê. / dâ von sô tûret minnen ê. / diuhte minne sît als ê, / sô zegienge schiere minnen ê.“ (‚Sie scheint später schöner als am Anfang. Deshalb ist Liebe so wertvoll. Wenn die Liebe später so wirkte wie an ihrem Beginn, würde das Gesetz der Liebe bald verfallen.‘) (Krohn 1980, v. 11871–11874)

Kurzbeschreibung

Überlieferung

Gottfrieds Tristan ist in 11 relativ vollständigen Handschriften und 22 Fragmenten aus 19 verschiedenen Handschriften überliefert. Eines davon (h) ist verschollen, aber durch einen Teilabdruck bekannt. Aus einer verlorenen Handschrift (*S) sind mehrere Verse durch Zitate in einem Wörterbuch (1781/1784) überliefert.

Im Vergleich zu vielen anderen zeitgenössischen Werken sind der Versbestand und der Wortlaut des Tristan auffällig homogen. Die vollständigsten Handschriften haben rund 19500 Verse (BHNPRSW), die vier lückenhaften erheblich weniger. E (ca. 18800 Verse) hat vier größere Lücken im zweiten Teil des Texts und am Ende. In F (ca. 19315 Verse) fehlen durch Blattverlust die ersten 102 Verse. M (ca. 15570 Verse) weist mehrere absichtliche Kürzungen auf. Der wichtigsten Streichung (v. 11599–13574) ist die Minnetrankszene zum Opfer gefallen. In O (ca. 19000 Verse) fehlen nicht nur 524 Verse am Anfang. Durch Unordnung in der Blattfolge ist auch eine Passage (v. 927–1050) an falsche Stelle eingerückt worden (nach v. 686). Als eindeutig bester Textzeuge gilt H mit 19498 echten Versen. Im Vergleich zu Friedrich Rankes maßgeblicher Ausgabe hat diese Abschrift folgende Lücken: v. 227, 239, 692, 926, 1537, 1772, 4073–4083, 5065, 5468, 5510, 6084, 9476, 11904, 12894, 13662, 13862, 14094, 14626, 15302, 15857–15871, 16823 f., 18364, 18406, 18436 f. W hat zwar fünf echte Verse mehr, ist aber im Wortlaut nicht so verlässlich wie H. Die Lücken sind folgende: v. 14 f., 1343 f., 1365 f., 2383 f., 2877–2886, 2909 f., 2939 f., 4120 f., 4550, 5071 f., 7629–7632, 10353 f., 12329 f., 15613–15622. Im Vergleich zu Rankes Ausgabe finden wir in sieben Handschriften (FNOPRSW) sechs Plusverse nach Vers 5266, in vier Handschriften (BFNP) zwei Plusverse zum Schluss nach Vers 19548. Die Handschriften verteilen sich in eine ältere X-Gruppe (HM) und eine jüngere Y-Gruppe (FNOPRSW). Eine Mischgruppe (BE) hängt direkt von M ab (vgl. Tomas Tomaseks Stammbaum). Die Lücken der Vorlage sind in dieser Mischgruppe durch eine verlorene Handschrift der Y-Gruppe ergänzt. Die drei ältesten Handschriften sind M (1225/1250), H (1275/1300) und W (1300/1310). Einige Fragmente sind vielleicht älter. Die Fragmente enthalten zwischen 20 und 1663 Verse und überliefern insgesamt knapp 5500 Verse. Dies bringt die Gesamtüberlieferung auf ca. 215000 Verse.

Länge und Inhalt der Fragmente

  • a: 320 Verse = v. 2349–2508, 3454–3613
  • b: 324 Verse = v. 13353–13552, 13833–13996
  • e1/e: 20 Verse = v. 5509–5828
  • f1/f: 656 Verse = v. 12120–12447, 15736–15899, 16558–16721
  • ff: 61 Verse = v. 13430–13441, 13448–13466, 13485–13502, 13542–13553
  • g: 136 Verse = v. 13599–15734
  • h: 325 Verse = v. 13258–13431, 13760–13920
  • l: 119 Verse = v. 8323–8323-8350, 8355–8383, 8387–8420, 8425–8452
  • m: 327 Verse = v. 10610–10772, 11429–11592
  • n: 620 Verse = v. 2342–2495, 2587–2609, 4333–4509, 4687–4794, 4836–4858, 5079–5183, 5224–5243
  • ö: 194 Verse = v. 16326–16519
  • p: 26 Verse = v. 18079–18091, 18201–18213
  • q1/q: 164 Verse = v. 199–204, 242–244, 277–283, 323–328, 540–545, 583–588, 624–631, 668–674, 711–717, 753–760, 802–810, 850–852, 896–900, 940–944, 984–988, 1028–1032, 18050 f., 18094–18125, 18139–18172
  • r: 16 Verse = v. 139, 169–173, 203–207, 239–243
  • s: 82 Verse = v. 9781–9821, 9903–9943
  • t: 296 Verse = v. 12559–12708, 12789–12934
  • v: 60 Verse = v. 9681–9740
  • w: 76 Verse = v. 2029–2104
  • z1/z: 1663 Verse = v. 2209–2484, 3037–3314, 3867–4142, 4696–4972, 14369–14924

Editionsgeschichte

Der Erstdruck wurde 1785 von Christoph Heinrich Myller nach einer Abschrift von F besorgt und enthielt deshalb nicht den Anfang. 1821 wählte Everhard von Groote H als Leithandschrift, ergänzte sie durch andere Textzeugen und kam so auf 19563 Verse. Wissenschaftlicher ist die dritte Ausgabe von Friedrich Heinrich von der Hagen. Er hielt 1823 wie alle späteren Herausgeber an H als Leithandschrift fest, strebte aber eine Rekonstruktion des Originals an und ließ die meisten Verse weg, die nur aus der weniger verlässlichen Y-Gruppe stammten. Er nahm jedoch die sechs Plusverse nach Vers 5266 und die zwei am Ende auf, ließ dabei zwei Ergänzungen am Ende des Prologs bei der Verszählung unberücksichtigt (v. 236 und 238, vgl. von der Hagen 1823) und kam dadurch auf 19554 Verse (vgl. von der Hagen 1823). 1843 übernahm Hans Ferdinand Maßmann die vorliegende Verszählung, verzichtete aber auf die beiden Schlussverse und reduzierte so den Text auf 19552 Verse (vgl. Maßmann 1843). Diesen Versbestand finden wir in allen folgenden Ausgaben bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, zuletzt 1906 in der bislang einzigen Ausgabe mit kritischem Apparat. Wir verdanken sie dem Königsberger Gymnasiallehrer Karl Marold. 1917 wurde diese Ausgabe von Friedrich Ranke in einem längeren Aufsatz scharf kritisiert (Ranke 1917). Der Rezensent war damals habilitiert und wirkte als Extraordinarius in Göttingen. 1930 veröffentlichte er selbst die heute noch maßgebliche Ausgabe ohne die geringste Spur von Apparat noch begleitende Erklärungen. Sie hatte 19548 Verse, denn Ranke zählte als Erster die beiden bislang ungezählten Verse des Prologs mit und ließ die sechs Plusverse nach Vers 5266 weg, vermutlich weil diese Passage nur in der Y-Gruppe überliefert ist. Eine kritische Neuausgabe ist seit 2011 durch Tomas Tomasek in Vorbereitung (vgl. seine Website).

Die beiden konkurrierenden Verszählungen

von der Hagen 1823 Ranke 1930
1–235 1–235
Ungezählt 236
236 237
Ungezählt 238
237–5264 239–5266
5265–5270 Weggelassen
5271–19552 5267–19548
19553–19554 Weggelassen
  • Wie von der Hagen: Maßmann 1843, Bechstein 1869, Golther 1888, Marold 1906, Ganz 1978
  • Wie Ranke: Weber 1967, Krohn 1980, Scholz 2011

Illustrationen

Drei Handschriften sind illustriert. B enthält neun einspaltige Federzeichnungen, davon sieben in Gottfrieds Tristan (Bl. 22a, 47a, 89a, 112b, 142b, 164b, 197b). R hat 91 meist ganzseitige Illustrationen, die als Kapiteleinleitung dienen, davon 80 in Gottfrieds Tristan (Vollanzeige: Bl. 9v, 18r, 26r, 31v, 34r, 39v, 48r, 51v, 64r, 70r, …, 474v, 477v, 482v, 493r, 510v). M ist die am reichsten illustrierte deutschsprachige Handschrift des 13. Jahrhunderts. Zwölf Blätter enthalten farbige Zeichnungen auf beiden Seiten, meist drei Szenen auf jeder Seite. Rund 73 nicht immer leicht voneinander zu trennende Szenen beziehen sich auf Gottfrieds Tristan (Bl. 7r–v= 4 Szenen, 10r–11v = 10 Szenen, 15r–v = 6 Szenen, 30r–v = 7 Szenen, 37r–v = 6 Szenen, 46r–v = 8 Szenen, 67r–v = 6 Szenen, 76r–v= 6 Szenen, 82r–v= 6 Szenen, 86r–v= 8 Szenen, 90r–v= 6 Szenen). Alle 170 Illustrationen sind im Internet abrufbar. Um 1410 wurde auf Schloss Runkelstein der berühmte Tristan-Zyklus gemalt. Die Gemälde könnten auf Gottfrieds Fassung zurückgehen, obwohl Namensformen wie „Tristram“ und „Isalde“ auf eine andere Vorlage hinweisen.

Aus dem Tristan-Zyklus, Schloss Runkelstein, um 1410 (Quelle: Wikipedia Commons)

Zum Verfasser

Der Tristan, den wir Gottfried von Straßburg zuschreiben, ist genauso anonym wie beispielsweise das Nibelungenlied. Dass diese Zuschreibung nie bezweifelt worden ist, hängt damit zusammen, dass alle vollständigen Handschriften bis auf W eine Fortsetzung enthalten. Beide Fortsetzer loben den Autor des ersten Teils unter demselben Namen. Insgesamt findet der Tristan-Dichter im Laufe des Mittelalters Erwähnung bei acht namhaften Nachfolgern in elf verschiedenen Werken. Sie sind sich alle über seinen Namen und seine Herkunft einig und geben ihm oft den ehrenhaften Titel „Meister“. Hinzu kommen die zwei anonymen Liederhandschriften A und C. In Letzterer finden wir das einzige bekannte Porträt des Dichters.

Gottfried-Porträt, Codex Manesse, um 1300, Bl. 364r (Quelle: Wikipedia Commons)

1963 entdeckte der französische Germanist Jean Fourquet, der seine Universitätskarriere in Gottfrieds Heimat begonnen hatte (1934–1955), ein neues Akrostichon: GOTE (v. 1, 1751, 5069, 12183). Er deutete es als den Anfang des Verfassernamens (Fourquet 1963 = dt.: 1973) und ist nie auf Widerspruch gestoßen. Weiterführend, aber unabhängig davon verband Heinz Klingenberg die Initialen T und I, die Tristan in Ölbaumspäne ritzt (v. 14421 ff.), mit der Tätigkeit des Dichters selbst und folgerte: „Eben dieser Situationskontext könnte zum Dichternamen Got-frit führen, das Kreuzzeichen als Sinnbild für Christus (= got) zum appellativisch verständlichen Namenvorderglied, zum appellativisch durchsichtigen Namenendglied der bekreuzte Ölzweig selbst, der symbolisch ‚Friede‘ (mhd. vrit) bedeuten kann“ (Klingenberg 1974, S. 160).

Die Benutzung des Ölbaums als Friedenssymbol belegen zahlreiche Texte: Vergils Georgica (II,425: lat. + dt.) und seine Aeneas (VIII,116 : lat. + dt.), Augustinusʼ De doctrina christiana (II,16: lat. + engl.), Otfrieds von Weißenburg Evangelienbuch (IV,3,20–24: ahd.) und Ulrichs von Zatzikhoven Lanzelet (v. 1380: mhd.). Es ist also vorstellbar, dass der Dichter den ersten Teil seines Namens im ersten Teil seines Werks als Akrostichon (‚Gote‘ oder nur ‚Got‘), den zweiten Teil des Namens im zweiten Teil des Werks als Ölbaummetapher (‚vrit‘ oder ‚frit‘) verschlüsselte. Unterstützung findet Klingenbergs Hypothese in der Handschrift O. Hier weist eine gezeichnete Hand auf die Bedeutung der Ölbauminitialen hin (Bl. 87vb).

Von Klingenberg übersehen wurde der Umstand, dass die Holzspäne mit dem T auf der einen Seite und dem I auf der anderen ganz so aussehen wie das erste Blatt in den verlässlichsten Handschriften, also vermutlich auch früher in Gottfrieds Original. Ausnahmen bilden fünf Manuskripte aus leicht erklärbaren Gründen. N ist die einzige Handschrift, in welcher der Tristan nicht oben auf einem neuen Blatt beginnt. Deshalb erscheinen die betroffenen Initialen auf zwei verschiedenen Blättern (D: Bl. 64rb, I: Bl. 65ra). Die Handschriften R und S haben nur eine Spalte. Deshalb werden die beiden Initialen durch mehr als eine Spalte voneinander getrennt. In R gibt es sogar drei Seiten dazwischen (T: Bl. 11r, I: 13r). In F und O fehlt der Anfang. Die übrigen sechs Handschriften (BEHMPW) haben alle zwei Spalten und rund 40 Verse in jeder Spalte. Deshalb erscheinen die beiden Initialen, die auf die Namen der Hauptfiguren hinweisen, auf der Vorder- und Rückenseite desselben Blatts, meist etwa in gleicher Höhe nebeneinander. Manchmal sind die Initialen graphisch reduziert und leicht entstellt, etwa als D für T. Vollanzeige: B (T: Bl. 1ra, I: 1vb), H (T: Bl. 1ra, I: 1vb), M (T: Bl. 1ra, I: 1vb). Zur Deutung des Verfassernamens als zweiteiliger Verschlüsselung vgl. Andersen 2013, S. 140–142.

Über Gottfried ist nichts bekannt. In zeitgenössischen Straßburger Urkunden ist der Name ‚Gotfridus‘ o. ä. mehrmals bezeugt (Fischer 1916, S. 35), aber nichts spricht für eine Identifikation dieser Namenbrüder mit dem Dichter. Als Elsässer kam unser Gottfried aus einer Gegend, die als staufische Hochburg gilt. Die einzige Stadt des Heiligen Römischen Reichs, die er ausdrücklich erwähnt, ist eine solche: Hagenau (v. 4779). Sie war seit der Vollendung eines prachtvollen Palasts auf einer Insel der Moder um 1180 die beliebteste Kaiserpfalz der Hohenstaufen und hatte annäherungsweise den Status als Hauptstadt erreicht. Nachdem der siebzehnjährige staufische Thronprätendent Friedrich im September 1212 den deutschen Boden seiner Väter zum ersten Mal betreten hatte, eilte er direkt durch das Rheintal, bog nach einer kurzen Einkehr in Straßburg links ab, steuerte durch das innere Elsass die Lieblingsburg seines Vaters und seines Großvaters an und nahm sie ohne erwähnenswerten Widerstand ein. In diesem Kontext kann Gottfried den Tristan vollendet haben.

Als obere Zeitgrenze kommt eine Ketzerverbrennung Ende 1211 in Frage. Der bis dahin stauferfeindliche Bischof von Straßburg Heinrich II. von Vehringen unterwarf damals 80 Männer und Frauen dem Gottesurteil des glühenden Eisens, und sie scheiterten, wie es die Marbacher Annalen berichten (lat. + dt.). Dafür wurde der Bischof vom Papst getadelt. Obwohl Isoldes geglücktes Gottesurteil quellenbedingt ist, kann ihr Erfolg als eine versteckte Verurteilung der Straßburger Hinrichtungen gelesen werden (v. 15730 f.). Eine untere Zeitgrenze liefert vielleicht Tristans Teilnahme an einem großen deutschen Krieg (v. 18443 ff.). Der 1198 durch die Doppelwahl von Otto IV. von Braunschweig und Philipp von Schwaben ausgelöste Bürgerkrieg kam erst durch die Schlacht bei Bouvines am 27. Juli 1214 zu Ende. Dort erlitt Kaiser Otto eine entscheidende Niederlage und überließ endgültig seinem jungen Rivalen die Macht. Am 15. Juli 1215 wurde Friedrich von Hohenstaufen in Aachen zum deutschen König gekrönt. Vor diesem Datum und wohl auch vor der Schlacht muss Gottfried seinen Text vollendet haben. Einiges spricht also dafür, dass Gottfried ein staufischer Parteigänger war. Seine Literaturschau bestätigt diese Vermutung.

Es ist unklar, ob er neben dem Tristan andere Texte verfasste. Die Liederhandschriften A und C schreiben ihm drei Lieder zu, aber sie gelten als unecht:

  • Diu zît ist wunneclich (Anfang): Minnelied in sechs zehnzeiligen Strophen. Überlieferung: A (Bl. 32r), C (Bl. 364va). Online-Ausgaben: von der Hagen 1838, Pfeiffer 1844 (A, Transkription), Krüger 2008 (Transkription)
  • Lobgesang auf Maria: Religiöses Lied in 94 vierzehnzeiligen Strophen (Anfang: „Du rôsen bluot, du lilien blat“). Überlieferung: B (Bl. 229r–238v, 36 Strophen, ohne Zuschreibung), C (Bl. 364va–367va, 63 Strophen), K (Bl. 120r–124v, 11 Strophen, ohne Zuschreibung). Online-Ausgaben: von der Hagen 1838 (C), Holder 1876 (K) → Handschriftencensus
  • Kint, und welle dich gelücke mîden (Anfang): Lied über die Armut in 13 vierzehnzeiligen Strophen. Überlieferung: C (Bl. 367va–368rb). Online-Ausgabe: von der Hagen 1838

Zwei Sprüche, die vielleicht eine Einheit bilden, gelten dagegen als Gottfrieds Werk. Sie sind in C zusammen unter Ulrich von Liechtensteins Namen überliefert. Der zweite Spruch handelt vom gläsernen Glück, und für ein Gedicht mit diesem Titel wird Gottfried von Rudolf von Ems gelobt (Alexander, v. 20621). Deshalb wird angenommen, dass beide Sprüche von der Feder des Elsässers stammen. Das Thema vom gläsernen Glück geht auf einen Spruch des römischen Dichters Publilius Syrus zurück: „Fortuna vitrea est: tum, cum splendet, frangitur“ (‚Das Glück ist gläsern, gerade wenn es strahlt, zerbricht es‘).

  • Liut und lant diu möchten genâden sîn (Anfang): eine zwölfzeilige Strophe. Überlieferung: C (Bl. 247ra). Online-Ausgaben: Lachmann 1875 (Transkription), Wersch (mit Übertragung)
  • Gelücke daz gât wunderlîchen an und abe (Anfang): eine zwölfzeilige Strophe über das gläserne Glück. Überlieferung: C (Bl. 247ra). Online-Ausgabe: Lachmann 1875(Transkription)

Mittelalterliche Belege für den Verfassernamen

  • Anonym, Tristan, 1210/1215: GOTE (Krohn 1980, v. 1, 1751, 5069, 12183: Akrostrichon) + VRIT (ebd., v. 14421–14431: Ölbaummetapher)
  • Rudolf von Ems, Willehalm von Orlens, 1235/1250: „Maister Goetfrides kunst / Von Strasburg“ (Junk 1906, v. 2185 f.)
  • Rudolf von Ems, Alexander, 1235/1250: „der wîse Gotfrit / von Strâzburc“ und „Der wîse meister Gotfrit“ (Junk 1906, v. 3153 f. und 20621)
  • Ulrich von Türheim, Tristan, um 1240: „meister Gotfrit“ (Maßmann 1843, v. 4)
  • Konrad von Würzburg, Herzmære, 1250/1260: „von Strâzburc meister Gotfrit“ (Schröder 1924, v. 9)
  • Konrad von Stoffeln, Gauriel von Muntabel, um 1270: „meister Gotfrit“ (Achnitz 1997, v. 29 = Hs. D, S. 1)
  • Anonym, Kleine Heidelberger Liederhandschrift, 1270/1280: „Gotfrit . von . Strasbvrg“ (Bl. 32r)
  • Konrad von Würzburg, Goldene Schmiede, 1277/1287: „von Strazburc meister Gotfrit“ (Schröder 1926, v. 97)
  • Heinrich von Freiberg, Tristan, um 1280: „meister Gotfrit / von Strâzburc“ und „meister Gotfrit“ (Bernt 1906, v. 15 f. und 3323)
  • Anonym, Große Heidelberger Liederhandschrift, um 1300: „Meis[ter] Götfrit von Strasburg“ (Bl. 364r)
  • Johann von Würzburg, Wilhelm von Österreich, 1314: „awe zarter meister clar / genender Strâzburger / Gotfrid“ (Regel 1906, v. 2062–2064)
  • Jakob Püterich von Reichertshausen, Ehrenbrief, um 1462: „von Straßburg Gotfridt“ (Behrend/Wolkan 1920, S. 26 = Bl. 20b: v. 101, 4)
  • Ulrich Füetrer, Von dem Templeysen, um 1480: „von Straspurg herr Göttfrid“ (Thoelen 1997, v. 17, 4 = Hs. A, Bl. 1rb)
  • Ulrich Füetrer, Lannzilet, um 1480: „Gotfrid von Straspurg“ (Lenk 1989, v. 108, 5 = Hs. A, Bl. 154va)

Das Buchstabenspiel

In Gottfrieds Tristan ist ein merkwürdiges Buchstabenspiel zu finden, das der Forschung mehr als 200 Jahre lang Kopfzerbrechen bereitet hat. Seine heute vielleicht abgeschlossene Entschlüsselung ist in vier Hauptphasen erfolgt. Die letzte Phase wird noch nicht vom entsprechenden Wikipedia-Eintrag berücksichtigt [Mediae-Wiki].

Phase I: das zusammenhängende, vollständige Akrostichon DIETERICH

1809 entdeckte Bernhard Joseph Docen, dass in Ruhepunkten des Texts vierzeilige Strophen mit demselben Reim erscheinen und dass die Initialen neun aufeinander folgender Strophen am Anfang ein Akrostichon bilden: DIEDERIKH in H (v. 5, 9, 13, 17, 21, 25, 29, 33, 37). Von Groote, der als Erster diese Entdeckung in Druck bekanntgab, konjizierte die Form DIETERICH im Original und sah sie als eine Huldigung an einen Gönner, ohne eine Identifikation vorzuschlagen (von Groote 1821, S. xi, 403). Die Entdeckung veranlasste diesen Tristan-Herausgeber dazu, die Strophen graphisch hervorzuheben (vgl. von Groote 1821, S. 3). In seiner Leithandschrift H sind die Initialen rot, aber ganz klein im Vergleich zum G im ersten Vers. Der Name ist in dieser Handschrift auf den ersten Blick erkennbar (Bl. 1ra–b). Die Gesamtüberlieferung legt nahe, dass Gottfrieds Original in den drei ersten Spalten 40, 45 bzw. 45 Verse hatte. Dann hätte der Name des mutmaßlichen Gönners genau die erste Spalte ausgefüllt, und die drei Großinitialen G, T und I hätten je eine Spalte eröffnet, das I direkt hinter dem G, sodass beide Buchstaben zu einem T-ähnlichen Zeichen zusammengeflossen wären.

Über den Gönner ist viel spekuliert worden. Als plausibel galt früher die Identifikation dieses Mannes mit einem von zwei Straßburger Burggrafen namens Dietrich. Sie waren Onkel und Neffe und sind im Zeitraum 1196–1233 belegt, der Onkel bis 1209, der Neffe ab 1210. Das G vor dem Gönnernamen wäre in diesem Fall als „Graf“ aufzulösen (Kurz 1870, S. 218 f.; Fischer 1916, S. 32–35). Andere Identifikationen kommen in Frage, auch weit weg vom Elsass. Eine originale These verdanken wir der amerikanischen Germanistin Kristine K. Sneeringer. Sie brachte Markgraf Dietrich den Bedrängten von Meißen ins Gespräch, in erster Linie weil er Schwiegersohn des berühmtesten zeitgenössischen Mäzens war, dem Landgrafen Hermann I. von Thüringen. Der Markgraf hatte 1197 dessen Tochter Jutta geheiratet. Da Sneeringer ihren Aufsatz „Toward a New Interpretation of Gottfried’s Acrostic“ in einer schwedischen Zeitschrift (Moderna Språk 98, 2004, S. 47–59) publizierte, ist er bislang nur wenig rezipiert worden.

Die Meißener These wird durch den Umstand unterstützt, dass Dietrich der Bedrängte nachweislich Literatur beförderte wie sein Schwiegervater. Sneeringer übersah, dass der Markgraf 1213 dem Thüringer Minnesänger Heinrich von Morungen eine Pension verlieh. Dietrich war ein treuer staufischer Parteigänger und kann im deutschen Bürgerkrieg Gottfried empfangen haben. Vielleicht hatte der Elsässer wie sein Held die Flucht ergriffen. Tristans Schlussworte könnten in verschlüsselter Weise die Situation des Dichters beschreiben: „Ich habe mich nun schon so lange überlassen so ungewissen Winden. Wie könnte man mich finden? Ich kann mir nicht vorstellen wie. Sucht man dort, bin ich hier. Sucht man hier, bin ich dort. Wie soll man mich finden und wo? Wo man mich findet? Wo ich bin.“ (Krohn 1980, v. 19512–19519). Ein Hinweis auf Norddeutschland ist womöglich im Akrostichon zu finden, so wie es in H überliefert ist. Die Form DIEDERIKH ist typisch niederdeutsch. M und W haben jedoch DIETERICH bzw. DIETESICH, was nach dem Süden weist. Endlich ist zu bemerken, dass Dietrich und seine Frau Jutta zumindest auf Latein dieselben Initialen hatten wie Tristan und Isolde, denn Dietrich tritt oft in den Urkunden als ‚Theodericus‘ auf: „Iutta […] primum Theoderico marchioni Misnensi […] nupserat“ (Pertz 1887, S. 242). Vgl. auch Bertuch 1612, S. 52.

Phase II: die umschlungenen, unvollständigen Akrosticha TRIS und ISOL

1925 entdeckte der niederländische Germanist Jan Hendrik Scholte die umschlungenen Doppelakrosticha TRIS und ISOL (Scholte 1925). Sie bestehen aus Initialen in vier getrennten Gruppen:

I T 41 I 45 I 131 T 135
II R 1791 S 1795 S 1865 R 1869
III I 5099 O 5103 O 5177 I 518I
IV S 12431 L 12435 L 12503 S 12507

In einem anschließenden Aufsatz ergänzte Scholte durch Konjektur die unvollständigen Akrosticha zu TRISTAN und ISOLDEN und deutete den Namen der Heldin als einen Akkusativ: „Noch drei initialengeschmückte Einsätze standen dem alternden Dichter zu Gebote, wenn er, wie wir annehmen dürfen, die Namen TRISTAN ISOLDE, wobei das Passive vermutlich durch den Akkusativ zum Ausdruck gebracht werden sollte, auch weiter in ihrer Verschlingung zum Schmuck des monumentalen Epos zu verwenden beabsichtigte“ (Scholte 1932, S. 31 f.). Der Niederländer übersah dabei, dass die Heldin im Akkusativ niemals so heißt, sondern nur ‚Îsôte‘ oder ‚Îsolde‘. Im Nominativ heißt sie ‚Îsôt‘ oder ‚Îsolt‘.

Ganz unabhängig von Scholte erwog Julius Schwietering im selben Jahr als Erster, ob Gottfried seine Dichtung hätte vollenden können: „Schwer vorzustellen, wie sich Gottfried […] mit der Ehe Tristans und Isolde Weißhands abzufinden gedachte“ (Schwietering 1932, S. 186). Diese These ist von verschiedenen Forschern verfolgt worden, neulich von Nicola Kaminski. Sie bezeichnet den Text als „konzeptionelles Fragment“ (Kaminski 2008, S. 4) und denkt also, dass der Dichter nie die Absicht hatte, den Schluss zu erzählen.

An Scholtes These hält die Forschung noch mehrheitlich fest. Sie wurde 1930 dadurch von Ranke berücksichtigt, dass er nicht nur die Initialen der 24 Vierreimstrophen hervorhob, sondern auch die ersten Buchstaben im jeweils folgenden Vers. Die sogenannten Anschlussverse werden nur in H graphisch markiert und dort niemals durch eine Großinitiale. Nach seinem Editionsprinzip hob Ranke 37 Anfangsbuchstaben durch zwei Zeilen hohe fette Initialen hervor: G 1, D 5, I 9, E 13, T 17, E 21, R 25, I 29, C 33, H 37, T 41, I 45, I 131, T 135, D 233, I 237, U 241, O 1751, D 1754, R 1791, S 1795, S 1865, R 1869, T 5069, A 5073, I 5099, O 5103, O 5177, I 518I, S 11871, E 11875, E 12183, S 12187, S 12431, L 12435, L 12503, S 12507. Mit diesem Corpus von Editionsinitialen operierte seither die Forschung.

Rankes von der Überlieferung unabhängiges Editionsprinzip

  • 2 Verse hohe Initiale = Vierreimstrophe (unten DI) oder Anschlussvers (unten U)
  • 1 Vers hohe Initiale = gewöhnlicher Absatzbeginn (unten E)
  • Zum Bild der Übelieferung vgl. B (3b), H (2va), M (2rb)

Ranke 1930, S. 3 f.

In einem dritten Aufsatz über Gottfrieds Buchstabenspiel ging Scholte von einem symmetrischen Aufbau des Gedichts aus und folgerte deshalb, dass die vierte Initiale in TRISTAN und ISOLDEN als Mitte des geplanten Werks gedacht war und dass der Abstand zwischen den Initialen am Ende so abnehmen sollte, wie er am Anfang wächst: ca. 1600 Verse zwischen T/I und R/S, ca. 3200 Verse zwischen R/S und I/O , ca. 7000 Verse zwischen I/O und S/L, ca. 7000 Verse zwischen S/L und T/D, ca. 3200 Verse zwischen T/D und A/E und ca. 1600 Verse zwischen A/E und N/N (vgl. Scholte 1941, S. 288).

1951 erkannte Friedrich Maurer die strukturierende Rolle der Initialen. Die überlieferten Initialen der unvollständigen Akrosticha gehören zu vier Gruppen mit je vier umschlungenen Initialen, und diese Gruppen bilden Passagen von weniger als 100 Versen, in denen die Handlung zur Ruhe kommt (Maurer 1951, S. 212 f.). Maurer entdeckte also, dass die Initialen nicht nur zu Akrosticha gehören, sondern auch den Anfang größerer Handlungseinheiten markieren. Die vier Hauptteile des vorliegenden Romans sind von der Forschung unterschiedlich benannt worden.

Phase III: das unvollständige Akrostichon GOTE

1963 entdeckte Jean Fourquet, dass die vier Gruppen je eine zusätzliche signifikante Initiale umfassen. Die vier Hauptteile beginnen nicht mit den Initialen der Hauptfiguren, sondern mit den Initialen des Dichters (siehe oben) und sind also umfangreicher sind als früher vermutet.

  • I: Bis zur Geburt
  • II: Bis zur Schwertleite
  • III: Bis zur ersten Liebesnacht
  • IV: Bis zum Gewissenskonflikt
I G 1 T 41 I 45 I 131 T 135
II O 1751 R 1791 S 1795 S 1865 R 1869
III T 5069 I 5099 O 5103 O 5177 I 518I
IV E 12183 S 12431 L 12435 L 12503 S 12507

Die Hauptteile beschreiben vier Abschnitte der Heldenbiographie, die in einem Wort zusammengefasst werden können: Zeugung (1750 Verse), Erziehung (3318 Verse), Kampf (7114 Verse) und Liebe (vorläufig 7366 Verse). Die Länge der Abschnitte wächst exponentiell. Hätte sich diese Entwicklung bis zum bitteren Ende so fortgesetzt, dann hätte das Werk einen unermesslichen Umfang erreicht. Scholte ging von sieben Initialen in jedem Namen aus. Mit exponentiellem Wachstum hätten die sieben Teile etwa folgende Anzahl von Versen gehabt: (1) 1750, (2) 3318 = ca. 2 x 1750, (3) 7114 = ca. 2 x 3318, (4) *14228 = 2 x 7114, (5) *28456 = 2 x 14228, (6) *56912 = 2 x 28456, (7) *113824 = 2 x 56912. Daraus ergibt sich eine theoretische Gesamtlänge von 225602 Versen. Dabei ist zu beobachten, dass die Entwicklung in Wirklichkeit noch schneller geht, denn die beiden ersten Faktoren sind nicht 2, sondern 1,90 und 2,15. Außerdem wäre das Verfasser-akrostichon mit sieben Hauptteilen nicht einmal vollendet. Dieses arithmetische Gedankenexperiment ist umso sinnloser, als Gottfried nach 19548 Versen schon vier Fünftel seines Stoffs erschöpft hat. Das ist an Eilharts Fassung erkennbar. Scholte erkannte das Problem: so „hätte das Buchstabenspiel […] auf diesem Wege ad absurdum geführt“ (1941, S. 288).

Der verhältnismäßige große Abstand zwischen den beiden ersten Initialen der vierten Gruppe störte Fourquet. Genau 244 Verse trennen die Vierzeiler mit dem E in GOTE (v. 12183–12186) und dem S in TRIS (v. 12431–12434). In diesem langen handlungslosen Abschnitt finden wir den berühmten Minne-Exkurs, der einen Höhepunkt des Romans bildet. Hält man an Scholtes pyramidaler These fest und traut man Gottfried genug arithmetische Hintergedanken zu, so lässt sich die geplante Gesamtlänge auf den Vers genau errechnen: 244 (Prolog) + 11942 (Anfang) + 244 (Minne-Exkurs) + 11942 (Schluss) + 244 (Epilog) = 24616 Verse. Zu diesem mathematisch schönen Ergebnis ist ein französischer Ingenieur einst gekommen (Gravigny 1971, S. 4). Dieser Umfang passt gut zu dem noch zur Verfügung stehenden Stoff. Falls die übereinstimmende Länge zwischen Prolog und Minne-Exkurs kein Zufall ist – und das wäre erstaunlich – ist es allerdings auch möglich, den Minne-Exkurs als einen neuen Prolog zu sehen.

Mit Fourquets Entdeckung hatte die Forschung eine befriedigende Erklärung für 29 von Rankes 37 Initialen gefunden (DIETERICH, TRIS, TRIS, ISOL, ISOL, GOTE). Unerklärt blieben noch drei Initialen am Ende des Prologs (D 233, I 237, U 241), drei Initialen in den Anschlussversen nach OTE (D 1755, A 5073, S 12187) und zwei Initialen in und nach einer speziellen Strophe mit einem einzigen phonetischen Reimwort (S 11871, E 11875)

Phase IV: das zusammenhängende Akrostichon DIUE

2013 unternahm Fourquets Straßburger Nachfolger eine erneute Überprüfung der Gesamtüberlieferung und konnte die bisherigen Befunde in vieler Hinsicht berichtigen. Auf Marolds unzulänglichem Apparat (1906), Rankes Edition (1930) und einer ungedruckten, manchmal fehlerhaften Bestandsaufnahme der graphischen Signale (Klein 1972) beruhte damals noch die wissenschaftliche Diskussion. Man hatte erkannt, dass Gottfried unterschiedliche strukturierende Mittel benutzte, denn sie finden sich in den meisten Handschriften wieder. Handlungseinheiten, die modernen Absätzen oder Kapiteln entsprechen, markierte der Dichter mit farbigen Initialen oder schwarzen Capitulum-Zeichen, d. h. ein C am Rand vor dem entsprechenden Vers. Beispielsweise hat H 208 farbige Initialen unterschiedlicher Größe und 268 Capitulum-Zeichen. Nur ganz wenige Initialen befinden sich an Ruhepunkten der Handlung in oder in der Nähe von Vierreimstrophen. Eine überwiegende Mehrheit der graphischen Signale hat also keine Signifikanz für das Buchstabenspiel.

Unter den signifikanten Signalen sind zwei Typen zu unterscheiden: Groß- und Kleininitialen. Die Großinitialen sind erheblich größer als die Hauptabsatzinitialen und haben sich zumindest teilweise in fast allen Handschriften erhalten. Der Unterschied zwischen diesen Typen von Initialen ist an ihrer Höhe erkennbar. In H sind nur zwölf Initialen mindestens drei Verse hoch. Daneben finden wir 183 nur zwei Zeilen hohe und dreizehn eine Zeile hohe Initialen. Die letzteren sind bis auf eine Ausnahme (D 55) in oder in der Nähe von Vierreimstrophen zu finden und gehören entweder zum besprochenen Akrostichon DIEDERIKH oder eröffnen einen Anschlussvers (I 45, D 135, A 5073). Keine andere Handschrift hat solche Kleininitialen. Sie sind entweder durch Minuskeln oder Majuskeln ersetzt worden oder mit Hauptabsatzinitialen verschmolzen.

H lässt jedoch das ursprüngliche System erkennen. Gottfried benutzte rund 180 Hauptabsatzinitialen und mehr als 200 Capitulum-Zeichen, um sein Textkontinuum in kleinere Einheiten zu gliedern. Er ging nur zu Groß- und Kleininitialen über, um sein Buchstabenspiel zu entwickeln. Am Anfang jedes Hauptteils verwandte er drei Großinitialen, um die Akrosticha GOTE, TRIS und ISOL zu signalisieren, dagegen Kleininitialen in dem Gönnerakrostichon und den Anschlussversen nach TRIS und ISOL. Diese Kleininitialen sind nur am Anfang von H in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Nach den ersten Blättern von H und in allen übrigen Handschriften ist dieses nicht leicht erkennbare Zeichen beim Abschreiben mit den übrigen graphischen Signalen verschmolzen oder völlig verschwunden.

Die erneute Bestandsaufnahme bestätigte in einem Punkt die vorige: eine zusätzliche Großinitiale ist nach dem Prolog in fünf wichtigen Handschriften belegt (BEHMW). Die Handlung beginnt mit einem großen E, obwohl dieser Buchstabe weder zu einer Vierreimstrophe noch zu einem Anschlussvers gehört (v. 245). Deshalb hatte Ranke das E nicht mit einer zwei Verse hohen Initiale markiert. Seine Nachfolger hielten meist entgegen der Überlieferung an diesem editorischen Prinzip fest. Umgekehrt beginnt eine besondere Vierreimstrophe in keiner Handschrift mit einer Großinitiale. Nur bei Ranke ist sie graphisch markiert, sowie der erste Buchstabe des Anschlussverses gemäß dem angewandten Editionsprinzip (S 11871 und D 11875). In den Handschriften hat der Anschlussvers eine gewöhnliche Hauptabsatzinitiale, die Vierreimstrophe eine unauffällige Minuskel, so zum Beispiel in H (Bl. 78rb).

Das Sonderbare an dieser Strophe ist, dass sie nur mit einem einzigen Reimwort operiert und dass dieses Reimwort der einzige Buchstabe des Alphabets mit semantischem Wert war, denn von Ausrufen wie mhd. ‚î‘ ou ‚ô‘ ist abzusehen. Das Wort ‚ê‘ war zugleich ein polysemantisches Femininum und ein Zeitadverb mit der Bedeutung ‚ehemals‘ (vgl. BMZ). Als Nomen bedeutete es erstens ‚lange Zeit oder Ewigkeit‘, zweitens ‚seit langen Zeiten geltendes Recht oder Gesetz‘, drittens ‚die Norm des Glaubens, die Schrift, insbesondere das Alte und das Neue Testament‘, viertens ‚das eheliche Bündnis oder die Ehe‘ (vgl. BMZ). In der Strophe wird das Wort in einem Kreuzreim benutzt, zweimal als Adverb, zweimal als Nomen. Es handelt sich um einen sogenannten Zwillingsreim, der verschiedene Wörter mit gleichem Buchstabenmaterial reimt, allerdings gewöhnlich mehrsilbige Wörter (vgl. Wikipedia).

Die außerordentliche Polysemantik der Strophe wurde von Karl Bertau erkannt: „Reimende Homonyme gar, wie ê und ê, neigen zu einer Osmose des Sinns: Das ‚Gesetz‘ (ê) und die ‚Ehe‘ (ê) sind das, was ‚einst‘ (ê) war, und was ‚einst‘ (ê) war oder was ‚Gesetz‘ (ê) ist, kann nicht das rechte Maß der Liebe sein. So hat die berühmte minnen-ê-Strophe in ihrem verwirrenden Klang zugleich mehrfachen Sinn.“ (Bertau 1983, S. 128 f.) In Wirklichkeit wurde die Strophe erst durch diese Beschreibung berühmt und zugleich getauft. Der renommierte Germanist fragte sich, ob sich nicht irgendwo im Text ein zusätzliches Akrostichon verstecke, fand es aber nicht: „Jene Strophen […] bilden mit ihren Anfangsbuchstaben die Namen GOTEFRIT, DIETERICH, TRISTAN, ISOLT und noch andere Zeichengruppen, die wir nicht entziffern können (z. B. DIU E?) […] Mit den Initialen zahlreicher Vierreimstrophen wissen wir in der Tat nichts anzufangen […]. Diese Strophen haben in der Regel sentenzhaften Charakter […]. Ein Beispiel dafür bietet die minnen-ê-Strophe“ (ebd. S. 129–133).

Das von Bertau vermutete Akrostichon ist in den Editionen nicht leicht zu finden, denn Ranke reduzierte das entscheidende E zu einem gewöhnlichen Anfangsbuchstaben. Die drei ungeklärten Initialen am Ende des Prologs (DIU) können auf Mittelhochdeutsch als weiblicher Nominativartikel verstanden werden. Ranke hob sie graphisch hervor, weil sie zu Vierreimstrophen (DI) oder einem Anschlussvers (U) gehören. In den Handschriften sind sie nie markiert. Es ist denkbar, dass Gottfried hier ursprünglich Kleininitialen benutzte. Fest steht, dass er die Handlung mit einer Großinitiale begann. Die vier Buchstaben unterschiedlicher Größe bilden auf jeden Fall ein zusammenhängendes, zweiteiliges Akrostichon, das kaum anders denn als Werktitel gedeutet werden kann. Gottfried nannte also sein Gedicht DIUE, in kritischer Wiedergabe ‚diu ê‘, mit anderen Worten ‚das Bündnis‘, ‚das Gesetz‘, ‚die Ewigkeit‘ oder einfach ‚die Ehe‘. Es handelte sich damals um ein einziges Wort mit Nebenbedeutungen.

Wenn der Dichter ein endloses Bündnis zwischen zwei Liebenden beschreiben wollte, kann er unmöglich die Absicht haben können, die Geschichte bis zum Tod der Protagonisten zu erzählen. Er entwarf also den Text von vornherein als ‚konzeptionelles Fragment‘, um Kaminskis Begriff zu benutzen, und signalisierte mit den Initialen, dass die Liebe in die Ewigkeit führt. Gottfried hielt die Liebe für eine Pflanze, die zunächst gesät, dann gepflegt wird, die aber ständig wachsen muss. Hört ihr Wachstum auf, so verwelkt sie. Deshalb gibt es bei ihm keine Liebe auf den ersten Blick wie bei Eilhart. Der Minnetrank hat bei Gottfried seine Funktion verloren, denn Tristan und Isolde haben schon beim Musikunterricht begonnen, den Samen ihrer künftigen Beziehung zu säen.

Gottfried erzählt, wie die beiden Protagonisten sich vereinen und schon im Leben zusammenwachsen. Wenn sie letztendlich von Marke auf frischer Tat ertappt werden, sind sie so fest und eng miteinander „verflochten […], so eng zusammengedrängt und aneinandergeschmiegt, daß selbst wenn ein Kunstwerk gegossen würde aus Erz oder Gold, es auch dann nicht besser gefügt sein würde und könnte.“ (Krohn 1980, v. 18197, 18206–18211) Dieses Kunstwerk ist eben der Tristan oder, wie man den Text künftig besser nennen sollte, Diu ê.

Dieses Bündnis ist übrigens als symbolische Ehe stilisiert. Tristan bekommt selbst die Frau, die er im Drachenkampf erworben und verdient hat, und die Beziehung der beiden wird bei ihrer physischen Trennung paradoxerweise als Trauungszeremonie besiegelt. Wie eine Braut den Bräutigam, küsst Isolde ihren Geliebten und beendet ihren letzten Monolog mit einer typischen Verlobungs- und Trauungsformel: „Dieser Kuß möge besiegeln, daß ich Euer bin und Ihr mein seid, treu bis in den Tod, nur ein Tristan und eine Isolde.“ (ebd. v. 18355–18358). Gottfried folgt der Sage bis zum entscheidenden Gewissenskonflikt des Helden, der sich fragt, ob er seine Geliebte verraten oder ihr treu bleiben solle. In den überlieferten Versen heiratet Tristan Isolde Weißhand nicht, denn der Dichter bricht die Erzählung gerade rechtzeitig ab. Er hat schon im Prolog erklärt, dass seine Protagonisten heute tot sind und dass sie dennoch leben, weil wir ihre Geschichte lesen (ebd. v. 233–240). Deshalb verzichtet er auf die Beschreibung ihres tragischen Endes und beendet sein Gedicht mit folgendem optimistischen Vers: „vröude unde vrôliches leben“ (ebd. v. 19548).

Da der Name, unter welchem der Dichter heute bekannt ist, schon im Mittelalter eher zwei- als dreisilbig war, kann man sich fragen, ob das isolierte E, das den vierten Hauptteil eröffnet, zum Verfasserakrostichon gehört. Vielleicht begnügte sich Gottfried mit den drei Buchstaben GOT, um den Anfang seines Namens zu verschlüsseln. Es kann sogar sein, dass er an seine eigene etymologische Gottesähnlichkeit erinnern wollte. Sein um 1125 geborener Namenbruder Gottfried von Viterbo, der zur Zeit des Tristan vielleicht noch am Leben war, hatte dies einige Jahrzehnte früher getan, indem er seinen deutschen Namen so erklärte: „In lingua nanque Teutonica got dicitur Deus, pax dicitur fride. Inde Gotifredus pax Dei interpretatur“ (Waitz 1872, S. 133). Zur Biographie dieses deutschsprachigen Historikers, der wie der Tristan-Dichter den Titel ‚magister‘ trug, vgl. Haussmann 1922 (hier zu seinen Deutschkenntnissen S. 617).

Wenn das besprochene E von GOT getrennt werden sollte, ist eine Verbindung mit den übrigen signifikanten Belegen für diesen semantischen Buchstaben in Erwägung zu ziehen. Die Handlung beginnt mit einem E und mündet nach der Minnetrankszene in die minne-ê-Strophe mit vier Belegen. Wenn der darauf folgende Minne-Exkurs als Neuanfang und Prolog für den abschließenden Liebesteil des Werks gemeint war, bildet die minne-ê-Strophe einen Übergang. Der vierte und letzte Hauptteil fängt kurz danach mit einem neuen E an. In beiden Fällen erscheint die Großinitiale im unbestimmten Artikel ‚ein‘. Vielleicht besteht eine symbolische Querverbindung zwischen ‚ein hêrre in Parmenien‘ (v. 245), Tristans Vater, und ‚ein langiu rede von minnen‘ (v. 12183), Tristans Buch, und endlich dem Kern des versteckten Titels, der sich ja anscheinend aus einem einzigen Buchstaben besteht.

Trotz der Entdeckung des Akrostichons DIUE sind die Rätsel dieses einmaligen Liebesromans noch lange nicht gelöst. Der letzte Entschlüsselungsvorschlag ist erst 2013 in Gottfrieds Heimat erschienen und hat vorläufig kein großes Aufsehen auf der anderen Seite des Rheins erregt. Die erste deutsche Reaktion ist durchaus positiv: „zum Grundbestand des Akrostichons macht Andersen noch die Gruppe DIU E (v. 233–245) plausibel“ (Huber 2014, S. 283). Straßburg wartet gespannt auf weitere Urteile.

Zusammenfassende Angaben zum Buchstabenspiel

  • Die 24 inhaltlich und syntaktisch geschlossene Strophen mit vierfachem Reim, sentenzartiger Aussage und signifikanter Initiale: v. 1–4, 5–8, 9–12, 13–16, 17–20, 21–24, 25–28, 29–32, 33–36, 37–40, 41–44, 131–134, 233–236, 237–240, 1751–1754, 1791–1794, 1865–1868, 5069–5072, 5099–5102, 5177–5180, 11871–11874, 12183–12186, 12431–12434, 12503–12506
  • Die neun signifikanten Anschlussverse: v. 45, 135, 241, 1795, 1869, 5103, 5181, 12435, 12507
  • Die sieben zur Handlung gehörigen Passagen mit vierfachem Reim, aber ohne signifikante Initiale: v. 1393–1396, 3157–3160, 3269–3272, 4211–4214, 5447–5450, 8407–8410, 18435–18438
  • Die 30 bis 33 signifikanten Initialen des Originals:
    • 13 gesicherte Großinitialen: G 4, I 41, T 131, 1751–1754, 1791–1794, 1865–1868, 5069–5072, 5099–5102, 5177–5180, 11871–11874, 12183–12186, 12431–12434, 12503–12506
    • 17 relativ gut gesicherte Kleininitialen: D 5, I 9, E 13, T/D 17, E 21, R 25, I 29, C/K 33, H 37, I 45, T 135, S 1795, R 1869, O 5103, I 5181, L 12435, S 12507
    • drei mögliche Kleininitialen: D 233, I 237, U 241
  • Die vier unsicheren kleinen farbigen ‚Finitialen‘: E 11871, E 11872, E 11873, E 11874 (die minne-ê-Strophe war vielleicht ursprünglich mit farbigen Schlussbuchstaben versehen, obwohl es in Deutschland keinen Beleg für solche ‚Finitialen‘ gibt)
  • Die 43 überlieferten, vorgesehenen oder angedeuteten Großinitialen: v. 1 (BEHMNPRW), v 41 (H), v. 131 (HM), v. 245 (BEHMW), v. 1751 (HMO), v. 1791 (HMO), v. 1865 (BHMO), v. 5069 (HMO), v. 5099 (H), v. 5177 (BMOW), v . 12183 (Hof1), v. 12431 (HOf1), v. 12503 (HOW)
  • Online-Überlieferung mit Großinitialen:
    • B: G 1 (1a), E 245 (3b), S 1865 (23b), O 5177 (65a)
    • H: G 1 (1ra), T 41 (1rb), I 131 (1vb), E 245 (2va), O 1751 (13va), T 1791 (13vb), S 1865 (14rb), T 5069 (34vb), I 5099 (34vb), E 12183 (80rb), S 12431 (81vb)
    • M: G 1 (1ra), I 131 (1vb), E 245 (2rb), O 1751 (13vb), T 1791 (14ra), S 1865 (14va), T 5069 (34vb), O 5177 (35va)
    • O: A 1751 (9va), R 1791 (9vb), S 1865 (10rb), D 5069 (30va), O 5177 (31va), E 12183 (75va), S 12431 (76vb), L 12503 (77rb)
    • R: G 1 (10r)

Mögliche Vorbilder für Gottfrieds Akrosticha

  • Johannes, Evangelium, 2. Jh. (lat. + dt.) vgl. Kap. 19,19: „Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum“ (‚Jesus aus Nazareth, König der Juden‘) = INRI (viergliedrige [!]Bezeichnung für Christus), als Akrostichon seit dem 4. Jh. → Wikipedia
  • Augustinus, De civitate Dei, 426 (lat. 1955 + dt. 1911/1916), vgl. Buch XVIII,23: lateinische Übersetzung eines griechischen Gedichts in 26 Versen mit dem Akrostichon Ίησοῦς Χριστός Θεοῦ Υἱός Σωτήρ (‚Jesus Christus, Gottes Sohn, der Erlöser‘) = ΊΧΘΥΣ (‚Fisch‘)
  • Otfrid von Weißenburg, Evangelienbuch, um 870 (Hs. 870 + ahd. 1858 + ahd. 1973/1997), vgl. erste Widmung v. 1–95 (Versanfang) = v. 2–96 (Versschluss): LUTHOUUICO ORIENTALIUM REGNORUM REGI SIT SALVS AETERNA (‚Ludwig, dem König der östlichen Reiche, sei ewiges Heil‘); dritte Widmung v. 1–47 (Versanfang) = v. 2–48 (Versschluss): SALOMONI EPISCOPO OTFRIDUS (‚Otfrid an Bischof Salomon‘)
  • Walter von Châtillon, Alexandreis, um 1180 (lat. 1978), vgl. Anfangsbuchstaben der zehn Bücher: GUILLERMUS (‚Wilhelm‘, Erzbischof von Reims, Widmungsträger)
  • Johannes von Hauvilla, Architrenius (‚Erzweiner‘), um 1184 (lat. 1994), vgl. Anfänge der acht ersten Bücher: UUALTERO (‚an Walter‘, Erzbischof von Rouen, Widmungsträger) und Anfänge der letzten Verse in denselben Büchern: IOHANNES
  • Albert von Augsburg, Leben des heiligen Ulrich, um 1200 (mhd. 1844 + mhd. 1971), vgl. v. 1, 5, 9, 13, 17, 19, 21, 23: ALBERTVS; v. 1574–1577: „Swer wizzen welle sinen namen / der sol setzen ze samen / an dem ersten blate die buͦch staben / die die roten uarwe haben.“

Akrosticha nach Gottfried und mögliche Nachahmung

  • Ebernand von Erfurt, Heinrich und Kunigunde, um 1220 (mhd. 1844: Akrostichon hier nur teilweise erschlossen), vgl. Anfänge der 61 Abschnitte: „ebernand so heizin ich, di erfurtere irkennint mich: keisir vnde keisirinne“; v. 4445–4467: „Will jemand wissen, wer der Dichter war? Der Leser soll die Versanfänge vom Ende bis zum Schluss lesen. Dann findet er meinen Namen“ → Albert von Augsburg
  • Konrad von Heimesfurt, Diu urstende, um 1225 (mhd. 1844, Akrostichon hier entstellt), vgl. Anfänge der 70 Abschnitte: CUNRAD VON HEIMESVURT / HAT DIZ BUCH GEMACHET / DES RATEN UNDE TURT / GUTEN SAM ENSWACHET / AMEN (‚Konrad von Heimesfurt hat dieses Buch gemacht, dessen Unkraut guten Samen nicht schwächt‘), Anspielung auf die Parabel vom Unkraut im Weizen, vgl. Mt 13,24 ff.
  • Heinrich von dem Türlin, Diu krône, um 1220 (Hs. V, Bl. 130v + Hs. P, Bl. 4r–v + mhd. 1852), vgl. v. 182–216: HEINRICH VON DEM TURLIN HAT MIKH GETIHTET
  • Rudolf von Ems, Baarlam und Josaphat, um 1230 (Hs. 13. Jh., Bl. 100v + mhd. 1843), vgl. v. 16151–16157 (strophisches Schlussgebet mit demselben Reim): RUODOLF
  • Rudolf von Ems, Willehalm von Orlens, 1235/1250 (Hs. um 1420, Bl. 3rmhd. 1905), vgl. Anfangsverse der fünf Bücher, v. 1–15: RUODOLF IOHANNES (Johannes von Ravensburg, Vermittler der französischen Vorlage); v. 2143–2151: WILLEHALM (Hauptfigur); v. 5595–5600: AMELIE (Hauptfigur); v. 9735–9742: DUZABELE (Nebenfigur); v. 12205–12210: SAVINE (Nebenfigur) → von Gottfried beeinflusst
  • Rudolf von Ems, Alexander (unvollendet), 1236/1250 (mhd. 1928/1929), vgl. vierzeilige Anfangsstrophen v. 1–28: RUODOLF; Anfangsverse der Bücher II–VI, v. 3063, 8013, 12923, 15939, 20576: ALEXA; Anfangsverse aufeinander folgender Abschnitte v. 29, 57, 91, 121, 151, 181, 211, 243, 273, 311: NEKTANABUS (Alexanders leiblicher Vater); v. 341, 373, 417, 451, 485, 515, 553, 591: OLIMPIAS (Alexanders Mutter); v. 621, 649, 677, 717: AMON (Gott); v. 751, 785, 825, 857, 891, 921, 967, 995: PHILIPPE (Alexanders offizieller Vater); v. 1029, 1065, 1103, 1139, 1175, 1205, 1237, 1269, 1303: MAZEDONIE; v. 1345, 1387, 1423, 1457, 1527, 1583, 1655, 1765, 1831, 1917, 1953: ARISTOTILES (Alexanders Lehrer); v. 1995, 2037, 2067, 2097, 2133, 2173, 2211: BUZEVAL (Alexanders Pferd); v. 2241, 2281, 2317, 2355, 2393, 2435, 2477: NIKOLAUS (König); v. 2549, 2575, 2611, 2645, 2677, 2719: LISIAS (Höfling); v. 2749, 2779, 2809, 2843, 2877, 2907, 2941, 2983: PAUSANIA (König); v. 3105, 3139, 3171: KOR (unvollständig für KORINTIN); V. 3871, 3897, 3929, 3959, 3987, 4025: LAZADE (unvollständig für LAZEDEMONJE); v. 4423, 4459, 4493, 4539, 4579, 4643: PRIMUS (Satrap); v. 4927, 4965, 50156, 5053: OSIA (unvollständig für Dariusʼ Bruder OXIATRES); v. 6045, 6075, 6105, 6135, 6165, 6201: DARIUS (König); v. 9665, 9703, 9737, 9767, 9803, 9837: JADDUS (Hohepriester); v. 13441, 13475: AS (unvollständig für den Fluss ASPES); v. 15377, 15471, 15515, 15555: NUOD (unvollständig für NABUCHODONOSOR) → von Gottfried beeinflusst
  • Rudolf von Ems, Weltchronik, bis 1254 (unvollendet) (mhd. 1915), vgl. Anfangsverse v. 1–6: RUDOLF; Anfänge der Weltalter v. 3794–3800: ABRAHAM; V. 8798–8803: MOISES; v. 21518–21522: DAVID
  • Ulrich von dem Türlin, Arabel, um 1260 (mhd. 1893), vgl. v. VII,1–VIII,31: MEISTER ULRICH VON DEM TURLIN HAT MIH GEMACHET DEM EDELN CUNICH VON BEHEIM → von Heinrich von dem Türlin beeinflusst
  • Anonym, Die Erlösung, 14. Jh. (mhd. 1858, Akrostichon hier entstellt), vgl. v. 1771–1823 (alle zwei Verse): IHESVS CRISTUS AIOS THEV SOTHER (‚Jesus Christus, Gottes Sohn, der Erlöser‘) → von Augustinus beeinflusst

Tafel der mutmaßlichen Initialen des Originals

I: Zeugung, II: Erziehung, III: Annäherung, IV: Bündnis

  • Rot: 24 Vierreimstrophen
  • Blau: 9 Anschlussverse
  • Grün: eine alleinstehende Großinitiale
  • Fett: 13 Großinitialen
  • Kursiv: 3 unsichere Kleininitialen und 4 unsichere ‚Finitialen‘
I 1 G
5–37 D I E T E R I C H
41/45 T I
131/35 I T
233–45 D I U E
II 1751 O
1791/95 R S
1865/69 S R
III 5069 T
5099/103 I O
5177/83 O I
11871–74 EEEE
IV 12183 E
12431/35 S L
12503/07 L S